Die guten Jahre und das anschließende Altsein

Nach den Infotagen „Älterwerden in Haar“

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Tafel der Hoffnungen und Sorgen: Bürgermeisterin Gabriele Müller und Florian Kutzner.

Wer jung ist, macht sich kaum Gedanken über das Älterwerden. Bis zu dem Tag, an dem er plötzlich einen Sitzplatz in der S-Bahn angeboten bekommt. Oder ist das Altwerden eher ein schleichender Prozess? Und: Ab wann gilt man überhaupt als alt?

Das waren Themen, die bei den zweitägigen Infotagen im Bürgerhaus Haar besprochen wurden. Interessierte Bürger konnten sich an Infoständen und in Vorträgen über das „Älterwerden in Haar“ informieren. „Wohnformen 60plus“ mit einer anschließenden Diskussionsrunde mit der Bürgermeisterin Gabriele Müller war einer der Vorträge. Gut gefüllt war der Saal, in dem Referentin Brigitte Herkert den Unterschied zwischen „älter sein“ und „alt sein“ erklärte.

„Älter sein“, das ist für sie die Zeit kurz nach dem Rententeintritt. Die sogenannten „guten Jahre“, wenn man noch fit ist, sich selbst versorgen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann. „Und wann ist man alt?“, fragte sie ihre Zuhörer. „Wenn man nicht mehr so funktioniert wie früher“, sagte ein Mann in der ersten Reihe. „Wenn man nicht mehr tätig sein kann.“ „Wenn die Hilfe der Angehörigen vielleicht nicht mehr ausreicht“, lauteten andere Antworten. In den „guten Jahren“ ist es Zeit, für das Altsein vorzusorgen. Die geeignete Wohnform ist dabei ein zentrales Thema. Denn es kommt der Tag, da sind plötzlich zu viele Treppen im Haus. Man kommt nicht mehr in die Badewanne, und der Rollator passt nirgends durch.

„Hände hoch, wer eine barrierefreie Wohnung hat“, fragte Herkert in die Runde. Nur eine Dame im ganzen Raum meldete sich. „Die Architekten haben versagt“, lautete das Fazit eines Zuhörers. „Da haben Sie nicht ganz Unrecht“, bestätigte Herkert. „Wir leben heute mit den Bausünden von früher.“ Und dabei wollen doch die Menschen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben. „Ich möchte auf keinen Fall ins Pflegeheim!“, sagte eine Frau entschieden und brachte damit das Thema des Vortrags auf den Punkt. Selbstbestimmt leben, solange es geht. „In ein Pflegeheim zu ziehen, ist längst nicht mehr die einzige Option“, erklärte Herkert und nannte alternative Wohnformen. Beim Wohnen gegen Hilfe etwa leben ältere Menschen mit Jüngeren (meist Studenten) zusammen und helfen sich gegenseitig aus. „Aber Achtung, bei dieser Wohnform handelt es sich nicht um Pflege“, betont Herkert. Es geht lediglich darum, dass der Jüngere mal einen Einkauf erledigt oder schwere Sachen nach oben trägt.

Beim betreuten Wohnen hingegen ist eine barrierefreie Wohnung mit Notrufknopf gegeben sowie ein höherer Grad an Betreuung, der allerdings auch nicht an eine umfassende Pflege heranreicht. Diese wäre in einer sogenannten Demenz-WG oder auch Pflege-WG gegeben. Hier wohnen ältere oder auch alte Menschen in einer Wohngemeinschaft zusammen. Gepflegt werden sie von einem Pflegedienstleister ihrer Wahl. Im Gegensatz zu einem Pflegeheim können die Mieter bei dieser Wohnform selbst bestimmen, wie sie ihren Tagesablauf gestalten wollen. „Das soll keine Zwischenstation sein. Hier bleibt man, bis man stirbt“, erklärte Herkert. Gründen kann jeder so eine WG.

Wichtig für die anwesenden Zuhörer war aber vor allem eines: Welche Möglichkeiten gibt es in Haar? Denn alle waren sich einig: Sie wollen auch im Alter in der Gemeinde bleiben. Hier konnte Bürgermeisterin Gabriele Müller mit Informationen helfen. „Ein größeres Pflegeheim entsteht gerade im neuen Maria-Stadler-Haus auf dem ehemaligen Gelände des Isar Amper Klinikums“, erklärte sie. Und was passiert mit dem Alten? „Die Apartments im mittleren Teil des Gebäudes sollen auf jeden Fall wieder für ältere Menschen verwendet werden, hier könnte ein gemeinschaftliches Wohnen mit Betreuung entstehen“, sagte Müller. Auch die Idee einer Demenz-WG findet Müller interessant. Das komme vor allem auf die Wünsche der Bürger an. Um diese herauszufiltern, durften alle zum Abschluss ihre Sorgen und Hoffnungen für das Wohnen im Alter auf Zettel schreiben, die auf einer Pinnwand bildlich demonstrierten, was die Bürger wollen. Ein erster Blick bewies: In der Gemeinde gibt es mehr Hoffnung als Bedenken.

Lydia Wünsch

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