Keine Mitsprache über zukünftigen Nutzer

Sommergespräch mit der Haarer Bürgermeisterin

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Schmerzhafte Steuerausfälle sind ab 2021 zu erwarten, wenn der renommierte Pharmakonzern MSD Sharp & Dohme seinen Firmensitzvon Haar nach München verlegt.

Gut aufgestellt ist die Gemeinde Haar, auch wenn so einige Entwicklungen weder Bürgermeisterin Gabriele Müller noch dem Gemeinderat Freude bereiten. Schmerzhafte Steuerausfälle beispielsweise sind ab 2021 zu erwarten, wenn der renommierte Pharmakonzern MSD Sharp & Dohme seinen Firmensitz von Haar nach München verlegt (HALLO berichtete). Auch die Umsetzung des städtebaulichen Rahmenplans, der die Bebauung entlang der B 304 regeln soll, ist nicht ganz einfach. Und für das Ortszentrum wünscht sich Müller eine Tiefgarage, die mangels eines kommunalen Grundstücks schwer realisierbar ist.

„Der Wegzug von MSD wird sich stark auf die Gemeinde auswirken“, erklärt Bürgermeisterin Gabriele Müller. Wie berichtet, wird der Pharmakonzern seine Zentrale in „Die Macherei“ nach Berg am Laim verlegen, der Mietvertrag ist schon unterschrieben. Zuvor hatte das Unternehmen auch in Vaterstetten nach einer passende Fläche Ausschau gehalten. Für Haar ein herber Verlust, denn in den kommenden Jahre stehen hohe Ausgaben, beispielsweise für die neue Grundschule am Jagdfeldring, Kindergärten und anderes an. „MSD empfindet Immobilienbesitz als Last, darum haben sie auch die Wiese neben ihrer Zentrale verkauft“, so Müller. „Die Geschäftsführerin erklärte mir, das Konzept ‚Work-Life-Balance‘ lasse sich nicht im Gebäude verwirklichen“. Das wolle MSD wohl verkaufen. Mitsprache über den künftigen Nutzer habe die Gemeinde aber nicht: „Schade, wir sitzen als Kommune in der zweiten Reihe. Das wird sicher über Makler laufen.“ So habe man wenig Einfluss darauf, wer dort einziehen werde.

„MSD ist einer unserer großen Gewerbesteuerzahler, meine Intention ist, dass eine potenter Steuerzahler folgt“, sagt Müller. Darum sei das Gebäude auch nicht für die künftige Haarer Realschule im Gespräch, denn „wir brauchen die Steuer- einnahmen für die Haarer In- frastruktur. Wir betreiben drei Bäder und drei Jugendzentren, das wollen wir beibehalten“. Während das Freibad und das Hallenbad am Jagdfeldring kürzlich saniert worden seien, komme das Konradbad längst in die Jahre, hier müsse etwas geschehen, so Müller.

Die Bürgermeisterin betont, dass in der laufenden Legislaturperiode drei Leitlinien für Haar beschlossen worden seien, um die Entwicklung der Gemeinde steuern zu können. „Wir haben wenig Flächen und keine gute Nord-Süd-Verbindung. Flächensparendes Bauen an ÖV-Knotenpunkten ist wichtig“, erklärt die Bürgermeisterin. Das verwirkliche man in Gronsdorf und auch im Jugendstilpark. Und die Verkehrsbelastung, vor allem auf der B 471, wolle man im Schulterschluss mit den Nachbargemeinden in den Griff bekommen. Das Landratsamt bereitet gerade eine Machbarkeitsstudie für eine andere Trasse der Straße vor. Sollte die in ferner Zukunft mal realisiert werden, wünscht sich das Gemeinden-Bündnis auf der alten B 471 einen Radlschnellweg oder eine Stadt-Umland-Bahn, was beim Landkreis laut Müller auf positive Resonanz gestoßen ist.

Gabriele Mühlthaler

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