„Keymer bekommt die Wende noch nicht so hin“

Der neue Mann für den Wiederaufbau der SPD

Thomas Fäth hat seine Lektionen im Gemeinderat schon in jungen Jahren gelernt. Nun will er seine SPD nach der verlorenen Wahl zu alter Stärke führen.
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Thomas Fäth hat seine Lektionen im Gemeinderat schon in jungen Jahren gelernt. Nun will er seine SPD nach der verlorenen Wahl zu alter Stärke führen.

Thomas Fäth ist der neue Fraktionsvorsitzende der SPD im Haarer Gemeinderat. Im Interview mit HALLO erzählt der 37-jährige Diplom-Wirtschaftsinformatiker, wie er den Machtwechsel an der Spitze der Gemeinde erlebt, und wie er sich in Zukunft gegen den Fraktionsvorsitzenden der CSU, Dietrich Keymer, behaupten will.

HALLO: Herr Fäth, Sie sind der neue Fraktionsvorsitzende der SPD im Haarer Gemeinderat. Denken Sie manchmal noch da­ran, wie Sie den Weg in die Kommunalpolitik gefunden haben?

Fäth: Ja, helfen war einfach schon immer ein innerer Drang von mir. Das ging schon zu meiner Schulzeit am Ernst-Mach-Gymnasium los. Da habe ich mich bereits an verschiedenen Stellen engagiert und bin mit Katharina Dworzak, die Tochter des damaligen Bürgermeisters, gemeinsam aktiv geworden. Wir sind bis heute befreundet. Mit 18 Jahren habe ich dann zum ersten Mal für den Gemeinderat kandidiert. Da bin ich natürlich noch nicht rein gekommen. Sechs Jahre später hat es aber geklappt. Jetzt bin ich Fraktionsvorsitzender. Und so geht man halt immer schrittweise weiter.

Manche gehen schrittweise, andere überspringen auch ein paar Stufen. So wie der neue Bürgermeister, Andreas Bukowski. Vorher nicht mal Gemeinderatsmitglied, jetzt direkt Bürgermeister. Was sagen Sie dazu?

Na ja, wenn ich so an meinen Weg denke: Die ersten sechs Jahre im Gemeinderat hatte ich nicht viele Redebeiträge, das war wirklich eine Lernphase. Herr Bukowski wird also jetzt sehr schnell sehr viel lernen müssen. Ich glaube, dass es für ihn gerade eine unglaublich anstrengende Zeit ist.

Wie schätzen Sie seine Fähigkeit ein, sich da schnell rein zu finden?

Das kann man noch nicht sagen. Bei den ersten Sitzungen standen noch organisatorische Dinge im Vordergrund. Das wird sich erst zeigen, wenn die größeren Themen anstehen, an denen schon sehr lange gearbeitet wird — wie etwa beim Mobilitätskonzept.

Springen wir nochmal ein bisschen zurück. Wie war das denn für Sie, als klar wurde, dass es einen Machtwechsel an der Spitze geben wird?

Ich war geschockt. Das gebe ich ehrlich zu. Damit hatte ich in keinster Weise gerechnet. In erster Linie hat mir aber Gabriele Müller leid getan. Für sie war das Amt der Bürgermeisterin weit mehr als ein Beruf. Das war Leidenschaft. Ich finde einfach, dass sie so eine Abwahl nicht verdient hat. Und dann war da natürlich die Frage, wie wir uns als SPD jetzt aufstellen und die wichtigen Themen vorantreiben.

Haben Sie Sorgen bezüglich der Haarer Zukunft?

Nein. Es haben ja alle betont, wie schön Haar ist. Von dem her können wir inhaltlich nicht so viel falsch gemacht haben. Ich denke auch, dass sich unter dem neuen Bürgermeister die Richtung gar nicht so sehr verändern wird. Es gab zwar Punkte, die sehr von der CSU kritisiert wurden, wie etwa der Standort für die neue Grundschule. Nur habe ich da eben auch keine Alternativen von der CSU gehört. Der Standort im Jagdfeld ist natürlich nicht perfekt. Aber von den möglichen Standorten, ist er nun einmal der Beste. Da hat sich aus meiner Sicht bis heute nichts daran geändert.

Ärgert Sie diese Kritik?

