Prozessauftakt am Landgericht um brutalen Mord in Haar

Drogen und Sexfantasien

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Polizisten durchsuchten am 20. Januar 2016 einen Garten an der Haarer Zunftstraße. Die damalige Studentin Gabriele P. hatte das Grundstück von ihrer Großmutter geerbt und dort mit Sebastian H. zusammengelebt. Die Staatsanwaltschaft wirft P. vor, den jungen Mann dort im Jahr 2008 getötet zu haben.

Das Münchner Landgericht verhandelt seit Wochenbeginn den sogenannten Kreissägen-Mord von Haar. Das Gericht wirft Gabriele P. vor, ihren damals 28-jährigen Freund brutal ermordet zu haben. Die 32-Jährige streitet den Mord nicht ab. Das Zusammenleben mit P. sei jedoch von Drogen und Psychoterror geprägt gewesen.

Seit Montag steht die Haarerin Gabriele P. in München vor Gericht, weil sie ihren Freund Sebastian H. beim Sex mit einer Handkreissäge umgebracht haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft der 32-Jährigen vor, den Mann 2008 in ihrer Studenten-WG an der Haarer Zunftstraße bei einem Sexspiel ans Bett gefesselt und ihn dann mit der Kreissäge attackiert und getötet zu haben. Sie soll ihm den Kopf abgeschnitten haben. Das Motiv für die Tat sei die unglückliche Beziehung der beiden gewesen. Den Toten habe sie danach zugedeckt liegenlassen.

Ihr nächster Freund fand die Leiche im darauffolgenden Jahr, als Gabriele P. gerade im Urlaub war. Nach ihrer Rückkehr verscharrte das Paar mit einem weiteren Bekannten die Leiche im Garten des Hauses. Nachdem sich der Freund schließlich, von Gewissensbissen geplagt, einer Bekannten offenbart hatte und diese zur Polizei gegangen war, wurden die sterblichen Überreste H.s Anfang 2016 gefunden. Das Tragische an dem Fall: Niemand schien den damals 28-Jährigen vermisst zu haben. Gabriele P. hatte den Angehörigen des Opfers erzählt, der junge Mann sei mit einer neuen Freundin ins Ausland gezogen.

Beim Prozessauftakt berichtete Gabriele P. vom gemeinsamen Leben mit Sebastian H. Er habe zwei Persönlichkeiten gehabt, so P. Die eine sei freundlich, wohlerzogen und lieb gewesen, die andere habe sie zu brutalen Sexspielen gezwungen. Aus Kummer habe sie viel Alkohol getrunken, Haschisch geraucht und auch eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Borderline-Patienten besucht. Sebastian P. habe ebenfalls Gras konsumiert: „Jeden Tag fünf Gramm. Er brauchte alleine 50 Euro am Tag für das Zeug“, erinnerte sich die Angeklagte vor Gericht. Sein Drogenkonsum sei wohl auch schuld an seinen Sexfantasien gewesen, vermutet die 32-Jährige. Irgendwann habe sie keinen anderen Ausweg mehr gesehen als ihn zu töten.

Für den Prozess gegen die Angeklagte sind sieben Verhandlungstage angesetzt. Der neue Freund und der Bekannte wurden in einem anderen Verfahren in erster Instanz wegen Strafvereitelung bereits zu Freiheitsstrafen verurteilt. Sie haben aber Berufung gegen die Entscheidung eingelegt. lby/hv

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