„Dafür interessiert sich abseits der Unis doch kein Schwein!“

Philosophischer Salon kommt neu nach Haar

+

„Man kann die Windrichtung nicht ändern, aber die Segel neu setzen.“ Keine neue Erkenntnis – Aristoteles sagte das schon mehr als 300 Jahre vor Christus. Doch bemerkenswert Vieles hat die Jahrhunderte überdauert, ohne an Aktualität zu verlieren. Auch deshalb organisierten Marianne Heidegger und Hannelore Furtner jetzt die erste Reihe eines neuen „Philosophischen Salons“, der am Montag, 28. Januar, ab 19.30 Uhr im Seniorenclub am Kirchenplatz 2 Premiere feiern wird. Als Gastredner ist dann die Philosophin, Theologin und Autorin Professor Katharina Ceming mit dabei. Sie freut sich immer, wenn die Philosophie aus den Nischen der Wissenschaft kriecht, um sich einer breiteren Öffentlichkeit zu stellen.

„Die akademische Philosophie hat sich sehr eingegraben. Sie diskutiert größtenteils abgeschottet von der Außenwelt Fragen, die außerhalb der Unis kein Schwein interessieren, um es einmal drastisch auszudrücken. Das hat schon ein sehr abstraktes Niveau“, erzählt Katharina Ceming. Dass sie selbst einen anderen Ansatz verfolgt, wird schon anhand der Titel der Bücher klar, die sie im Laufe der Jahre geschrieben hat: „Denken macht glücklich“, „Der spirituelle Notfallkoffer“ oder „Sorge dich nicht um morgen.“ Auch in ihrem Vortrag im Rahmen des Philosophischen Salons wird es nicht konkret um aktuelle politische oder gesellschaftliche Fragen gehen – sondern darum, wie jeder Einzelne einfacher mit dem ständigen Wechsel umgeht, den das Leben mit sich bringt. Vor allem in Zeiten, in denen Veränderung nicht mehr als positiver Fortschritt wahrgenommen wird, sondern vor allem Angst macht.

Gerade in solchen Zeiten ist die Philosophie gefordert, glaubt Ceming. „Wie wollen wir leben? Welche Grenzen können und müssen wir der Künstlichen Intelligenz setzen? Und in der Gentechnik? Das sind Fragen, die die Wissenschaft nicht beantworten kann. Und da die Kirchen in vielen Ländern nicht mehr den ganz großen Einfluss haben, ist gerade die Philosophie jetzt gefordert, sich mit diesen Fragen zu befassen und Antworten zu geben.“

Zentraler Punkt, um zu diesen Antworten zu kommen, ist für Ceming... das Denken. Was zunächst einmal wenig überraschend und logisch klingt, hat einen tieferen Hintergrund. „Denken hat heute einen schlechten Leumund. Oft wird damit nur eine Art von Zwecksrationalität samt Gewinnmaximierung gemeint. Und viele Menschen sehen, dass uns das nicht gut bekommt. Wie beim Klimawandel. Oder beim Auseinanderdriften von Arm und Reich. Das Gegenmodell zum Denken wird dann oft die Emotion genannt, zu der die Menschen wieder einen besseren Kontakt herstellen sollen.“ Für Katharina Ceming ist das der falsche Ansatz.

„Diese Sicht auf das Denken ist nicht im Sinne des philosophischen Nachdenkens. Es gibt dort keinen Widerspruch oder Gegensatz zur Emotion“, erklärt sie. Daher verwundert es nicht, wenn der Mensch Katharina Ceming auf die aktuellen Probleme der Welt nicht anders reagiert als die Philosophin Katharina Ceming. „Ich bin eher der Optimist. Die Menschheit hat es bisher noch nicht geschafft, sich auszurotten. Ich glaube allerdings, dass die Lösungen für unsere Probleme nicht im Verzicht liegen werden, sondern in Innovationen. Man wird große Teile der Menschheit, die den Konsum gerade erst entdecken, nicht so schnell wieder davon abbringen können.“ Sorgen bereitet ihr aber das, was momentan in China geschieht: „Ein diktatorisches Regime, das sämtliche Möglichkeiten der Digitalisierung und der weltweiten Marktwirtschaft ausnutzt – das ist sehr problematisch.“

An Themen wird es jedenfalls nicht mangeln, wenn die Reihe der Philosophischen Salons in Haar beginnen wird. Die Impulsreferate dauern jeweils eine gute Stunde und münden anschließend in eine offene Diskussionsrunde. Der Eintritt ist frei, Spenden sind aber erwünscht. Für die Reihe vernetzten sich übrigens drei Institutionen: Kulturverein, Pfarrei St. Konrad und die evangelische Jesuskirche. Sie fungieren als Träger jeweils einer Veranstaltung im neuen „Philosophischen Salon“.

Marco Heinrich

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare