„Jetzt geben die Grünen den Takt an“

Ulrich Leiner zum Wahlergebnis in Haar

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Ulrich Leiner sitzt nun für die Grünen im Haarer Gemeinderat und will vor allem den neuen Bürgermeister herausfordern. 

Haar – Richtig gut geschlafen hat Ulrich Leiner in der Nacht zum Montag nicht. Der Schock über das Ende der roten Regierung in Haar sitzt auch bei ihm tief. „Es war eine Überraschung, mit der wir Grünen nicht gerechnet haben“, sagt der ehemalige Bürgermeisterkandidat. „Wir hätten nie im Leben gedacht, dass Andreas Bukowski (CSU) die Wahl gewinnt.“

Kurz vor der Stichwahl hatten die Grünen noch ihre ­Wahlempfehlung für die SPD-Bürgermeisterin Gabriele Müller abgegeben. Rein rechnerisch hätte es dann für den Sieg gereicht. Bei der Kommunalwahl zwei Wochen zuvor holte Bukowski 42,4 Prozent, Müller 42,2 Prozent und Leiner 13 Prozent. Mit den Stimmen der Grünen hätte Müller eigentlich gewinnen müssen. Dennoch hat sie es nicht.

Eine mögliche Erklärung könnte die Briefwahl sein, die wegen Corona flächendeckend durchgeführt wurde. Denn es war auffallend, dass die Wahlbeteiligung deutlich höher ausfiel als sonst. 63,2 Prozent der Haarer haben bei der Stichwahl gewählt. Zum Vergleich: Zwei Wochen zuvor lag die Wahlbeteiligung bei 54,3 Prozent und vor sechs Jahren gar bei nur 49,2 Prozent. Diese zusätzlichen Stimmen sind nun offenbar an Bukowski gegangen. „Wer nach diesem Wahlkampf nicht den Weg in die Wahlkabine geht, dann aber bei der Briefwahl eine Stimme abgibt, der verfolgt die Geschehnisse in der Politik sicher nicht ganz so intensiv“, vermutet Leiner. Das könnte der Grund dafür sein, dass im Vorhinein aus Leiners Sicht keine Stimmung gegen Müller spürbar war.

Dennoch: Die Haarer haben ihre Wahl getroffen. „Mir ist es ja grundsätzlich lieb, wenn die Bürger sich stärker einbringen. Das ist ein Punkt, in dem wir mit Herrn Bukowski übereinstimmen“, so Leiner. Da hört es aber mit den Übereinstimmungen auch schon auf.

Wie sich die Grünen nun im Gemeinderat positionieren, wird sich zeigen. Denn der neue Bürgermeister hat in diesem Gemeinderat keine eigene Mehrheit. Die CSU hat 13 Sitze, Grüne und SPD haben zusammen 16. So muss sich Bukowski seine Mehrheiten erst suchen. Allerdings sei es laut Leiner ein Märchen, dass die Grünen immer automatisch mit der SPD stimmen würden. „Das ist ein Gerücht, das die CSU in die Welt gesetzt hat.“ Die CSU müsse eben nun versuchen, die Grünen mit ihren Inhalten zu überzeugen. „Ohne uns gibt es keine Mehrheit und da kommt es nun drauf an, was Herr Bukowski uns vorschlägt. Wir sind bereit, auf Basis unseres Programms, konstruktiv mitzuarbeiten.“ Allerdings merkt Leiner auch an, dass Bukowski in seinem Wahlkampf kaum Inhalte geboten hat. „Das ist schade. Und daher weiß man jetzt auch nicht, wofür er steht.“ Dies nachzuholen sei nun seine Aufgabe.

Zudem muss sich der 40-jährige Politneuling in sein neues Amt als Bürgermeister erst noch einarbeiten und dann auch noch mit der Corona-Krise umgehen. Traut Leiner ihm das alles zu?

„Er wollte diesen Job und jetzt hat er ihn“, sagt Leiner. „Und wenn einer schon in so einer verantwortungsvollen Position ist, dann wünsche ich mir auch, dass er es gut macht. Denn wenn er es schlecht macht, ist es für alle verheerend.“ Im Übrigen auch für die Rathaus-Mitarbeiter. Denn Bukowski habe keine Führungserfahrung in dieser Größenordnung. „Chef von 200 Mitarbeitern zu sein, ist keine Kleinigkeit — und da spreche ich als Forschungskoordinator in der Münchner Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft aus eigener Erfahrung.“

Für den Grünen ist jedenfalls klar: „Wir sind jetzt diejenigen, die im Gemeinderat den Takt angeben.“ So auch, wenn es zum Beispiel um die Leibstraße geht. Die CSU war gegen den Vorschlag der SPD, dort einen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich zu realisieren. Und nachdem Bukowski auch Vorsitzender des Gewerbeverbands ist, ist zu vermuten, dass dieser bei der Entscheidung künftig noch eine wichtige Rolle spielen wird. „Der Gewerbeverband wird sich gegen jede umweltorientierte Veränderung wehren“, glaubt Leiner. Aber: Der Vorschlag von der SPD hat zusammen mit den Grünen immer noch die Mehrheit. Darum betont Leiner auch hier: „Jetzt kann die CSU versuchen, uns davon zu überzeugen, dass ein anderer Vorschlag besser ist.“

Lydia Wünsch

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