Schnapszahl und Zukunftspläne

Psychiatriemuseum Haar begrüßt 22.222. Besucherin

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Sophie Schlauri aus Hohenbrunn ist 22.222. Besucherin des Haarer Psychiatriemuseums. Von Klinik-Vorstand Franz Podechtl (rechts) und Bezirkstagspräsident Josef Mederer gab es dafür einen Blumenstrauß.

Vor zwölf Jahren wurde auf dem Gelände des Haarer Isar-Amper-Klinikums Deutschlands erstes Psychiatrie-Museum eröffnet. Am vergangenen Freitag haben die Einrichtungsmacher nun die 22.222. Besucherin begrüßt – und anlässlich dieses Jubiläums auch gleich die Erweiterung des Museums angekündigt.

Sophie Schlauri aus Hohenbrunn wusste gar nicht, wie ihr geschah, als sie am Freitag gemeinsam mit weiteren Pflegeschülern des Klinikums das Psychiatriemuseum betrat. Die 16-Jährige absolviert derzeit ein Praktikum im Klinikum; und da die Pflegeschüler im Rahmen ihrer sogenannten Vernetzungswoche – also der Woche zwischen Ende des schulischen Blocks ihrer Ausbildung und dem Beginn ihrer praktischen Tätigkeit – das Museum besuchen sollten, dachte sich Schlauri nur: „Cool, da geh ich mit!“

Diese Entscheidung brachte ihr am Ende nicht nur jede Menge Informationen über die mittlerweile über 100-jährige Geschichte der Haarer Klinik ein, sondern gleich noch einen Strauß Blumen vom Klinik-Chef Franz Podechtl persönlich! Die Schülerin Schlauri ist nämlich die 22.222. Besucherin des im Jahr 2005 eröffneten Museums. Bezirkstagspräsident Josef Mederer, der anlässlich dieser Schnapszahl ebenfalls in die Einrichtung gekommen war, fand denn auch, dass Schlauris besonderer Museumsbesuch „ein guter Einstieg“ in ihre – möglicherweise – spätere berufliche Laufbahn im Sozial- oder Pflegebereich sein könnte. Podechtl und die Museums-Mitarbeiter Alma Midasch sowie Ferdinand Ulrich kündigten anlässlich der kleinen Feierstunde auch an, das erfolgreiche Museum erweitern zu wollen. Ob dies am bisherigen Standort – im ersten Stock des früheren Direktorenhauses an der Vockestraße 76 – geschehen oder ein Umzug innerhalb des Geländes stattfinden wird, ist Podechtl zufolge jedoch noch offen.

Grund für die Erweiterungspläne ist, dass die aktuelle Ausstellung thematisch in den 1970er-Jahren endet. Die Regionalisierung der Betreuung psychisch kranker Menschen, die ab den 1980er-Jahren umgesetzt wurde, solle nun auch abgebildet werden. Mederer zufolge betreibe der Bezirk mittlerweile in „nahezu jedem Landkreis Oberbayerns“ entsprechende Einrichtungen – stationär wie ambulant. „Heimatnahe Betreuung“, so Podechtl, sei das Ziel des von Haar aus gesteuerten Kommunalen Klinikunternehmens. Diese Vorgehensweise auch im Museum, das sich mit der langen und wechselhaften Geschichte der Eglfinger Einrichtung auseinandersetzt, abzubilden, sei daher nur folgerichtig. 

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Das Museum

Das Psychiatriemuseum an der Vockestraße 76 skizziert die Geschichte der seit 1905 bestehenden psychiatrischen Einrichtungen – von der „Heil- und Pflegeanstalt Eglfing“ bis zum heutigen kbo-Isar-Amper-Klinikum München-Ost. Bei einem Rundgang sehen die Besucher unter anderem einen Wohnraum aus der Gründerzeit, einen Schlafsaal mit originaler Möblierung sowie medizinisches Gerät und Kleidungsstücke. Thematisiert wird neben Krankengeschichten berühmter Patienten wie Oskar Maria Graf auch die Rolle der Einrichtung in der Zeit des Nationalsozialismus. Das Museum ist jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Gruppenführungen sind auf Anfrage möglich. 

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