Aus einer Mücke wird ein Elefant

Kein Ende im Streit zwischen Andreas Bukowski und Peter Paul Gantzer

Ein Bild aus friedlichen Tagen: Andreas Bukowski (l.) und Peter Paul Gantzer.
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Ein Bild aus friedlichen Tagen: Andreas Bukowski (l.) und Peter Paul Gantzer.

Haar – Über vier Stunden saß der Haarer Gemeinderat bereits zusammen, als unter „Sonstiges“ noch einmal der Streit zwischen Bürgermeister Andreas Bukowski und SPD-Gemeinderat Peter Paul Gantzer thematisiert wurde. „Wir können den Konflikt gerne hier und heute beenden“, sagte Bukowski zu Beginn seiner Ausführungen. Es kam anders. Statt Frieden gab es eine weitere Eskalation.

Zur Erinnerung: Ausgangspunkt des Konflikts war eine Werbe-Anzeige in HALLO, in der ein Autohaus damit warb, dass der Haarer Bürgermeister dort gerade ein E-Auto gekauft hatte. Darf ein Bürgermeister mit seinem Amt werben, auch wenn er keine Vergünstigungen aus dieser Werbung zieht? Diese Frage beschäftigte Peter Paul Gantzer.

Eine Randnotiz. Wenn sich Gantzer damals während seiner Ausführungen nicht widersprochen hätte. Denn zuerst ließ er sehr wohl durchblicken, dass er an einen persönlichen Vorteil des Bürgermeisters durch die Anzeige glaubte, um genau das dann wenige Sätze später ins Gegenteil zu drehen. Ein politischer Angriff, den Bukowski nicht politisch beantwortete, sondern juristisch. Wenige Tage vor einem klärenden Gespräch zwischen den beiden bekam Gantzer eine offizielle Anzeige von der Polizei zugestellt. Seitdem eskaliert der Streit.

Zum Ende der jüngsten Gemeinderatssitzung ging dieses Duell in die nächste Runde. Gantzer wollte die entsprechenden Passagen nicht zurücknehmen, da er während seiner Rede bereits wiederholt klargestellt hatte, dass er nicht an eine persönliche Bereicherung des Bürgermeisters glaubt. „Reicht das nicht?“, fragte er den Bürgermeister nun. „Nein“, antwortete Bukowski. Dann wurde es ein politisches Theater. Mehr Komödie als Drama.

„Wenn Sie das nicht vertragen, Herr Bürgermeister, dann ab ins Kloster“, sagte Gantzer, der außerdem von „Nebelkerzen“ und einem „gefakten Protokoll“ sprach, das Bukowski der Polizei vorgelegt hatte. Erst nach diesen neuen Attacken bot er dem Bürgermeister ein neues Gespräch an. Denn: „Letztlich schadet die Sache uns allen“, sagte Gantzer.

Darauf wollte sich Bukowski aber nicht einlassen. Er erzählte, dass es ja bereits zwei Gespräche zwischen beiden gab. Das Ergebnis waren offenbar zwei Pressemitteilungen, eine von Bukowski verfasst, eine von Gantzer. Keine stieß beim anderen auf Gegenliebe. Jetzt entscheiden also die Gerichte. Und aus einer Mücke wird ein politischer Elefant.

Der restliche Gemeinderat hält sich unterdessen weitgehend zurück. „Wir werden uns nicht auf einer der beiden Seiten positionieren. Wir hoffen, dass der Streit bald zu den Akten gelegt werden kann. Für mich ist das ein blöder Querschläger. Es gibt wichtige Fragen, bei denen wir gut zusammenarbeiten wollen“, sagt zum Beispiel Ulrich Leiner (Grüne).

Marco Heinrich

Kommentar 

Was Bukowski nicht bedenkt – Der Streit im Haarer Gemeinderat schadet dem Bürgermeister

„Es geht hier um meinen guten Ruf“, sagte Andreas Bukowski bei der jüngsten Eskalation im Gemeinderat. Dabei verkennt der Haarer Bürgermeister zwei wesentliche Aspekte: Er baut sich gerade erst einen Ruf in der Öffentlichkeit auf. Und der Zoff mit Peter Paul Gantzer schadet dabei erheblich.

Es war (wenn überhaupt) ein kleines Vergehen, als Bürgermeister den Kauf eines E-Autos für Werbezwecke zu benutzen. Die Art und Weise wie Bukowski nun den Streit im Gemeinderat austrägt, zeigt aber sein generelles Konfliktmanagement. Und das ist mindestens ungeschickt.

Dünnhäutigkeit kann sich niemand leisten, der täglich in der Öffentlichkeit steht. Doch Bukowski kann und will nicht verstecken, dass ihn die politischen Angriffe auf einer persönlichen Ebene treffen. Das ist kontraproduktiv, weil er viel mehr zu verlieren hat als Gantzer. Ein einfaches Gemeinderatsmitglied kann nicht „scheitern“. Ein Bürgermeister allerdings sehr wohl – vor allem, wenn er im Gemeinderat keine eigene Mehrheit hat. Dass sein erster großer Konflikt von Juristen entschieden werden muss, ist ein schlechter Start. 

Marco Heinrich

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