„Der Turm wird sogar eine poetische Ausstrahlung bekommen“

Pläne für neuen Wohnturm an der Münchner Straße 24

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Der Entwurf von 2014 sorgte für einen Bürgerentscheid.

Es ist der zweite Anlauf für ein Hochhaus an der Münchner Straße/Ecke Jagdfeldring. Architekt Gert Goergens erklärt seinen Ansatz – und warum er den umstrittenen Plan von 2014 für einen Gag hält.

Friedlich war die Diskussion um den neuen Entwurf für den neuen, 42 Meter hohen Wohnturm, der irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft das Bild der Gemeinde Haar mitprägen soll.

Sicher, die CSU stimmte im Gemeinderat am Ende gegen das Konzept des Architekten Gert Goergens. Weil die Wohnungsmischung zu kleinteilig wäre. Weil die vorgesehenen Gewerbeflächen nicht sinnvoll seien. Und weil den Bewohnern zu wenig Grünflächen auf dem Areal zur Verfügung stehen würden. Aber die Diskussion hatte nichts mit dem handfesten Streit gemein, den vor vier Jahren der Entwurf für die Bebauung des gleichen Geländes auslöste – und der schließlich in einem Bürgerentscheid mündete. Ein Entwurf, für den Architekt Goergens übrigens nur Spott übrig hat.

„Das war ja nur ein Gag! In jedem Geschoss nur eine Wohnung – Unfug! Alle Wohnungen wären nach Osten ausgerichtet gewesen, wo sie den vollen Emissionen des Verkehrs ausgesetzt gewesen wären. Und der Innenhof war nicht mehr als ein düsteres Loch. Dieses Gebäude hat einfach nicht funktioniert“, redet sich Goergens richtiggehend in Rage. Den Vorwurf, dass seine Planungen weitaus unspektakulärer wirken, will er dann auch umgehend entkräften.

So plant der Architekt Gert Goergens heute.

„In der Architektur geht es nicht nur um einen großen Effekt aus der Distanz. Ich mag Gebäude, die sich erst beim näheren Hinschauen erschließen. Und der Turm in Haar wird sogar eine poetische Ausstrahlung bekommen“, verspricht er. Was im derzeitigen Bauboom von München und Umgebung auch seiner Meinung nach eher Ausnahme als Regel ist. „Das ‚Problem‘ ist, dass jedes Projekt sofort verkauft ist, weil die Nachfrage so groß ist. Man muss sich als Architekt überhaupt keine Mühe geben“, sagt Goergens. Umso mehr freut er sich über die vielen Details, die „seinen“ Turm in Haar zu etwas Besonderem machen sollen.

„Es wird ein sehr eigenwilliges Haus, das genau auf die den Ort reagiert und spezifische Lösungen anbietet. Mit einer hochdifferenzierten Randbebauung. Mit einer hochwertigen Fassade, die so gut wie keine Wartung braucht. Mit halbtransparenten Strukturen und dekorativen Elementen. Das wird ein echter Gegenpol zur Belanglosigkeit und Beliebigkeit, die sich in Münchens Architektur breitmacht“, sagt Goergens.

Die Diskussionen um den Entwurf gehen unterdessen in die nächste Runde. Die Gemeinde Haar verhandelt mit dem Investor, ob mehr größere Wohnungen statt viele kleine in den Turm kommen; und ob die geplanten Gewerbeflächen gestrichen werden.

mh

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Inspiration durch Architektur - Wie München bei Bauprojekten zu oft Chancen verspielt

Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kunden nur raten, Efeu zu pflanzen. Eine französische Schriftstellerin hat das einmal treffend gesagt. Eine Stadt muss mehr sein als ein reiner Aufbewahrungsplatz für seine Bürger. Denn wer in überdimensionierten Schuhschachteln wohnt und weit und breit nichts anderes zu sehen bekommt, dem fehlt einfach schon optisch eine fruchtbare Basis für eigene Gedanken und Ideen. Es ist peinlich für eine Stadt wie München, mit welcher Lustlosigkeit viele große Bauprojekte umgesetzt werden. Eine Wiederauferstehung der Plattenbauten. Olympiagelände, BMW-Welt, Werksviertel – es gibt Beispiele, die zeigen, dass es Auswege aus dem architektonischen Einheitsbrei gibt. Es ist nicht schade, sondern ein echter Skandal, dass solche Projekte die Ausnahme sind und nicht die Regel.

Marco Heinrich

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