Na ja, wenn etwas abgelehnt wird, muss eben auch ein konstruktiver Gegenvorschlag kommen. Das wird jetzt spannend zu sehen, wie sich die CSU und vor allem der neue Bürgermeister positionieren werden. Jetzt können sie nicht mehr nur kritisieren, sondern müssen konkrete Vorschläge liefern. Das ist der Anspruch, den wir auch in der Fraktion haben. Bei der Wahl zum Zweiten und Dritten Bürgermeister etwa, hat es uns auch sehr überrascht, dass es sieben Gegenstimmen gab, als Katharina Dworzak zur Dritten Bürgermeisterin gewählt wurde. Es wurde ja kein weiterer Kandidat von der CSU aufgestellt. Das fand ich schon ein interessantes Zeichen, insbesondere, da Herr Bukowski nach seiner Wahl eine gute Zusammenarbeit propagiert hat.

Gibt es Stimmung gegen Katharina Dworzak?

Das frage ich mich auch. Ich haben eher den Eindruck, das waren noch die Nachwehen, der vorherigen Bürgermeisterwahl, die Thomas Reichel gegen Gabriele Müller verloren hat. Damals hatte die CSU ja die berechtigte Hoffnung, den Bürgermeister zu stellen. Dass das damals nicht geklappt hat, haben einige vielleicht noch nicht überwunden. Darum war die Stimmung im Gemeinderat in den vergangenen sechs Jahren auch etwas schlechter als vorher unter Helmut Dworzak. Wobei das aus meiner Sicht eher von der CSU herrührte.

Nun ist ja der Plan, dass wieder mehr Harmonie einkehrt.

Da bin ich gespannt, wie die CSU das hinbekommen will. In dem Zusammenhang ist es interessant, dass sich die CSU bei der Wahl zum Fraktionsvorsitzenden nicht neu aufgestellt hat, sonder wieder für Dietrich Keymer entschieden hat. Er bekommt diese Wende meines Erachtens gerade noch nicht so hin.

Da gab es ja auch schon den ersten verbalen Schlagabtausch zwischen Ihnen beiden. Kann man sich auf so etwas jetzt öfter gefasst machen?

Man wird es sehen. Dietrich Keymer neigt zu einer Emotionalisierung von Sachthemen. Das ist nicht mein Stil, und lässt einen manchmal etwas sprachlos zurück. Aber darauf werde ich mich vorbereiten.

Glauben Sie, dass Herr Keymer wirklich so emotional an die Themen herangeht, oder das eher als Stilmittel verwendet?

Ich denke, Herr Keymer ist eher ein Kopfmensch und nicht so sentimental. Es gibt aber durchaus CSU-Mitglieder, von denen ich weiß, dass sie einfach so sehr für ein Thema brennen, dass da eben auch Emotionen mitschwingen. Wie etwa bei Thomas Reichel und der geplanten Realschule. Er will diese Schule einfach, das ist eine Herzensangelegenheit und wenn er das Gefühl hat, die SPD stellt sich dagegen, ist es auch verständlich, dass er für gewisse Argumente nicht mehr zugänglich ist. Die SPD ist aber ganz und gar nicht gegen die Realschule.

Die erste, spannende Diskussion, bei der es zur Sache gehen könnte, wird nun wohl die Autobahnparallele sein, wobei Sie da ja eher die Grünen gegen sich haben werden, nicht so sehr die CSU.

Die Grünen sind gegen die Autobahnparallele. Das ist klar. Wir haben unsere Argumente bereits ausgetauscht und wissen, dass wir uns gegenseitig nicht überzeugen können. Da ist jetzt die Frage, wie die CSU reagiert, die eigentlich auch immer für die Autobahnparallele war.

Da könnte es ja sogar zu einem groß-koalitionären Pakt kommen.

Ganz ehrlich: Mit wem die SPD Inhalte durchbringt, ist mir gleich. Wenn wir das mit der CSU erreichen können, ist das genauso schön, wie wenn es mit den Stimmen der Grünen geschieht. Und am liebsten möchte ich natürlich alle, also auch die FDP, erreichen. (lacht)

Und das vielleicht in sechs Jahren sogar als Bürgermeisterkandidat?

Sechs Jahre sind so eine lange Zeit. Da will ich nichts ausschließen, aber wir haben viele gute Leute bei uns. Wirklich Gedanken machen wir uns da erst in drei oder vier Jahren.

Interview: Lydia Wünsch

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