Noch bringt der Handel kein Geld nach Haar

Konzept ohne große Einkaufszentren

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Die Einkaufsmöglichkeiten in der Leibstraße prägen Haar.

Die Versorgung funktioniert auf der Haarer Einkaufsmeile an der Leibstraße. Damit diese lebendige Ortsmitte weiter gestärkt wird, hatte der Gemeinderat eine Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse kürzlich präsentiert wurden.

Viel Einfluss darauf, welche Geschäfte sich in den dafür ausgewiesenen Bereichen ansiedeln, hat eine Gemeinde nicht. Durch Baurecht allerdings kann sie im Vorfeld steuernd eingreifen, was Haar sei langem tut. Große Einkaufszentren im Außenbereich will man nicht, fußläufige Versorgung mit Gütern des täglichem Bedarfs ist dem Gemeinderat wichtig, auch wenn dies bisher längst nicht überall umgesetzt werden konnte. Ein großes Anliegen sind dem Gremium jedoch die Stärkung der Einkaufsmeile an der Leibstraße und sinnvolle Entwicklungskonzepte für die Zukunft. Damit dies alles Hand und Fuß hat, ließ der Gemeinderat ein Einzelhandelsgutachten bei der CIMA-Beratung und Management GmbH anfertigen. Demnach ist Haar im Bereich Lebensmittel besser versorgt als der Schnitt der deutschen Kommunen und liegt gleichauf mit elf bayerischen Vergleichsorten zwischen 17.000 und 21.000 Einwohnern. Anders sieht es bei den Nonfood-Verkaufsflächen aus, hier hat Haar pro Einwohner nur 0,4 Quadratmeter zu bieten, während in den Vergleichsorten 1,8 Quadratmeter pro Kopf verfügbar sind. Insgesamt entfällt auf jeden Haarer ein Quadratmeter Verkaufsfläche, in den Referenzorten sind es 2,4 Quadratmeter und im Deutschland-Vergleich 1,5 Quadratmeter.

Dennoch sind die Haarer laut Analyse mit ihrer zentralen Einkaufsmeile zufrieden. Das zeigte die CIMA-Befragung von 242 Passanten, die an drei Tagen zwischen Bahnhofsplatz und Leibstraße durchgeführt wurde. 73 Prozent der Befragten kamen demnach aus Haar, davon 43 Prozent zu Fuß oder mit dem Rad. Dass die Kunden dabei „vielfältige Besuchszwecke“ angaben, unterstreicht laut CIMA die Funktionalität der Ortsmitte. Gut die Hälfte der Befragten vermisst keinerlei Angebotsformen im Haar, rund einem Viertel fehlt jedoch ein Supermarkt. Laut Studie kommen die meisten Kunden aus dem Gemeindegebiet. Im nahen Einzugsbereich Vaterstetten und in Teilen München-Truderings leben zusätzlich rund 40.000 Menschen mit einem Kaufkraftpotential von rund 308 Millionen Euro. Deren Geld allerdings fließt kaum in die Haarer Geschäfte, das misst die CIMA anhand des Begriffs „Einzelhandelszentralität“. Die beschreibt, wie attraktiv eine Gemeinde als Einkaufsstätte für das Umland ist. Ab dem Faktor 100 fließt demnach Kaufkraft von außen in den Ort, für Haar weist die CIMA den Faktor 63 aus.

Die Projektentwickler der CIMA schlagen nun vor, Produktbereiche zu definieren, die in Haar fehlen und nur an der zentralen Einkaufsmeile angesiedelt werden dürfen. So soll das Zentrum gestärkt und geschützt werden, falls es mit der Shopping-Mall auf dem derzeitigen Baumarktgelände an der B304 etwas werden sollte. Der Gemeinderat will nun aufgrund der Studienergebnisse ein Einzelhandelskonzept entwickeln, mit dem die Gemeinde steuernd auf die Handelsentwicklung einwirken und die wohnortnahe Versorgung sichern kann.

Gabriele Mühlthaler

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