Keine Liebe auf den ersten Blick

Neue Kolumne: Motzi und Ich 

Motzi ist das erste mal in der HALLO-Redaktion und fühlt sich gleich pudelwohl.
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Motzi ist das erste mal in der HALLO-Redaktion und fühlt sich gleich pudelwohl. 

Motzi schien der perfekte Hund für HALLO-Redakteurin Lydia Wünsch. Doch einfach lief das mit der Hundehaltung nicht. Davon berichtet sie in ihrer neuen Kolumne.

Haar – Es gibt ja derzeit viele Corona-Trends: Vom Bananenbrot-Backen übers Toilettenpapier-Horten (wobei sich da sicher niemand angesprochen fühlt) oder Joggen scheint für jeden

Motzi und Redakteurin Lydia Wünsch in der HALLO-Redaktion. 

irgendetwas dabei zu sein. Ich persönlich habe auch etwas gefunden: Ich habe mir einen Hund geholt. Und dabei wusste ich gar nicht, dass das ein Corona-Trend ist. Der Zeitpunk schien mir einfach nur perfekt. Ich bin derzeit in Kurzarbeit und habe so in der Anfangsphase mehr Zeit. Außerdem habe ich das große Glück, meinen Hund mit in die Arbeit bringen zu dürfen. Warum also noch warten? Das denken sich anscheinend noch mehr Menschen, denn die Tierheime sind derzeit regelrecht leergefegt. Bemerkt hab ich das, als ich auf der Seite des Münchner Tierheims nach einem passenden Partner für mich gesucht habe — und fast nur noch die sogenannten „Langzeitsitzer“ vorfand. Das sind die „Problemhunde“. Meist handelt es sich dabei um Kampfhunde, die teilweise noch nicht mal in Bayern erlaubt sind, oder sie haben eine schwere Behinderung. Wie etwa die kleine Gioia, deren Hinterbeine gelähmt sind, und die sich nur mit Hilfe von Rollen fortbewegen kann. Einen behinderten Hund zu nehmen, traute ich mir nicht zu. Vor allem nicht als absolute Hundeanfängerin.

Dabei hatte ich gar keine allzu hohen Erwartungen an meinen tierischen neuen Freund. Er sollte weder einen Modelwettbewerb gewinnen, noch in der Lage sein, eine Rolle Rückwärts zu vollführen. Noch nicht mal jung musste er sein. Das einzige, was ich wollte: Er sollte auf gar keinen Fall beißen! Na ja, und unkontrolliert Kot zu verlieren, wäre für einen Bürohund auch nicht ideal. Also fiel der kleine puschellige Leo mit seinen Schließmuskelproblemen auch raus. Kurz dachte ich darüber nach, mir einen Hund aus der Tiernotrettung in Rumänien zu holen, da stieß ich auf Motzi: Zehn Jahre alt, eine Mischung aus Dackel und Jagdterrier, unkompliziert, und er hatte seine Schließmuskel noch mehr oder weniger im Griff. (Dass es eher weniger war, sollte ich erst später feststellen.)

So spazierte ich also ins Tierheim zu meiner ersten Gassirunde mit Motzi. Und was soll ich sagen: Es war keine Liebe auf den ersten Blick. Kein überschwängliches Gefühl, das mir sagte: „Ja, das ist mein Hund!“ Ich wusste noch nicht mal, ob ich Motzi besonders niedlich fand. Irgendwie war er unglaublich lang, dafür schienen die Beine zu kurz und der Kopf zu groß geraten. Motzi dachte wahrscheinlich ähnliches über mich, denn er hatte anfangs nicht viel Interesse an mir. Unbekümmert ging er den Weg, den er gehen wollten, und schleifte mich an der Leine hinterher. Da war nicht viel von der großen Dankbarkeit zu spüren, die Hunde ihren Besitzern angeblich entgegenbringen, wenn man sie aus der Not holt. Mal ganz davon abgesehen, dass Motzi zehn Jahre lang bei einem älteren Herren gelebt hatte, der ihn wohl ziemlich verwöhnt hatte. Motzi hatte es also nicht nötig. War es vielmehr ich, die das Gefühl brauchte, gebraucht zu werden?

Lange hatte ich nicht Zeit, darüber nachzudenken, denn Motzi hatte eine Katze entdeckt und fing plötzlich wie wild an zu bellen und hochzuspringen. Und weil ich das schon bei so vielen Hundebesitzern beobachtet hatte, zog ich ihn zurück und rief einmal ganz laut „Aus!“ Motzi sah mich daraufhin beeindruckt an und war still. Plötzlich konnte er auch bei Fuß gehen und dackelte viel motivierter als vorher neben mir her. So war das also. Meine Brust schwellte ein bisschen an vor Stolz. Offenbar war ich ein Naturtalent im Umgang mit Hunden. Das durfte man nicht verkommen lassen. Und so entschied ich mich dafür, Motzi für eine Woche zur Probe zu mir zu holen.

In dieser Woche sollte ich schnell feststellen, was für eine tiefe emotionale Bindung man zu einem Tier aufbauen kann, aber auch wie sehr man mit einem Hund an seine persönlichen und emotionalen Grenzen kommt. Aber davon nächste Woche mehr. 

Lydia Wünsch

Mehr über den Münchner Osten gibt es in der Übersicht.

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