Mit Humor, Tatkraft und vielen Brieferln

Schulweghelferin Edith Spreng hört nach 22 Jahren auf

Im Großraum München wohnen immer mehr Menschen – und damit fahren auch immer mehr Autos auf den Straßen. In vielen Orten werden daher Erwachsene gesucht, die Kindern auf ihrem Weg in die Schule helfen.
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Im Großraum München wohnen immer mehr Menschen – und damit fahren auch immer mehr Autos auf den Straßen. In vielen Orten werden daher Erwachsene gesucht, die Kindern auf ihrem Weg in die Schule helfen.

Auch wenn es lustig und gesellig war wie eh und je, so gab es beim Jahresabschlussessen der Haarer Schulweghelfer doch einen Moment der Wehmut. Grund: Nach 22 Jahren hieß es Abschied nehmen für Edith Spreng. Sie, die gemeinsam mit Annemarie Hanika die Schulweghelfer ins Leben gerufen hat, gibt ab September die Leitung der Gruppe ab. Ihre Nachfolgerin ist Eva Übermasser.

Ein wenig Rührung lag in der Luft. Kleinere, sehr persönliche Geschenke wurden gezückt, Geschichten erzählt und Tränchen der Rührung verdrückt. Im Lager der neongelben Westen und Kellen hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine echte Gemeinschaft gebildet, selbst wenn immer wieder neue Mitglieder dazukamen und andere ausschieden. Diesmal jedoch schied mit Edith Spreng die Seele der Schulweghelfer aus. Humorvoll und gerne auch mal ein wenig hemdsärmelig hatte sie die Truppe angeführt.

Bereits vor zwölf Jahren hatte die Gemeinde Edith Spreng mit der Goldenen Ehrennadel für ihr Engagement ausgezeichnet. Damals hatte Spreng aber noch nicht ans Aufhören gedacht. Seit ein paar Jahren jedoch versuchte sie, ihr Ehrenamt abzugeben – „aber so recht hätte sie bei ihren diversen Anläufen keiner ernst genommen“, berichtete sie bei ihrem Abschiedsabend und lacht Hoffnung habe sie erst zu schöpfen begonnen, als Eva Übermasser zur Truppe stieß. Die erhörte schließlich Edith Sprengs Bitten und übernimmt nun, ab September, die Leitung der Schulweghelfer. Edith Spreng erinnert sich noch gut an die Anfänge vor über zwei Jahrzehnten. Damals, im September 1995, wurde ihre Tochter eingeschult. „Und kurz davor fragt man sich dann, wie die Kinder eigentlich sicher zur Schule kommen“. Noch dazu, weil sie in Unterhaar wohnte und ihr Mädel damit die vielbefahrene Vockestraße überqueren musste.

Angefangen hat die Truppe damals zu acht und nur an besagter Bundesstraße – „das hieß aber, dass jeder drei- oder viermal pro Woche mit der Kelle an der Straße stand“, so Spreng. Schließlich seien zu dieser Zeit auch alle Schulschlusszeiten betreut worden. Und – heute kaum noch vorstellbar – die Kommunikation unter den Schulweghelfern lief nicht über E-Mail, die es damals schlichtweg noch nicht gab: „Wir haben Brieferl geschrieben und die dann übers Lehrerzimmer und die Schüler zu den Eltern gebracht.“

Bis zum heutigen Tag hat sich vieles verändert: Mittlerweile stehen regelmäßig um die 40 Schulweghelfer an sechs Stellen der Gemeinde, mit Ersatzleuten verfügt die Gruppe über 50 Mitstreiter. Die Schulschlusszeiten sind nicht mehr besetzt, denn die meisten Kinder gehen nicht heim, sondern sind in Nachmittagsbetreuungen untergebracht. Und auch morgens werden immer mehr Kinder von den Eltern in die Schule gefahren – was laut Spreng allerdings den Verkehr für diejenigen vergrößert, die noch zu Fuß gehen oder mit dem Roller fahren.

Mit Wehmut schaut Edith Spreng nicht zurück, auch wenn es „so schee war“, wie sie betont. Dennoch werde „es Zeit, dass nun die das übernehmen, die selbst Schulkinder haben“!

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