Zweiter Einbruch – und alles nur wegen ein paar Blumen

Rentnerin aus Haar ist verzweifelt

„Ich verliere langsam den Glauben an die Menschheit“. Verübeln kann man es Edith Schmalohr nicht. Schon zum zweiten Mal ist sie dem Rudbeckia-Räuber zum Opfer gefallen. Verzweiflung macht sich bei der Rentnerin breit: „Zwei Jahre hintereinander, genau zur selben Zeit, hat er sich jetzt schon an meinen Rudbeckien vergangen. Das ist kein Zufall. Der hat‘s auf mich abgesehen!“ In ihrem Garten in Haar hat sie sich ein kleines Paradies geschaffen. Alles blüht. Für die Witwe eine Quelle des Lebens. Die sorgfältig abgeschnittenen Blumen sind für Edith Schmalohr wie eine kleine Vertreibung aus dem Paradies. Auch ein klares Täterprofil hat die 75-Jährige schon erstellt: „Dieser Schnitt, so fein und sauber, da war ein Profi am Werk. Entweder ein Blumenbinder, der noch etwas Frisches für sein Oktoberfestgesteck gesucht hat, oder ein Quacksalber, der meine Rudbeckien zu Salbe machen will.“

Rudbeckien sind nicht nur ein schöner Farbklecks für das Blumenbeet, sondern auch eine Wunderwaffe gegen Schnupfen. Besonders wertvoll ist die Heilpflanze aber nicht. Wozu also der Aufwand für den Diebstahl? Edith Schmalohr kann es sich nicht erklären: „Warum beobachtet mich jemand, wartet, bis ich mit dem Rad wegfahre und steigt dann am helllichten Tag über einen 1,80 Meter hohen Zaun in meinen Garten ein? Wegen ein paar Blumen!“ Nicht einmal mit vollen Taschen ging der Rudbeckia-Räuber nach Hause. Letztes Jahr erbeutete er noch 20 Sträucher, heuer waren es wegen der Rekordhitze nur noch sieben. Trotzdem blutet Edith Schmalohr das Gärtnerherz: „Um jede einzelne meiner Rudbeckien hab ich gekämpft. Jeden Tag hab ich sie gegossen. Alles umsonst.“

Die 75-Jährige fühlt sich aber nicht nur ihrer Blumen, sondern auch ihrer Sicherheit beraubt: „Zweimal schon hat er mir meine Privatsphäre genommen. Da zweifelt man an dem Guten im Menschen. Manchmal frage ich mich sogar, ob mir jemand etwas Böses will, ob mich jemand hasst.“ Nicht ohne Grund hat die Rentnerin bereits Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch, Diebstahl und Sachbeschädigung erstattet. Leidensgenossen fand die 75-Jährige auf dem Polizeipräsidium aber nicht. „Zu vermehrten Pflanzendiebstählen ist uns nichts bekannt – auch nicht zur Oktoberfestzeit. Wir unterscheiden die Vergehen aber auch nicht nach dem Diebesgut“, so Alessa Quintes, Pressestelle der Polizei München.

Und nun? Was hat die Rentnerin jetzt vor? Einen dritten Rudbeckia-Raub im kommenden Jahr will sich die 75-Jährige auf keinen Fall gefallen lassen. Mit einer Videokamera und einer persönlichen Warnung am Gartenzaun will sie den Pflanzendieb künftig in die Flucht schlagen. Denn Edith Schmalohr ist sich sicher: „Der kommt wieder!“

Alexandra Kraus

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