Quetschwerk Mühlhauser will weiter in Haar bleiben

Streit zwischen Gemeinde und Betrieb geht weiter

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Das Kieswerk in Haar sorgt derzeit für Aufregung in der Gemeinde.

Fast 60 Jahre steht das Kieswerk Mühlhauser schon in Gronsdorf und lieferte für viele große Bauprojekte im Umkreis das Material. Auch wenn die letzten beiden Abbauflächen, welche die Gemeinde Haar genehmigt hat, in zwei Jahren ausgebeutet sind – an Absiedlung denkt Geschäftsführer Markus Wahl nicht. Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) jedoch wünscht sich, dass das Werk umzieht.

„Wir streben ein gutes Verhältnis zur Gemeinde Haar an. Die Absicht, das Werk abzusiedeln, haben wir nicht“, erklärt Markus Wahl, der Geschäftsführer der Glück GmbH, zu der das Quetschwerk Mühlhauser seit 2006 gehört, im HALLO-Gespräch. Schon 1952 siedelte sich das Familienunternehmen Mühlhauser in Gronsdorf an – und ist seitdem fester Bestandteil der Gemeinde. Damals wurden Humus und Kies noch in Handarbeit abgetragen. Mehr als 20 Jahre später entstand das erste maschinell betriebene Werk, das inzwischen eines der großen im Landkreis ist. Und das soll nach Willen von Markus Wahl auch so bleiben, denn das Werk „ist auf Dauer genehmigt und wir haben rund 10 Millionen Euro in den Standort und eine sehr moderne Aufbereitungsanlage investiert.“ Kies werde da abgebaut, wo es ihn gebe, nämlich in der Münchner Schotterebene. „Darum wird das Werk in dieser Form weiter hier stehen, andere Pläne haben wir nicht“, so Markus Wahl.

„Wir verstehen uns als Versorger für die Bauwirtschaft vor Ort und liefern im Umkreis von 10 bis 15 Kilometern.“ Wenn die genehmigten Abbauflächen ausgekiest seien, werde man – wie bisher auch schon – Kies ankaufen und in Gronsdorf verarbeiten. „Natürlich gehen von den Lkws Belastungen aus, die versuchen wir aber so gering wie möglich zu halten. Das Kieswerk ist weit von der Wohnbebauung entfernt“, sagt Wahl. Mehrmals wöchentlich schicke Mühlhauser Reinigungsfahrzeuge auf die Zufahrtsstraßen, so dass die Anlieger nicht zu sehr vom Staub tangiert würden. Zudem gebe es keine großen Baustellen wie Messe oder Allianz-Arena mehr und die Tonnagen seien auf erträgliche Mengen zurückgegangen.

Eine Werkstraße, die querfeldein zu den Ausfallstraßen führt, kam nie zustande, obwohl sie vor rund zehn Jahren mal im Gespräch war. „Es scheitert immer, wenn nicht alle an einem Strang ziehen. Das war nicht von uns verschuldet“, so Wahl.

Doch wie hoch ist die Lkw-Belastung wirklich? Rund 23.000 Tonnen Kies werden übers Jahr gerechnet transportiert. Nimmt man 240 Arbeitstage und eine Arbeitszeit von zehn Stunden pro Tag, so wären das im Jahresschnitt 55 Laster am Tag, inklusive des Transportbetons. Während im Winter wenig geliefert wird, rollt im Sommer mehr Schwerlastverkehr. „Es wäre sicher nicht toll, das Material beispielsweise vom Chiemsee zu den Baustellen im Münchner Osten zu holen“, meint Wahl. In der gesamten Glück-Gruppe setze man auf Kooperation mit den Gemeinden, in denen Werke betrieben würden. „Wir haben auch bei der Gemeinde Haar noch Hoffnung, dass das funktioniert“, so Markus Wahl. In letzter Zeit allerdings hat der Gemeinderat sämtliche Anträge, beispielsweise zur Erweiterung der Kompostieranlage, abgelehnt. Auch neuen Kies-Abbauflächen zeigte Haar die rote Karte. „Von uns aus haben wir immer ein Dialog-Signal ausgesandt und werden das auch weiter tun!“ stellt Markus Wahl klar. 

Gabriele Mühlthaler

Müller: „Lieber Golf- oder Campingplatz“

Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) kann dem Kieswerk in Gronsdorf nichts abgewinnen. Sie fürchtet um die Folgen, denn wie der große Baggersee mitten auf dem Feld nahe Eglfing jemals aufgefüllt werden soll, ist ihr ein Rätsel. Müller wünscht sich, dass das Kieswerk in absehbarer Zeit die Tore schließt und hofft auf Einsicht des Betreibers.

„Ich weiß um die unbefristete Betriebserlaubnis für das Quetschwerk Mühlhauser. Über den Bebauungsplan haben wir aber eine Handhabe, steuernd einzuwirken. Weiteren Flächen zur Auskiesung außerhalb des Bebauungsplans stehen wir ablehnend gegenüber“, betonte die Haarer Bürgermeisterin im Gespräch mit HALLO. Müller macht sich Sorgen um die Folgen des Kiesabbaus auf Haarer Flur: „Laut den Betreibern sind Kieswerke Öko-Perlen, wo sich die Wechselkröte ansiedelt“, sagt Müller. Doch bis so ein Biotop endlich fertig sei, gehe viel Zeit ins Land. Das sehe man an dem „kleinen Wasserloch neben der Verbindungsstraße zwischen Salmdorf und Gronsdorf“, für das man viel zu wenig Verfüllmaterial habe. Angesichts der strengen Kriterien, die hier zu beachten seien, stehe in den Sternen, wann dieses Loch endlich zu sei. „Und wie will man die Riesenfläche mitten im Feld neben Eglfing stopfen?“ fragt sich Müller. Mühlhauser hole das Material bereits von anderer Stelle. Noch mehr Baggerseen will man in Haar nicht haben. „Weitere Schürfflächen lehnte der Gemeinderat ab!“ Die Bürgermeisterin weiß, dass Mühlhauser mehr Kies ankaufen und nach Gronsdorf bringen wird, wenn vor Ort nicht mehr abgebaut werden darf. Mehr Verkehr fürchtet Müller aber nicht: „Jetzt kommt ein leerer Lkw und ein voller fährt weg. Künftig kommt ein voller Laster und ein voller fährt weg“.

Die Wohnbebauung sei immer näher ans Kieswerk herangerückt, was nicht verträglich sei. „Ich kann nur darauf hoffen, dass Mühlhauser das einsieht. Das Werk steht seit 40 Jahren und hat sich inzwischen gut amortisiert. Viele Kieswerke geben ihr Areal zurück, in Weyern beispielsweise für ein Hospiz“, so Müller. Arrangieren könne sich Mühlhauser ganz leicht mit der Gemeinde, denn das Unternehmen sei auch in anderen Wirtschaftszweigen aktiv. „Es gibt Glück-Wohnwagen, einen Golfplatz, einen Campingplatz. Das würde alles besser passen als das Quetschwerk!“

An die Möglichkeit, Mühlhauser eine Ausgleichszahlung für die Absiedlung anzubieten, hat Müller nie gedacht. „Wir versuchen, den Gesprächsfaden zu halten. Wir verfahren in Haar nach einem klaren Konzept – Wohnen und Arbeit laufen Seite an Seite. Gewerbeflächen sind alle im Ort und wurden schon immer so ausgewiesen, dass Wohnen daneben möglich ist.“

gm

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