Ein halbes Jahr im Amt: Die Ziele bleiben, aber der Weg ist steiniger als erwartet

Vhs-Veranstaltung mit Haarer Bürgermeister Andreas Bukowski 

Bürgermeister Andreas Bukowski und Vhs-Leiterin Lourdes María Ros de Andrés bei der Fragerunde der Bürger.
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Bürgermeister Andreas Bukowski und Vhs-Leiterin Lourdes María Ros de Andrés bei der Fragerunde der Bürger.

Wie sieht die Zukunft der Gemeinde Haar aus? Das wollte die Vhs-Leiterin von Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) im ersten Teil ihrer Veranstaltungsreihe „Zukunft gestalten im Dialog“ wissen. Dieser zog nach seinen ersten sechs Monaten im Amt Bilanz und beantwortete auch kritische Fragen der Bürger.

Es ist alles nicht so einfach. Das ist die große Erkenntnis, die Haars neuer Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU), nach seinem ersten halben Jahr im Amt gewonnen hat. Bei der Vhs-Veranstaltung „Zukunft gestalten im Dialog“ im Bürgersaal zieht er Bilanz und stellt fest: Bürokratische und politische Prozesse sind langwierig. Etwas, das der ehemalige Geschäftsführer eigentlich nicht so mag, er will Dinge lieber schnell voran bringen, wie er selbst sagt.

Doch da scheitert es oft an den Gegebenheiten. Bei der Diskussion um den neuen Schulcampus etwa habe sein Enthusiasmus mittlerweile nachgelassen. Zumindest was das Grundstück am Gronsdorfer Bahnhof angeht, denn dieses gehört der Stadt München und die will den Campus mit einer Pflegeschule, Realschule sowie FOS/BOS nur in Verbindung mit einer massiven Wohnbebauung realisieren. Das wiederum will die Gemeinde verhindern. „Da kommen wir wahrscheinlich nicht zusammen“, glaubt der Bürgermeister. Zwei andere Grundstücke in Eglfing westlich vom Sportpark und in der Nähe des Klinikums hat er nun ins Auge gefasst, allerdings gehören auch diese beiden Flächen nicht der Gemeinde. Die Grundstücksverhandlungen laufen gerade. „Die Gemeinde Haar hat relativ wenig eigene Flächen“, stellt der Bürgermeister fest. Dies erschwert die Standortsuche für neue Gebäude erheblich. Auch was die Pläne des Bürgermeister zur Genossenschaftlichen Wohnbebauung angeht. Nur zwei Grundstücke kommen derzeit dafür in Frage. Eines davon befindet sich an der Johann-Strauß-Straße 5. Der Bau dort ist allerdings in die Jahre gekommen, eine Sanierung aufgrund der maroden Bau­substanz nicht mehr sinnvoll. Es müsste also abgerissen und neu gebaut werden. Ein Arbeitsgruppe, die ein genossenschaftliches Konzept an dieser Stelle prüfen soll, ist bereits gegründet. Auch in Ottendichl gäbe es eine Möglichkeit, genossenschaftlich zu bauen, diese Planungen sind aber noch zurückgestellt.

Was die geplante Einführung der neuen Minibuslinie betrifft, zieht sich der selbe Ton durch Bukowskis Vortrag. Bis zum 19. Oktober können sich die Bürger zwar noch an der Online-Umfrage zu den geplanten Haltestelle beteiligen, wann es aber dann zur Realisierung kommen soll, ist fraglich, denn: Hier hat die MVV die Hoheit, da ziehen sich Verhandlungen schnell in die Länge. Auch hier gilt also das neue Motto des Bürgermeisters: „Ganz so einfach ist es nicht.“

Immerhin, was die digitalen Geschwindigkeitsanzeigen in den 30er-Zonen angeht, kann der Bürgermeister schneller reagieren. Nachdem die Umfrage nach möglichen Standorten mittlerweile abgeschlossen ist, können diese demnächst installiert werden. Natürlich nur in den Straßen, die der Gemeinde gehören — wie etwa am Jagdfeldring.

