Die Krankheit aus der Tabuzone holen

Veranstaltungen im Rahmen der bayernweit stattfindenden Demenzwoche

Zwei ältere Menschen sitzen und haben ihre Hände ineinander gelegt.
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Die Diagnose Demenz löst bei vielen Betroffenen und ihren Angehörigen zunächst große Angst aus. Denn jeder ahnt, dass sich der Alltag nun grundlegend verändert.

„Festhalten, was verbindet“ betont die bayerische Demenzstrategie. Auch die Bayerische Demenzwoche, die von 17. bis 26. September bayernweit stattfindet, steht unter diesem Motto. Zum zweiten Mal nach 2019 findet heuer eine solche Woche statt, die mit vielen Veranstaltungen, ob Filmabende oder Gesprächsrunden, das Thema Demenz in den Fokus rückt. 

Erkrankt ein Mensch an Demenz, so stellt der neue Alltag eine große Herausforderung für ihn selbst und seine Angehörige dar. Ziel der Bayerischen Demenzwoche vom 17. bis 26. September in ganz Bayern ist es, die Bevölkerung für das Thema Demenz noch mehr zu sensibilisieren. 2019 fand zum ersten Mal eine Demenz­woche statt, heuer folgt die zweite Auflage.

Wer an einer demenziellen Erkrankung leidet, erfährt, wie zunehmend die geistige Leistungsfähigkeit nachlässt. Dies hat Auswirkungen auf das Gedächtnis, das Denkvermögen, die Orientierung, die Auffassungsgabe, die Lernfähigkeit, die Sprache und auch das Urteilsvermögen. Demenz-Erkrankungen sind nicht heilbar, so löst die Diagnose Demenz häufig große Angst bei den Betroffenen aus. Und auch ihre Angehörigen ahnen, dass sie künftig viel Geduld und Verständnis aufbringen sollten. Ziel der 2013 beschlossenen Demenzstrategie für Bayern ist es, diese Ängste abzubauen und auch der Stigmatisierung und Tabuisierung der Krankheit entgegenzuwirken.

In der Altersgruppe der über 90-Jährigen weist heute mehr als jeder Dritte demenzielle Symptome auf. In Bayern leben mehr als 240.000 Betroffene. In vielen Fällen sind es die Angehörigen, die oftmals für lange Zeit die Betreuung und Pflege übernehmen. So gibt es auch zahlreiche Hilfs-Angebote für Angehörige wie Selbsthilfegruppen, in denen sie gemeinsam Lösungen für schwierige Situationen erarbeiten und sie Rückhalt bei anderen erfahren, die ähnliche Erfahrungen machen.

Im Rahmen der Bayerischen Demenzwoche finden im Seniorentreff Kaiserstiftung in Riemerling an der Rudolf-Diesel-Straße am Samstag, 18. September, zwei Vorträge statt. Um 13 Uhr geht es darum, wie pflegenden Angehörigen mithilfe von „Kinaesthetics“ die Pflege erleichtert werden kann. Bei der Informationsveranstaltung haben Interessierte Gelegenheit, das Kursprogramm von Kinaesthetics für pflegende Angehörige und ehrenamtlich Pflegende kennen­zulernen.

Um 14 Uhr referiert die Seniorenbetreuung „Home Instead“ über individuelle Betreuungslösungen. Diese unterstützen pflegende Angehörige flexibel und nach ihren Wünschen. Das Thema lautet: „Demenz verstehen und verstanden werden”. In der Pause können die Gäste einige Stationen des Demenz-Parcours besuchen. Eine Anmeldung zur Infoveranstaltung ist erforderlich unter Telefon 61 10 12 28-0 oder per E-Mail an kaiserstiftung@hohenbrunn.de.

Eine Gesprächsrunde für Angehörige von Menschen mit Demenz am Montag, 20. September, von 17.30 bis 19 Uhr bei der Johanniter Unfall Hilfe, Fachstelle für pflegende Angehörige, an der Perlacher Straße 21. Eine Anmeldung ist möglich unter Telefon 1247344181 sowie per E-Mail an fachstelle-muenchen@johanniter.de.

