Taktlosigkeiten unserer Bahn

Keine Chance für einen Zehn-Minuten-Takt der S-Bahn nach Haar – ein HALLO-Kommentar

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Die Bahn sorgt in Haar für eine Enttäuschung

Haar – Wer eine unendliche Geschichte erleben will, die Weisheiten über das Leben vermittelt, muss Michael Ende lesen. Wer eine unendliche Geschichte sucht, die endloses Kopfschütteln hervorruft, darf sich mit der Geschichte um den Haarer Zehn-Minuten-Takt der S-Bahn befassen. Es gibt ein neues Kapitel. Eines, das nichts ändert.

Im Münchner Stadtrat wurde ein Schreiben der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) präsentiert. Darin heißt es: „Würde dieser Takt den ganzen Tag angeboten werden, hätte dies eine Präzedenzwirkung auch auf die anderen Linienäste.“ Nur um es noch einmal zu erwähnen: Für die Bahn ist das eine negative Vorstellung!

Und warum ist das so? Die BEG spricht von „gravierenden Problemen bei Fahrzeugverfügbarkeit und Personalgewinnung“. Die Lösung liegt auf der Hand: Fahrzeuge kaufen und dem Personal mehr zahlen. Wie lange dauert es noch, bis die Entscheider merken, dass gewollte Veränderungen der Gesellschaft Geld kosten?

Marco Heinrich

Die komplette Stellungnahme der Bayerischen Eisenbahngesellschaft mbH (BEG):

„Der Ostast der S4/S6 hat zwischen Gronsdorf und Trudering ein Aufkommen von durchschnittlich 34.000 Fahrgästen montags bis freitags. Damit liegt dieser im Mittelfeld derjenigen Linienäste, bei denen ein 10-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit (HVZ) angeboten wird. Würde dieser Takt den ganzen Tag angeboten werden, hätte dies eine Präzedenzwirkung auch auf die anderen Linienäste, entlang derer dann die Forderung nach einem täglich ganztägigen 10-Minuten-Takt artikuliert werden würde.

Ein derartiges Angebot wäre vor dem Hintergrund der gravierenden Probleme bei Fahrzeugverfügbarkeit und Personalgewinnung im Verantwortungsbereich der S-Bahn München betrieblich kurz- und mittelfristig nicht umsetzbar. Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Zugwende am Bahnsteig Trudering hinsichtlich der Betriebsstabilität prob-lematisch ist. Wir prüfen deshalb mit der S-Bahn München qualitätsverbessernde Maßnahmen.

Verkehrlich ist der 10-Minuten-Takt zur HVZ nachfragegerecht. Nach den uns vorliegenden Reisendenzählungen bestehen in den Neben- und Schwachverkehrszeiten zwischen Haar/Gronsdorf und München ausreichende Kapazitätsreserven, sodass eine Taktverdichtung nicht unmittelbar notwendig erscheint. Gleiches gilt für die restlichen Linienäste mit 10-Minuten-Takt zur HVZ. Selbstverständlich werden wir die Entwicklung der Nachfrage genau im Auge behalten.

Nach Inbetriebnahme der 2. S-Bahn-Stammstrecke ist ein täglicher und ganztägiger 15-Minuten-Takt der S4 bis Zorneding vorgesehen. Hinzu kommt eine im 30-Minuten-Takt verkehrende Express-S-Bahn mit Halten unter anderem in Haar und Trudering. Für Gronsdorf würde bei diesem Szenario eine Angebotsverschlechterung gegenüber dem jetzt geforderten 10-Minuten-Takt auch zu den Neben- und Schwachverkehrszeiten, wenn dieser verkehrlich notwendig ist, eintreten.“

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