Zur Lage der Wirtschaft und der Gemeindefinanzen wiederholte Bukowski das, was bereits seinen Wahlkampf durchzog. Mit dem Wegzug des größten Gewerbesteuerzahlers MSD im kommenden Jahr müsse der Gürtel der Gemeinde etwas enger geschnallt werden. Für die Zukunft will Bukowski dann in die Akquise gehen und aktiv um neue Unternehmen werben. Diese sollten zu Haar passen, wobei Bukowski da an kreative und innovative Unternehmen denkt, die auch das Erscheinungsbild der Gemeinde jünger und frischer werden lassen. Im Gegenzug müsse auch die Gemeinde zusehen, dass sie als Standort für Unternehmen attraktiv bleibe. Ein vielfältiges Angebot etwa an Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten sei daher wichtig.

Zu dem Thema gab es dann auch eine Frage aus dem Publikum. Die Bürger hatten die Möglichkeit, während Bukowskis Vortrag Fragen auf Karteikarten zu notieren, die im Anschluss von Vhs-Leiterin Lourdes María Ros de Andrés vorgelesen wurden.

Wann es wieder einen Supermarkt in der Ortsmitte, sprich Leibstraße, gebe und ob es nach dem Wegzug des „Lesezeichens“ wieder eine Buchhandlung in Haar geben wird, wollte ein Bürger wissen. „Ja“, versprach Bukowski. „In den nächsten sechs Jahren wird es beides wieder geben.“ Wo die Buchhandlung herkommt, ist derzeit noch nicht bekannt, aber zumindest ein Supermarkt in der Leibstraße/Ecke Wasserburger Landstraße ist derzeit schon in Planung. Die Voraussetzungen dafür wurden bereits vor der Amtszeit Bukowskis geschaffen.

Auch zum Thema Leibstraße gab es eine Frage aus dem Publikum: Wird es dort nun eine Fußgängerzone oder eine Einbahnstraße geben?

Weder noch, antwortete der Bürgermeister in einer etwas längeren Erklärung. So sei eine Einbahnstraße nur schwer umsetzbar, da der Verkehrsfluss in eine Richtung völlig gekappt wäre, damit wäre der ganze Ortsteil Eglfing abgeschnitten. Argumente, die die SPD bereits unter Bukowskis Vorgängerin hervorbrachte, damals aber von der CSU nicht gelten gelassen wurden: „Lasst es uns doch zumindest probieren!“ Die SPD und die ehemalige Bürgermeisterin Gabriele Müller favorisierten die Idee eines verkehrsberuhigten Geschäftsbereiches. Die CSU allerdings war nicht bereit, auf einige Parkplätze zugunsten breiterer Fußgängerwege zu verzichten. Auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung sahen sie kritisch. Bukowski, der damals kein Mitglied des Gemeinderats war, äußerte selbst keinen Vorschlag zur Leibstraße und sagte nur, er sei für die beste Lösung. Welche das sein wird, wird sich zeigen, aber Worte wie „Verkehrsberuhigung“ fielen nun zumindest in Bukowskis Erklärung.

Doch zunächst wird die Leibstraße ohnehin noch zugunsten eines größeren Umbaus zurückgestellt. Dieser soll nun auch die Bahnhofstraße mit einbeziehen. Damit hätte die Gemeinde die Chance, sich staatliche Zuschüsse des sogenannten Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (Isek) zu sichern. Das schließt aber auch neue Untersuchungen und eine Verzögerung des Umbaus mit ein. Alles tatsächlich nicht so einfach.

Lydia Wünsch

Der zweite Teil der Vhs-Veranstaltungsreihe „Zukunft gestalten im Dialog“ findet am Donnerstag, 19. November, von 19.30 bis 21 Uhr in der Vhs an der Münchner Straße 3 statt. Titel ist diesmal „Familienleben in Zeiten von Corona“. Als Referentin ist Barbara Thiessen von der Hochschule Landshut eingeladen. Der Eintritt kostet 8 Euro.

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