Wo ist eigentlich Dahoam?

Schüler des EMG befassten sich mit dem Thema Heimat

+
Der 18-jährige Kai Plaßmeyer fotografierte die Alpen vor den Riem-Arcaden.

Das Wort Heimat ruft unterschiedlichste Gedanken und Gefühle hervor. Schüler des Ernst-Mach-Gymnasiums in Haar versuchten, dem schwierigen Begriff mit Fotos näher zu kommen.

Das Dorf, in dem man seine Kindheit verbracht hat, der Klang von Kirchenglocken, der Geruch von Curry oder die Tracht: Heimat hat viele Gesichter. Sie kann beweglich sein oder unveränderbar. Etwas, was einfach ist oder ausgesucht wird. Trotz dieser Variabilität finden sich viele im bayerischen Spruch „Dahoam is dahoam“ wieder, obwohl er im Grunde gar nicht sagt, was dieses „Dahoam“ sein soll. Erwachsene und ältere Menschen wissen in den meisten Fällen, worin sie ihre Heimat gefunden haben. Viele davon sind ihr ganzes Leben lang in der unmittelbaren Nähe zu ihrem Geburtsort geblieben. Junge Menschen sehen sich heute hingegen mit sehr viel weitreichenderen Möglichkeiten zur Lebensgestaltung konfrontiert. Ziehen sie für das Studium, den besseren Job oder die große Liebe weg, müssen sie sich mit dem Thema anders auseinandersetzen, als die Generationen zuvor. Der Frage nach der Bedeutung des Wortes Heimat gingen die Schülerinnen und Schüler des Ernst-Mach-Gymnasiums im Rahmen ihres Projektseminars nach. Außer dem Motivthema hatten die Jugendlichen keine weiteren Einschränkungen, denn der Gestaltungs- und Interpretationsspielraum sollte so offen wie möglich sein. Die Aufgabe lautete, herausfinden, was Heimat für sie, aber auch andere Menschen bedeuten kann. Die Seminarteilnehmer versuchten anschließend, so viele Ebenen wie möglich in ihrem Motiv zu integrieren. Da nicht alle Schüler des Seminars aus München und Umgebung stammen, wurde auch kein Fokus auf die direkte Umgebung gesetzt. Einige von den insgesamt 29 Fotos stellen deshalb auch andere Städte und Orte dar. Ein Beispiel dafür ist ein Bild eines arabischen Supermarktes oder eines Hafens. Zudem war es relevant, dass sich viele Betrachter von den Fotos angesprochen fühlen und sich mit den Motiven identifizieren können.

Seminarteilnehmerin Giannina Staudenmaier entschied sich dafür, ein Vogelnest mit Küken zu fotografieren (kleines Bild): „Heimat ist für viele erst einmal da, wo man geboren ist. Auf der anderen Seite baut man sich sein eigenes Nest später selbst.“ Das Vogelnest symbolisiert demnach gleichzeitig eine Heimat, in die man hineingeboren wird, die damit verbundene Sicherheit und Geborgenheit, aber auch den eigenen Wegzug und Aufbau einer neuen Heimat. Ihr Mitschüler Finn Molzahn bildete hingegen eine Tankstelle auf seinem Foto ab. Auf den ersten Blick ist vielleicht nicht für jeden ersichtlich, was er mit seinem Foto aussagen will.„Es ist ein Ort, an den man immer wieder kommt und den man auch jeden Tag sieht.“ Die Tankstelle stellt er also als Fixpunkt im Leben da, an dem man Energie tanken kann. Sie ist auch einfach und alltäglich. Denkt man weiter, kann man die Tankstelle auch als einen Punkt sehen, der sich an verschiedenen Orten wiederholt: Also die Heimat in der Fremde zu finden.

Genau das versuchen viele junge Menschen. Auf der Suche nach dem bestmöglichen Leben zieht es heute viele in fremde Städte – und so kommt es, dass nicht wenige mehrere Heimaten haben. Die Schüler zeigen diesen Umstand mit ihren Fotos: Heimat ist etwas Bekanntes, etwas Schönes, aber nicht unbedingt etwas Einzigartiges oder Unveränderliches. Heimat trägt man mit sich. Und weil sie jeder anders definiert, ist sie auch etwas sehr Persönliches. 

Pia Getzin

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare