Vhs will Vorreiter bei der Digitalisierung sein

Pressekonferenz zum neuen Sommerprogramm

Die neue Leiterin der Vhs Haar Lourdes María Ros de Andrés (l.) und die Vorstandsvorsitzenden Gabriele Müller.
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Die neue Leiterin der Vhs Haar Lourdes María Ros de Andrés (l.) und die Vorstandsvorsitzenden Gabriele Müller.

Die Vhs Haar startet wieder durch. Ab Ende Juni soll es zum Onlinepaket auch Präsenzkurse geben. Doch so wie früher wird es wohl nie mehr. Die Digitalisierung hat mit Volldampf Einzug in den Bildungsbereich gehalten. „Alle stellen nun um, und auch wir sind mit dabei“, sagt die neue Geschäftsführerin.

Haar – Seit dem 1. Mai erlebt die neue Leiterin der Vhs Haar eine turbulente Zeit. Gleich zum Antritt ihrer Stelle als Geschäftsführerin war für Lourdes María Ros de Andrés Krisenmanagement angesagt. Es blieb ihr nicht viel Zeit, um sich in den neuen Job einzuarbeiten. „Beim Vorstellungsgespräch hat Frau Ros de Andrés gesagt, dass sie eine neue Herausforderung haben möchte, und die konnten wir ihr dann auch liefern“, sagt die Vorstandsvorsitzende der Vhs, Gabriele Müller, mit einem Augenzwinkern.

„Ich habe an dem Tag angefangen, als die Kollegen aus dem Homeoffice zurückkamen, und war sehr froh, dass ich mein Team bei mir hatte, damit wir gleich loslegen konnten“, bestätigt Ros de Andrés. Als erstes mussten Hygienekonzepte ausgearbeitet werden, dann ging es sehr schnell an die Umstellung auf den digitalen Unterricht. „Wir mussten irgendwie sichtbar bleiben und unseren Mitgliedern, die das Semester ja bereits im Voraus bezahlt haben, etwas bieten“, sagt die 54-Jährige, für die das Lehren schon immer einen großen Stellenwert im Leben hatte. Schon mit 13 Jahren hat Ros de Andrés Nachhilfeunterricht gegeben. Heute hat sie einen Lehrauftrag an der Ludwig-Maximilians-Universität in München für das Fach Deutsch als Fremdsprache. „Es ging in meinem Leben einfach immer um Bildung“, sagt sie. Und so sei die neue Herausforderung an der Vhs Haar genau die Richtige für sie. Auch wenn der Anfang hart war.

Zunächst stand die Entscheidung an, wie es mit Sommersemester weitergehen soll. Im Gegensatz zu anderen Volkshochschulen hat man sich in Haar dafür entschieden, das Sommersemester nicht zu beenden, sondern auf digitalem Weg für Ersatz zu sorgen. Seit Anfang Juni gibt es Online-Kurse. „Wir arbeiten gerade auf Hochtouren daran, uns zu digitalisieren. Das ist besonders in die diesen Zeiten eine große und wichtige Aufgabe“, so Ros de Andrés.

Ab dem 29. Juni wird es zudem auch wieder Präsenzkurse an der Vhs geben. Dennoch soll der Online-Bereich verstärkt ausgebaut und weiter betrieben werden, denn durch die Abstandsregeln dürfen viel weniger Menschen in die Räume als sonst. Kurz gesagt: Um Online kommt niemand mehr herum. Durch Corona wurde mehr denn je klar, dass Deutschland Nachholbedarf beim Thema Digitalisierung hat. „Die Volkshochschule hat die Kapazitäten, viele Menschen zu erreichen“, sagt Müller. „Das ist ein Auftrag, den wir sehr ernst nehmen.“

Noch stehen die Haarer der Digitalisierung allerdings zurückhaltend gegenüber. Nur 3,8 Prozent der Mitglieder haben sich bisher für das Sommerprogramm angemeldet. „Es läuft aber auch gerade erst an und viele beobachten noch, was wir auf die Beine stellen, bevor sie sich entscheiden“, zeigt sich Ros de Andrés optimistisch. Besonders freut sie sich, dass im ersten Qigong-Online-Kurs schon viele auch ältere Semester teilgenommen haben. Gerade von denen hätte sie mehr Zurückhaltung im Umgang mit der Technik erwartet. Aber daran sehe sie: „Die Leute wollen kommen.“

„Die Menschen gewöhnen sich zunehmen an diese neue Lernform. Die Hemmung sinkt und die Offenheit steigt“, bestätigt auch Müller. Das ist auch notwendig. Denn keiner weiß, wie es im Herbst weitergeht. Wird es einen erneuten Lockdown geben? „Für so einen Fall sind wir nun jedenfalls vorbereitet. Wir könnten dann sofort das komplette Programm online zur Verfügung stellen“, so Ros de Andrés. Die Sommerzeit eigne sich dabei gut, um die Bedienung zu lernen. Dazu werden auch Kurse angeboten, in denen gezeigt wird, wie die Online-Programme funktionieren. „Das ist alles kein Teufelszeug“, sagt Müller lachend.

Für 50 Euro können neue Mitglieder bis Anfang September das Onlinepaket nutzen. Dabei kann in jeden Kurs hineingeschnuppert werden. Wer bereits Mitglied ist, kann das Onlinepaket ebenfalls nutzen und zusätzlich einen Präsenzkurs besuchen. Für das Wintersemester ist dann ein sogenanntes „Hybrides Semester“ geplant, bei dem im Wechsel Online- und Präsenzkurse angeboten werden, sodass unter Einhaltung der Abstandsregeln alle Mitglieder an den Veranstaltungen teilnehmen können, die sie interessieren. „Damit gehören wir zu den optimistischen Volkshochschulen“, sagt Müller.

Andere fahren ihre Programme herunter, nicht so die Vhs Haar. Und das, obwohl es durch die Corona-Krise ein Defizit im Haushalt gibt. „Das Sommersemester wird voraussichtlich komplett abgeschrieben, damit sind die Hälfte der Einnahmen in diesem Jahr weg“, sagt Müller. Aber die Gemeinde habe bereits guten Willen gezeigt, die Vhs zu unterstützen, damit kein Mitarbeiter in Kurzarbeit muss und das Angebot hochgehalten werden kann. „Was uns auch sehr gefreut hat, ist, dass viele Teilnehmer ihren im Voraus bezahlten Mitgliedsbeitrag nicht zurückhaben wollten, sondern als Spende in der Vhs-Kasse belassen haben. Es waren um die 10.000 Euro, die unsere Mitglieder uns so gespendet haben“, sagt Müller.

Das will die Vhs den Haarern mit einem breiten Angebot danken. „Wir sehe es zudem als unsere Aufgabe an, die Haarer und die Gesellschaft auf dem Weg zur Digitalisierung zu unterstützen“, so Müller. Doch trotz allen Vorteilen, die die Digitalisierung bietet, möchten sowohl Ros de Andrés als auch Müller betonen: Digitale Lernformen sollen niemals die Präsenzkurse ganz ersetzen. „Die Vhs ist ein Ort der Begegnung, und das soll sie bleiben“, sagt Ros de Andrés. 

Lydia Wünsch

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