Eine große Ehre mit fadem Beigeschmack aus Berlin

Label „StadtGrün naturnah“ in Gold für die Gemeinde Haar

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Schon seit 20 Jahren ist das Thema Umwelt ein Schwerpunkt der kommunalen Politik um Bürgermeisterin Gabriele Müller und Andreas Nemetz, Leiter des Umweltreferats (links).

„Wenn du es baust, kommt er zurück“, ist einer der Schlüsselsätze im Film „Feld der Träume“, mit Kevin Costner. Also baut er ein Baseballfeld (mitten in sein Maisfeld) und nach einigen Irrungen und Wirrungen kommt es zu einem emotionalen Wiedersehen und zu einer besseren Zukunft. Es gibt einige Parallelen zu Haar, und ausnahmsweise geht es nicht um Baseball.´

„Wenn du es baust, kommt er zurück“, das ist auch so etwas wie der Leitspruch der Gemeinde, wenn es um die Ökologie geht. Seit rund 20 Jahren werden große Anstrengungen unternommen, um wieder mehr Tierarten in die Gemeinde zu holen. Mit Erfolg. „Wir zählen gerade. Aber schon jetzt zeigt sich, dass wir zum Beispiel über 100 Wildbienenarten in Haar haben. Und auch den Bläuling-Schmetterling, der in Europa als gefährdet eingestuft wird“, erklärt Andreas Nemetz als Leiter des Haarer Umweltreferats. Es funktioniert also: Wenn du es baust, kommt er zurück.

Der Bläuling ist so etwas wie das Maskottchen der Haarer Bemühungen um die Umwelt in der eigenen Gemeinde.

Die Anstrengungen wurden nun belohnt. Als eine von nur drei Gemeinden in Deutschland (außerdem: Bad Saulgau in Baden-Württemberg und Riedstadt in Hessen) erhielt Haar das noch neue Label „StadtGrün naturnah“ in Gold. In Bayern ist Haar die einzige Gemeinde, die zum Auswahlverfahren zugelassen wurde. „Wir sind ein Vorreiter! Und wir machen das nicht, weil es jetzt ein schönes Label dafür gibt“, sagte Bürgermeisterin Gabriele Müller stolz. Sie kann sich noch gut daran erinnern, wie in ihrer Kindheit Rosen gezüchtet und mit dem Gift E605 besprüht wurden. „Das war damals ganz normal“, erinnert sie sich. Zum Glück sind die Zeiten heute anders. Das merkt sie auch an den Reaktionen der Bürger. „Noch vor einigen Jahren erhielten wir Anrufe, weil nicht mehr so oft gemäht wurde. Heute wird angerufen, wenn wir mal mähen. Die Leute haben verstanden, dass es hier um den Wohnraum von Insekten und anderen Tieren geht.“ Diese Mitnahme der Bürger ist neben der Artenvielfalt eines der Hauptziele der Haarer Umweltpolitik. Es gibt einen Naturerlebnis-Schulhof, einen Baumpfad, einen Naturschaugarten und im kommenden Jahr auch einen Magerrasen-Wildbienen-Lehrpfad. Doch während andere Gemeinden großes Interesse am Haarer Weg zeigen, sorgte ausgerechnet die deutsche Bundespolitik für Ernüchterung. Für das jüngst präsentierte Klimapaket hat Müller kein Verständnis: „Furchtbar! Ich schäme mich dafür! Da fehlt offenbar der Wille, wirklich durchzugreifen.“

Marco Heinrich

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