Lieber auf die große Bühne als in große Schlagzeilen

Schauspielerin Patricia Ivanauskas erhält in Haar den Lore-Brenner-Preis

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„Ich bin sowieso mehr der burschikose Typ“, sagt Patricia Ivanauskas über ihre Rolle des Franz Moor in „Die Räuber“.

„Die Räuber“ machten schon seinen Schöpfer berühmt. Friedrich Schiller, der das Werk zunächst anonym veröffentlichte, wurde mehr oder weniger von einem Tag auf den anderen zum gefeierten Star unter den deutschen Dichtern und Denkern. Doch gerade verlief sein Leben nicht. Schiller wurde inhaftiert, er verarmte und erkrankte, bevor er irgendwann doch mit seinem großen Freund Goethe in einem Atemzug genannt werden sollte. Vielleicht ist es kein Wunder, dass Patricia Ivanauskas über eine Schiller-Rolle den nächsten Schritt ihrer Karriere macht. Denn gerade war ihr Weg auch nie.

Für ihre (männliche) Rolle des Franz Moor in den Räubern bekam Ivanauskas am Montagabend im Kleinen Theater Haar den Lore-Bronner-Preis. „Eine große Ehre und Anerkennung“, wie sie selbst sagt. Worte, die in ihrer Familie eine große Rolle spielen. „Mein Vater war Profi-Fußballer, meine Mutter professionelle Musikerin. Ich habe schon als Kind gesehen, was sie für ihren Erfolg tun mussten. Wie viel Zeit und Energie sie dafür aufwendeten“, erinnert sie sich. Ihr Vater, Valdas Ivanauskas, wurde beim Hamburger SV zum Stürmerstar. Ivan, der Schreckliche, nannte ihn der Boulevard. Er galt nicht nur als Torgarant, sondern auch als Hitzkopf. Patricia lacht, wenn sie darauf angesprochen wird: „Privat ist er ganz anders, ein liebevoller und ruhiger Typ“, erzählt sie. Zwei Seiten, die auch sie selbst in sich trägt.

„Ich bin privat viel ruhiger als auf der Bühne. Dort habe ich die Chance, das Tier in mir rauszulassen. Ich glaube, das steckt in uns allen drin“, sagt sie. Doch bis sie die Theaterbühne betrat, hatte das Leben noch ein paar Umwege parat. Partricia Ivanauskas singt seit sie sieben Jahre alt ist. 13 Jahre lang tanzte sie außerdem Ballett. Kurz vor dem Abitur winkte plötzlich der schnelle Ruhm. Sie machte bei der TV-Castingshow „Popstars“ mit. Die Band „Queensberry“ wurde damit zusammengestellt. Patricia war eine der drei verbliebenen Kandidaten für den letzten Platz im Quartett. Weil die Schule sie für das musikalische Abenteuer nicht beurlauben wollte, schmiss sie das Abitur einfach hin. Doch im Finale schied sie aus.

„Daran hatte ich eine ganze Weile zu knabbern. Ich war sehr traurig. Heute bin ich glücklich, dass es so gekommen ist“, erzählt sie. Denn Queensberry ist ein gutes Beispiel dafür, welche Art von Karrieren die Pop-Industrie momentan produziert. Gabby De Alemeida Rinne war der prominenteste Kopf von Queensberry. Nach der Trennung der Band nahm sie am Dschungelcamp teil, vorher zog sie sich für den Playboy aus. In den vergangenen Jahren wurde es still um sie. Patricia Ivanauskas machte es anders. „Das Dschungelcamp und all das hat seine Berechtigung. So etwas würde mich aber nicht erfüllen. Ich wollte immer etwas Vernünftiges machen“, erzählt sie. Sie machte das Abitur nach, studierte Germanistik. Doch das Glück fand sie in dieser Form der Vernunft trotzdem nicht. „Ich wollte unbedingt auf die Bühne. Das Theater lebt. Es hat Inhalt“, schwärmt sie. Der Lore-Bronner-Preis könnte ihr nun neue Türen öffnen. Momentan ist sie auf der Suche nach einer Agentur. Und vielleicht erfüllt sich irgendwann sogar ihr großer Traum: Eine Rolle im Tatort. Gerne, aber nicht unbedingt, als Räuber.

Marco Heinrich

Besondere Auszeichnung

Der Lore-Bronner-Preis wird seit 1996 vom Bezirk Oberbayern vergeben. Er wird an staatlich genehmigten privaten Schauspielschulen in Oberbayern ausgeschrieben. Die jährliche Auszeichnung richtet sich an Nachwuchsschauspieler, die während ihrer Ausbildung eine außergewöhnliche Begabung erkennen lassen und ihren Wohnsitz in Oberbayern haben. Neben Particia Ivanauskas gewann ihn dieses Jahr Markus Beisl für seine Rolle als Lucky in Samuel Becketts „Warten auf Godot“.

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