Wenn Frauen heimlich Kinder bekommen 

Schwangerenberatung Donum Vitae in Haar

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Frauen, die eine anonyme Geburt durchführen, befinden sich in einer großen Notsituation. 

Verstecken, verheimlichen, Krankheiten vorspielen – all das gehört zum täglichen Druck, dem Schwangere ausgesetzt sind, wenn niemand davon erfahren darf. Bei einer „vertraulichen Geburt“ haben Frauen seit 2014 die Möglichkeit, ihr Kind anonym zu bekommen und dennoch eine medizinische Versorgung zu erhalten - mit der Möglichkeit, das Kind nach 15 Jahren kennen zu lernen. 

„Frauen, die sich für eine anonyme Geburt entscheiden, befindet sich immer in einer großen Notlage“, betont Stephanie Klein. Sie ist als ausgebildete Fachkraft bei Donum Vitae in Haar für Schwangere in so einer Situation da. Im vergangen Jahr hat sie selbst den Weg einer solchen Frau begleitet. Um sie zu schützen, geht Klein nicht auf die näheren Umstände ein, allerdings betont sie, dass oft nicht mal die eigenen Eltern, der Chef oder gar der Partner von der Schwangerschaft erfahren. Die Schwangere steht mit ihrem Problem allein da. 

Aber wie kann man eine Schwangerschaft verheimlichen, schon rein optisch? Stephanie Klein ist selbst erstaunt, was der Körper leisten kann. „Ich bin einige Zeit nach dieser Frau schwanger geworden und habe mich mit ihr verglichen, als sie im neunten und ich im vierten Monat war. Es war unglaublich, dass ich deutlich mehr Bauch hatte!“ Ihrer Meinung nach wirkt die Psyche so auf den Körper ein, dass er das Versteckspiel vor der eigenen Umwelt sogar unterstützt. „Eine wahnsinnige psychische Leistung“, findet Klein. 

Hinzu komme, dass die Frauen sich in dieser Zeit oft sehr aus der Gesellschaft zurückziehen würden. Neun Monate leben sie mit der permanenten Angst aufzufliegen. Darum ist es neben der ärztliche Versorgung wichtig, die Frauen auch psychisch zu betreuen. Die Betroffenen stehen vor vielen Problemen: Was macht das Jugendamt mit meinen anderen Kindern, wenn ich eines zur Adoption frei gebe? Was macht mein Ehemann? Oder meine Familie, wenn sie merkt, dass ich unverheiratet ein Kind bekomme? „Hier beraten wir die Frauen und helfen ihnen, viele Dinge zu klären“, so die Sozialpädagogin. 

Stefan Klein betreut als Fachkraft bei Donum Vitae Frauen bei der vertraulichen Geburt.

Um die Entbindung im Krankenhaus anonym zu halten, erfolgt sie unter einem anderen Namen. Dieser wird auch bei der Abrechnung mit der Krankenkasse verwendet. Somit kann die Frau unter diesem Namen in jedes Krankenhaus gehen, um zu entbinden. Entsprechend sensibel werde auch dort mit dem Thema umgegangen. „Man achtet zum Beispiel darauf, die Frau nach der Entbindung nicht in eine Wochenbettstation zu verlegen, wo sie unter glücklichen Müttern sein muss“, so Klein. Auch im Anschluss an die Geburt werden die Frauen so lange betreut, wie es nötig ist. „Ein besonders wichtiger Part der vertraulichen Geburt ist aber, den Namen der Mutter in einem Umschlag zu sichern“, sagt Klein. Nach 15 Jahren hat das Kind die Möglichkeit, in diesen Umschlag zu sehen und Kontakt zur Mutter aufzunehmen. 

Auch die Mütter können Kontakt zum Jugendamt herstellen, um Informationen über das Kind zu erhalten. Das ist der Unterschied zur anonymen Geburt, die 2003 als Alternative zur Babyklappe eingeführt wurde. „Das sind Fälle, in denen die Mütter noch nicht mal riskieren können, dass ihre Kinder sich nach 15 Jahren bei ihnen melden“, so Klein. 

Bayernweit sind seit der Gesetzeserlassung zur vertraulichen Geburt 39 Fälle registriert. Das ist sogar mehr, als die Gesetzgeber erwartet hatten. Alleine im Jahr 2017 sind 17 Fälle bekannt. Es zeigte sich, dass nicht hauptsächlich Prostituierte, Drogensüchtige oder Frauen mit einen streng religiösen Hintergrund das Angebot annahmen. „Auch gebildete Frauen in guten Berufen können in so eine Situation kommen.“ 

Im Falle der schwangeren Frau, die Klein betreute, ist das Kind inzwischen heil in der Adoptionsvermittlung angekommen. „Zum Glück ist die Frau frühzeitig in die Beratung gekommen“, sagt die Pädagogin. So konnte sie sowohl physisch als auch physisch bei diesem schweren Weg unterstützt werden.

Lydia Wünsch

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