„Wichtig, Herr eines gutes Namens zu sein“

Die von-Braunmühl-Straße in Haar heißt jetzt Max-Isserlin-Straße

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Max Isserlin wird nun in Haar auf besondere Weise geehrt.

„Hinter einer äußeren Aktion muss auch die Änderung der inneren Haltung stehen“, sagte Peter Brieger, Ärztlicher Direktor des kbo-Isar-Amper-Klinikum. Gerade war die „von-Braunmühl-Straße“ in Haar in „Max-Isserlin-Straße“ umbenannt worden. Lange hatte die Aktion nicht gedauert, aber vielleicht hinterlässt sie in der Gemeinde doch tiefere Spuren.

Anton von Braunmühl wurde 1976 die Ehre zuteil, dass eine Straße nach ihm benannt wurde. „Man dachte, man ehrt einen humorigen, verdienten Arzt. Heute wissen wir es besser“, erklärte Bürgermeisterin Gabriele Müller. Neuere Forschungen belegten, dass er am menschenverachtenden System der Klinik während des Nationalsozialismus mitwirkte. Er war kein Medizin-Monster wie Josef Mengele, aber seine Verstrickung war zu weitreichend, um ihn weiterhin als gutes Beispiel in der Gemeinde zu ehren. Vor allem in Haar, wo es zum Beispiel auch kein Kriegerdenkmal gibt, sondern ein Mahnmal. „Wir wollen den Opfern gedenken – und nicht den so genannten Helden“, sagte Müller, die in diesem Zusammenhang auch auf die neue Edith-Hecht-Straße im Jugendstilpark hinwies.

Max Isserlin war eines der Opfer dieser Zeit. Nur kurz durfte der „Geburtshelfer der Kinder- und Jugendpsychiatrie in München“ die Heckschersche Nervenheil- und Forschungsanstalt leiten. Als Jude wurde er von den Nazis erst abgesetzt und später verfolgt. Max Isserlin flüchtete nach England. Jetzt kehrt sein Name nach Haar zurück – in eine Straße, in der bald eine Zweigestelle der Heckscher-Klinik einziehen wird. Der Kreis schließt sich spät, aber er schließt sich. Darauf kam es allen Beteiligten an. Der Haarer Gemeinderat hatte die Umbenennung der Straße einstimmig beschlossen.

Aus London war Max Isserlins Enkel Raphael extra angereist. Sichtlich gerührt sagte er in seiner Rede: „Zusammen mit uns, die heute hier stehen, sind die, die heute nicht hier stehen. Mein Großvater starb 17 Jahre vor meiner Geburt. Aber in meiner Familie heißt es bis heute, dass es wichtig ist, Herr eines guten Namens zu sein.“

Es war tatsächlich mehr als ein kleiner, bürokratischer Akt, der in Haar vollzogen wurde. Das zeigt auch die Tatsache, dass die kbo Klinik in Haar pünktlich zur Straßen-Umbenennung auch die Portrait-Galerie der früheren Rektoren der Klinik abhängen ließ. „Es kann nicht sein, dass von Braunmühl dort weiter hängt“, erklärte Peter Brieger. Stattdessen wurde die Galerie abfotografiert. „Wir denken nach“, steht über dem Bild. Darunter folgt ein Hinweis, dass mindestens drei ehemalige Direktoren mit den NS-Verbrechen in Verbindung zu bringen sind. Jetzt wird öffentlich nach Vorschlägen gesucht, wie die Klinik mit der eigenen Geschichte am besten umgehen kann.

Marco Heinrich

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