Tierische Lebensretter

Die Tierklinik in Haar sucht Hunde und Katzen, die Blut spenden

Im Bereich des Halses wird die Nadel angesetzt, mit der Tierärztin Dr. Julia Weidenthaler (rechts) das Blut von Hardy entnimmt, um damit einem anderen Hund das Leben zu retten. Besitzerin Dr. Tanja Steinberg ist stolz auf den Rhodesian Ridgeback.
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Im Bereich des Halses wird die Nadel angesetzt, mit der Tierärztin Dr. Julia Weidenthaler (rechts) das Blut von Hardy entnimmt, um damit einem anderen Hund das Leben zu retten. Besitzerin Dr. Tanja Steinberg ist stolz auf den Rhodesian Ridgeback.

Blut spenden können nicht nur Menschen. Auch in der Tierklinik in Haar ist man manchmal darauf angewiesen. HALLO hat mit der Tierärztin Dr. Julia Weidenthaler darüber gesprochen, wie die Bluttransfusionen bei Hunden und Katzen ablaufen.

Hardy scheint sich seines besonderen Auftrags bewusst zu sein, als er mit seinem Frauchen, der Neurologin Dr. Tanja Steinberg, das Behandlungszimmer der Tierklinik Haar betritt, denn selbst die Nadel, die an seinem Hals angesetzt wird, bringt den Rhodesian Ridgeback nicht aus der Ruhe. Hardy ist zum Blutspenden in die Klinik gekommen, um – ähnlich wie bei Blutspenden beim Menschen – anderen, kranken Hunden zu helfen.

Einen Unterschied zum normalen, menschlichen Blutspenden gibt es aber: „Sein Spenderblut wird gleich nach der Entnahme zu seinem Empfänger gebracht, der bereits in einem anderen Behandlungsraum darauf wartet“, erklärt Tierärztin Dr. Julia Weidenthaler. Eine Blutbank, wie man das von menschlichen Blutspenden kennt, gebe es in der Tierklinik nicht, so Weidenthaler. Ein weiterer Unterschied sei, dass wir das Blut auch nicht wie beim Menschen vorher bearbeitet und in seine Bestandteile zerteilen. „Da es frisch ist, kommt, so wie es ist zum Empfänger-Tier“, erklärt die Tierärztin. Denn: „Wir haben eine Liste von potenziellen Spendern und diese können wir im akuten Bedarfsfalls abtelefonieren.“

So war das auch bei Hardy, dessen Besitzerin Oberärztin in der Tierklinik ist. Die Spender kommen nämlich meist aus dem Bekanntenkreis der Klinikmitarbeiter oder über den Aufruf, der in Wartezimmer aushängt. „Wichtig bei Spendern ist, dass sie nicht zu klein sind und natürlich, dass sie gesund sind“, sagt Weidenthaler. Dies werde aber in einem Vorabcheck geklärt. Im Rahmen dieses Gesundheitschecks kam Hardy auch auf die Waage, denn ein Hund muss laut der Tierärztin mindestens 20 Kilo und eine Katze vier Kilo wiegen, um spenden zu dürfen. „Pro Kilo nehmen wir dann zirka zehn Milliliter Blut ab. Das verkraften die Tiere gesundheitlich problemlos.“ Für die Tierärztin ist es außerdem wichtig, dass die Tiere keine Angst vor dem Tierarzt haben: „Die Spender-Hunde werden nie narkotisiert! Darum mache ich bei ihnen nur dann eine Blutabnahme, wenn das auch einigermaßen stressfrei für das Tier ablaufen kann.“ Zur Belohnung für das Tier gibt es am Ende, neben dem kostenlosen Gesundheits- check im Vorfeld, auch noch ein Fresspaket.

„Es gibt zwei Gründe, aus denen ein Hund oder eine Katze eine Blutspende benötigen können“, sagt Dr. Weidenthaler. „Entweder aufgrund einer Krankheit oder wegen eines Unfalls.“ Zu den Krankheiten gehöre etwa ein aufgegangener Milztumor, eine Autoimmun- oder eine Infektionserkrankung. Letztere führe zur Zerstörung von Blutzellen. Früher, so Weidenthaler, seien die Infektionserkrankungen auch als Mittelmeer- oder Reiseerkrankungen bekannt gewesen, da sie durch Zecken oder andere Erreger aus südlichen Ländern übertragen wurden. „Mittlerweile haben diese Erreger aber auch zunehmend Einzug in die nördlicheren Gebiete erhalten.“ Außerdem sei es wichtig zu wissen, dass eine Bluttransfusion bei Tieren niemals zur Heilung angewendet wird, sondern dem Empfänger-Tier lediglich Zeit verschaffen soll. „In dieser Zeit kann der Körper sich entweder von selbst regeneriert oder die medikamentöse Therapie anschlagen.“

Aber wie sieht es eigentlich mit den Blutgruppen bei Tieren aus? „Hunde und Katzen haben auch wie Menschen verschiedene Blutgruppen“, erklärt die Tiermedizinerin. Bei der ersten Transfusion könne man einem Hund allerdings auch Blut geben, das nicht seiner Blutgruppe entspricht, da sich die Antikörper erst danach bilden und er — wenn überhaupt — nur milde Reaktionen zeigt. „Das erleichtert die Suche nach einem Spender sehr“, so die Tierärztin. Bei Katzen sei es da schon schwieriger. Diese reagierten sofort auf eine falsche Blutgruppe! „Glücklicherweise handelt es sich bei den meisten Hauskatzen, die zu uns kommen, um klassische europäische Kurzhaarkatzen.“ Und die hätten fast alle die Blutgruppe A positiv.

Es gibt Phasen, da hat die Tierklinik über Wochen keine Bedarf an Tierblutspenden und dann gibt es Zeiten — so wie im Moment — da werden innerhalb von acht Tagen zehn Transfusionen abgenommen! „Mittlerweile sind wir sogar an einem Punkt, an dem wir unsere Spenderliste fast abtelefoniert haben“, klagt die Tierärztin. Darum freut sie sich über jeden, der bereits ist, mit seinem Blut ein anderes Tier zu retten. 

Lydia Wünsch

Tierblutspenden

137 Euro kostet eine Blut-Transfusion in der Tierklinik Haar. Mittlerweile gibt es für Tiere auch schon OP- und sogar Krankenversicherungen, die man bei den üblichen Krankenversicherungen abschließen kann. Weitere Infos zum Tierblutspenden erteilt die Tierklinik Haar unter Telefon 4614851-0. 

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