Der angeblichen „CSU-Luftnummer“ weht ein kräftiger Wind entgegen 

SPD und Grüne gegen Radweg auf Stelzen entlang der B304

Radweg auf Stelzen von Vaterstetten bis nach Trudering
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So soll der aufgeständerte Radweg aussehen, wenn es nach der CSU geht.

Die CSU im Münchner Osten will einen Radschnellweg auf Stelzen entlang der B304 realisieren. Dies sei ein wichtiger Beitrag zur Verkehrswende, glaubt der Haarer Bürgermeister Andreas Bukowksi. Doch von Seiten der Grünen und SPD bläst ein kräftiger Gegenwind für den Radweg in luftiger Höhe.  

Kaum hatten die drei CSU-Politiker Stefan Ziegler, Andreas Bukowski und Leonhard Spitzauer ihre große Rad-Vision vorgestellt, schon flatterten Leserbriefe und Stellungnahmen in die Redaktion.

Doch der Reihe nach: Vor zwei Wochen luden die beiden Bürgermeister der Gemeinden Haar und Vaterstetten sowie der Truderinger Bezirksausschussvorsitzende zu einer Online-Pressekonferenz. Dort stellten sie ihre Idee vor. Ein Radweg auf Stelzen, entlang der B304, auf dessen Grünstreifen. Zunächst von Vaterstetten bis nach Trudering, später vielleicht einmal sogar von Ebersberg bis weit in die Stadt hinein. So könnten Radler barrierefrei und ungehindert in die Stadt und wieder hinaus fahren. „Ein echter Beitrag zur Verkehrswende“, glaubt Andreas Bukowski. Und Ziegler ergänzte: „Dies wäre der weltweit längste Radweg auf Stelzen.“ Doch kaum wurde ihre Idee veröffentlicht, schon hagelte es heftige Kritik von SPD und Grünen. Die einhellige Meinung: So ein aufgeständerter Radweg sei völlig unrealistisch. Die SPD etwa sieht in der Idee eine Verhinderungstaktik der CSU für eine Neugestaltung der Wasserburger Landstraße. Denn so ein erhöhter Radweg bräuchte in regelmäßigen Abständen Zugänge von den Seitenstraßen. Auch wäre damit die Option einer Trambahn entlang der B304 gestorben, die von der SPD favorisiert wird. „Man muss sich neben der Machbarkeit anschauen, welche Kosten ein aufgeständerter Weg mit Auf- und Abfahrten auslösen würde. Mit diesem Vorschlag wollen die Herren von der CSU wohl ihrem Verkehrsminister Andreas Scheuer in Sachen sinnloser Geldverschwendung Konkurrenz machen. [...] Der Bau einer Beton- oder Stahlbrücke über eine Distanz von mehr als zehn Kilometern ist für uns kein Zeichen für eine neue Mobilität. Wir wollen statt solch wilder Wolkenkuckucksheim-Planungen und undurchdachten Schnellschüssen eine durchdachte, passende Lösung, die alle Verkehrsmittel mitdenkt“, sagt Eva Blomberg, Vorsitzende der Truderinger SPD.

Gerhard Fuchs (SPD), Vorsitzender des Unterausschusses Stadtteilentwicklung im Bezirksausschuss Trudering-Riem, bringt zusätzlich bauliche Fragen in die Debatte ein: „Damit ein LKW untendurch kommt, reden wir von fast vier Metern notwendiger Höhe. [...] Wenn man die Aus- und Abfahrten mitdenkt, wäre das baulich ein weitaus größerer Aufwand und schwer in den bestehenden Straßenraum integrierbar. Und wie wird es im Winter sein, wenn aus vier Metern Höhe der Schnee zu räumen ist? Wird das Bauwerk in der kalten Jahreszeit überhaupt nutzbar sein und von den Radlern angenommen? Die Skepsis ist groß.“ Und Andreas Schuster, Radverkehrsbeauftragter der SPD/Volt-Stadtratsfraktion, betont die Wichtigkeit einer Trambahn: „Was ist zum Beispiel mit einer Rollstuhlfahrerin? Wir brauchen einen Ausbau aller umweltfreundlichen Verkehrsmittel.“

Auch die Grünen im Münchner Osten schütteln den Kopf über die „CSU-Luftnummer“ wie sie die Idee bezeichnen: „Diese aufgeständerte Radschnellwegtrasse wäre mit Abstand die teuerste Variante von verschiedensten attraktiven Radwegrouten. Sie bräuchte eine Vielzahl von über 65 Meter langen Auf- und Abfahrten, also riesige Rampenbauwerke, die städtebaulich nicht sinnvoll in den Straßen- und Siedlungsraum zu integrieren sind – und letztendlich keine ernsthafte Chance auf Realisierung hat.“

Stattdessen formulieren die Grünen drei Ideen, die ihrer Meinung nach schneller umsetzbar seien.

Erstens: Ein Radschnellweg entlang der Bahnstrecke mit einer neuen Brücke über die B471.

Zweitens: Eine schnellstmögliche Planung der Tramlinie 21 von Berg am Laim entlang der Kreillerstraße/Wasserburger Landstraße über Trudering nach Haar.

Drittens: Eine zügige Planung des von den Truderinger Grünen vorgeschlagenen Radroutennetzes mit Verknüpfungen in die benachbarten Stadtteile und den Landkreis München.

Zudem brauche es laut der Grünen den Mut, der Bevölkerung zu sagen, dass eine echte Verkehrswende nur erreicht werden kann, wenn ein Umdenken in der Mobilität erfolgt — also langfristig weniger Autoverkehr.

Während es also von Grünen und SPD heftige Kritik hagelt, ist der CSU-Stadtrat Sebastian Schall auf den Radl-Zug aufgesprungen und fordert Oberbürgermeister Dieter Reiter in einem Antrag auf, eine Machbarkeitsstudie durchzuführen. Seiner Meinung nach soll die Strecke mindestens bis Berg am Laim ausgeweitet werden.

Lydia Wünsch

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