Ein Button gegen die „Generation Kopf unten“

Künstlerin aus Haar kämpft gegen die Mediensucht

+
Künstlerin Gabriele von Ende-Pichler sucht den Dialog in der realen Welt.

„Schau mich an – rede mit mir!“ Nein, das ist kein neuer Anmachspruch (spät-)pubertierender Wiesn-Besucher, sondern ein Appell an alle Smartphone-Junkies. Mit denen hat Gabriele von Ende-Pichler nämlich ein ernstes Wörtchen zu reden. Weil es inzwischen nur so vor Smombies (Smartphone+Zombies) wimmelt, kann sie nicht jedes Mal selbst das Wort ergreifen. Sie schickt künftig ihren selbst kreierten Stellvertreter vor, einen knallgelben Anti-Smartphone-Button.

„Wir reden nicht miteinander. Wir schauen uns nicht an. Wir rennen uns glatt über den Haufen. Das ist doch nicht die Natur von uns Bayern! Waren wir nicht mal ein geselliges Volk?“ Eine Mischung aus Verdruss und Wehmut erfüllt die lebenslustige Malerin beim Gedanken an die „Generation Kopf unten“. Doch sie ist längst nicht die einzige, die sich von der Technik versetzt fühlt. „So viele Leute kommen in mein Atelier am Rathaus, die einfach nur reden wollen. Natürlich schieben sie immer die Kunst vor. Manchmal ist sie aber nur ein Vorwand für ein Gespräch auf Augenhöhe.“ So kann es für die aufgeweckte Galeristin nicht weitergehen. Doch wie kann sie die reelle und virtuelle Welt nur wieder zusammenbringen? Vielleicht ja mit einem Ansteckbutton! Höchstpersönlich macht sich die erfahrene Malerin in ihrem Kunstatelier ans Werk. Das Ergebnis ist kaum zu übersehen. In leuchtendem Gelb mit knalligen Schriftzügen fordert die Eigenkreation jeden, der sie erblickt, auf: „Schau mich an – rede mit mir!“

Überraschend ist das bunte Design mit einem Blick auf ihr farbenprächtiges Atelier nicht. „Ich bin ein Kind der Farben. Meine Kunst darf ruhig ins Auge springen. Ganz besonders der Button“, lacht von Ende-Pichler. Stichwort: Auge. Damit ihre Botschaft auch nicht missverstanden werden kann, hat sie gut sichtbar in der Mitte des Buttons noch ein großes aufmerksames Auge verewigt. Wo genau die Kreativkampagne hinführen soll, weiß die Künstlerin noch nicht. „Ich lass den Ballon einfach fliegen – mal schaun, wo er landet.“ Vorerst zieht sie mit 500 Stück in den Anti-Smartphone-Kampf, die sich Gleichgesinnte kostenlos zu den Öffnungszeiten in ihrem Atelier an der Bahnhofsstraße 3 abholen können. Eine Nachbestellung schließt sie aber nicht aus. „Wenn‘s zündet, gibt‘s Nachschub. Auch beim Copyright lass ich mit mir reden.“ Bis es so weit ist, freut sich die Haarerin aber erst einmal über hoffentlich viele verdutzte, vielleicht sogar beschämte Blicke, wenn sie dem nächsten „Smombie“ die gelbe Karte, pardon, den gelben Button zeigt.

Alexandra Kraus

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare