Kolumne: Motzi und Ich

Motzi und ich sind wieder auf der Gewinnerseite des Lebens

In der HALLO-Redaktion schläft es sich besonders gut, findet Motzi.
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In der HALLO-Redaktion schläft es sich besonders gut, findet Motzi.

Motzi schien der perfekte Hund für HALLO-Redakteurin Lydia Wünsch. Doch so einfach lief das mit der Hundehaltung nicht. Davon berichtet sie in ihrer Kolumne.

Haar – Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat Motzi sich als der perfekte Bürohund entpuppt. Auch wenn unsere Ankunft am Montag in der Früh noch ziemlich tränenreich verlief. Motzi hatte mich mit seinen Darm­aktivitäten die Nacht zuvor wach gehalten. So betrat ich unausgeschlafen und gestresst zum ersten Mal zusammen mit Motzi das Büro. Sofort scharrten sich meine interessierten Kollegen um den Hund, und als die Frage kam, wie es denn so liefe, liefen bei mir die Tränen. Schlafmangel. „Hund kackt in Wohnung, Aufzug kaputt, achter Stock, ich glaube, ich schaffe das nicht!“, brachte ich zwischen den Schluchzern hervor. Daraufhin wurde ich erst mal aus der Ferne getröstet, denn wir beachten die Abstandsregeln natürlich auch im Verlag.

Anschließend folgte eine detaillierte Beschreibung von Motzis Kot. Wir erörterten Farbe, Konsistenz und Häufigkeit mit dem gleichen Elan wie Kommunalpolitiker in Gemeinderat über Bauvorhaben sprechen. Warum hatte ich mich nochmal gegen Kinder und für einen Hund entschieden? Ja richtig, ich hatte gedacht, das würde weniger Arbeit machen. Hahaha.

Nachdem ich also zunächst meinen aufgestauten Emotionen freien Lauf gelassen hatte, verlief der Rest des Tages allerdings erstaunlich friedlich. Die Redaktion hatte offenbar eine beruhigende Wirkung auf meinen Hund. Auf unserem grauen Teppich schlief Motzi besser als er es bisher bei mir zu Hause getan hatte. Und zwar fast durchgehend. Ein Traum! Noch nie fand ich es so entspannend zu arbeiten. Jetzt verstand ich endlich, warum gestresste Eltern so gerne ins Büro gehen. Es war tatsächlich ein Ausgleich zur sonstigen Betreuung zu Hause. „Mei, ist der brav“, hörte ich von meinen Kollegen, die sich natürlich sofort in Motzi verliebten und dafür plädierten, dass ich ihn nach der Probewoche auf jeden Fall behalten sollte. Und auch meine Zuversicht stieg wieder. Mittlerweile hatte ich eine Bekannte von mir kontaktiert, die Tierärztin und Hundeexpertin ist. Sie erklärte mir, dass eine Ernährungsumstellung bei Motzi dazu beitragen kann, seinen Darm in den Griff zu bekommen. Außerdem gebe es Tragehilfen für Hunde, damit ich ihn dabei unterstützen konnte, die Treppen zu bewältigen, falls der Aufzug wieder mal kaputt ging. Es gab also doch für alles eine Lösung. In der Mittagspause entspannten ich und Motzi auf dem Berg am Wieselweg, den er glücklich hoch und runter lief. Nicht allzu oft natürlich, denn Motzi ist ein älterer Dackel. Aber gerade so lange, dass auch mein Herz wieder ein paar Hüpfer machte. Er war schon ausgesprochen niedlich, und ich war jetzt schon schwer verliebt in jede seiner Bewegungen. Das aufgeregte Schnüffeln, wenn er einer spannenden Fährte auf der Spur war, das freudige Schwanzwedeln, wenn er mich schon nach einer fünfminütigen Trennung wieder sah und das zufriedene Grunzen, wenn er sich im Gras wälzte. Ich konnte ihn wirklich stundenlang beobachten, ohne dass es langweilig wurde.

Als wir am Abend heimkamen, ging auch der Aufzug wieder und krönte damit den Tag. „Motzi, wir sind definitiv wieder auf der Gewinnerseite des Lebens“, freute ich mich. Wenn wir es noch schaffen, heute Nacht durchzuschlafen, habe ich keine Wünsche mehr offen.“ Wie genügsam man doch werden kann ... 

Lydia Wünsch

Mehr über den Münchner Osten gibt es in der Übersicht.

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