„Vom Fuchs, der den Verstand verlor“ heißt das Theaterstück nach dem Buch von Martin Baltscheit für alle ab vier Jahren, die nicht vergessen wollen, wie tröstlich das Leben sein kann, wenn man sich nicht alleine fühlt. Das Theaterstück ist am Dienstag, 21. September, um 15.30 Uhr im Jugendzentrum Kirchheim an der Hauptstraße 30a zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Der AWO Betreuungsverein für den Landkreis München bietet am Dienstag, 21. September, von 14.30 bis 17 Uhr auf dem Wochenmarkt an der Bahnhofstraße 26 bis 28 in Höhenkirchen-Siegertsbrunn einen Infostand zum Thema „Demenz und Vorsorge“ an. „Nicht jede Vergesslichkeit ist mit einer beginnenden Demenz gleichzusetzen“, sagt Stefanie Sonntag, Fachbereichsleitung des AWO SozialService. „Jeder vergisst einmal etwas und erinnert sich später meist wieder.“ Trotzdem sei es mit zunehmendem Alter wichtig, auf Signale zu achten, denn nur wer rechtzeitig handle, kann im Vorfeld selbst Entscheidungen treffen und sie an Personen seines Vertrauens weitergeben.

Der Betreuungsverein berät zur rechtzeitigen Vorsorge und zur Erstellung von Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung. Besucher können sich dort informieren und alle wichtigen Formulare gleich mitnehmen. Weitere Informationen gibt es unter Telefon 67 20 87 197 oder per E-Mail an stefanie.sonntag@awo-kvmucl.de.

Auch die Alzheimer Gesellschaft Landkreis München (AGLM) beteiligt sich an der Aktionswoche. Am Dienstag, 21. September, dem Welt-Alzheimertag lädt der Verein zum Tag der offenen Tür in die Hauptstraße 42 in Unterhaching ein. Von 10 bis 16 Uhr erwarten die Besucher Informationen rund um die Arbeit der AGLM, Wissenswertes zum Thema Demenz, interessante Kurzvorträge, die Bilderausstellung “Demenz trifft Kunst”, eine Aufführung des Märchentheaters “Schneewittchen” sowie weitere Aktionen. Weitere Informationen gibt es bei der AGLM unter Telefon 66 05 92 22 oder E-Mail kontakt@aglm.de.

„Vergiss mein nicht“ lautet der Filmabend im Familienzentrum Trudering am Dompfaffweg 10, der am Donnerstag, 23. September, um 18 Uhr stattfindet. David Sieveking zeigt in seinem autobiografischen Film aus dem Jahr 2012 eindrücklich, wie sich das Leben seiner an Demenz erkrankten Mutter verändert, wie er und seine Familie betroffen sind und welche Chancen eine solche Veränderung mit sich bringt. Die Familie lernt sich in vielen Facetten neu kennen und verändert den Blick auf das Vergangene. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung kostet 4 Euro, um eine Anmeldung wird unter Telefon 45 24 20 70 gebeten.

„Ein Leben mit Demenz“ lautet der Titel einer Veranstaltung der Fachstelle für pflegende Angehörige der AWO München-Stadt. Dabei werden Mitarbeiter der Fachstelle grundsätzliche Fragen zu der Krankheit und ihre Auswirkungen geben. Themenschwerpunkte sind Betreuung und Pflege, Pflegende Angehörige und Unterstützungsangebote. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 23. September, von 14 bis 16 Uhr im ASZ Riem am Platz der Menschenrechte 10 statt. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 414243960 oder E-Mail asz-riem@brk-muenchen.de.

Musik schafft, was Worte oft nicht mehr vermögen. Sie öffnet die Tür zu Erinnerungen. Es zählt nur dieser Moment. Er zaubert ein Lächeln ins Gesicht aller Zuhörer. Hier darf man sein wie man ist – authentisch, spontan und berührt. Die Konzertreihe „Musik im Kopf“ ermöglicht Menschen mit Demenz und ihren Familien die Teilhabe am kulturellen Leben. Ein Lichtblick in ihrem von gesellschaftlicher Ausgrenzung und Isolation geprägten Alltag.

Am Sonntag, 26. September steht das Konzert des Vereins „Desideria Care“ unter dem Motto “Veronika, ausgerechnet Bananen! Der Lenz war doch schon da!” Die Besucher erwarten Schlager aus den 1920er bis 40er Jahren – live – zum Mitsingen und Lauschen. Die Künstlerin Tanja Maria Froidl leitet durch den Sonntagnachmittag. Die Teilnahme ist sowohl vor Ort im Kleinen Theater Haar an de Casinostraße 6 in Präsenz (10 Euro) möglich, aber auch digital im Livestream (kostenfrei). Eine Anmeldung ist in beiden Fällen erforderlich. Tickets gibt es unter https://kleinestheaterhaar.reservix.de/events.

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