Interview mit Martin Hänsel vom Bund Naturschutz

Großes Kopfzerbrechen

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Martin Hänsel vom BN sprach mit der HALLO-Redaktion über den Asiatischen Laubholzbockkäfer.

Mit dem Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) befassen sich nicht nur Gemeinden im Münchner Osten und bayerische Behörden, auch die Kreisgruppe München des Bundes Naturschutz (BN) macht sich zum exotischen Schädling Gedanken. Die HALLO-Redaktion hat mit Martin Hänsel, dem stellvertretenden Geschäftsführer der BN-Kreisgruppe München, gesprochen.

HALLO: Wie sehen Sie die Gefahr durch den Asiatischen Laubholzbockkäfer?

Hänsel: Wir beschäftigen uns schon eine Weile mit dem ALB, er macht uns Kopfzerbrechen, es ist beängstigend. Und es ist dramatischer als in China oder Taiwan, denn dort befällt der Käfer nicht so ein breites Spektrum an Wirtsbäumen wie hier. Bei einem Insekt, das so viele Baumarten befällt, kann man von einer sehr dynamischen Ausbreitung ausgehen. Andererseits hat man noch keine abgestorbenen Bäume gefunden, obwohl der Käfer laut Berichten wohl schon länger im Münchner Osten ist.

Sind Sie der Ansicht, dass das Abholzen befallener und potentieller Wirtsbäume in deren Umfeld nötig ist?

Derzeit sehen wir wenig Alternativen zu diesen Maßnahmen. Der Befall ist schwer zu erkennen. Ein Kollege sichtet seit zwei Wochen weltweit Erfahrungsberichte. In Braunau am Inn stand der Käfer Ende der 80er/90er Jahre. Obwohl nur ein geringer Prozentsatz befallener Bäume entdeckt wurde, holzte man 20.000 ab. Jetzt ist das Gebiet ALB-frei. Auch in Toronto wurden 30.000 Bäume gefällt, auch da ist der ALB ausgerottet. Man muss aber bedenken, dass diese Maßnahme nur sinnvoll ist, wenn man damit eine Ausbreitung verhindern kann. Man muss vor allem die Einschleppwege beachten.

Der Käfer kam angeblich mit Verpackungsholz von Steinlieferungen in den Münchner Osten. Wie kann man das denn verhindern?

Laut Vorschrift müsste das Verpackungsholz begast sein, damit keine Schädlinge mitkommen. Das findet aber nur ungenügend statt, Kontrollen gibt es kaum. Die Kommunen sollten da ansetzen, Steinlieferungen aus China vermeiden und stattdessen den Granit aus dem Bayerischen Wald kaufen. Das ist zwar beim ersten Hinsehen teurer, doch wenn man die Kosten für eine notwendig werdende ALB-Bekämpfung berücksichtigt, sieht das schon anders aus. Also, für kommunale Bauvorhaben keine Steine aus China, sondern lieber aus dem Bayerischen Wald.

Was passiert, wenn der ALB sich ausbreitet?

Wir reden von massiven Eingriffen ins Landschaftsbild. Ganze Gemeinden und Stadtviertel würden baumfrei wegen des ALB. Ich habe Angst um die alten Bäumen von 60 bis 100 Jahren. Da zehren wir von unseren Vorvätern. Unter heutigen Bedingungen werden wir solch alte Bäume nicht mehr hinkriegen, auch nicht in Generationen.

Gibt es aus Ihrer Sicht weitere Maßnahmen, mit denen man den ALB-Befall verhindern könnte?

Wichtig ist zu betonen, wir sehen wenig Alternativen zu den Fällungen. Wichtig ist aber, die Forschung voranzutreiben. Fände man Parasiten, die den Käfer schädigen, wird man diesen nicht ganz vernichten, vielleicht aber auf ein erträgliches Maß reduzieren können. Jetzt ist die Angst da vor einer Massenvermehrung. Was schadet mehr, der Käfer oder die Fällungen? Derzeit kann keiner abschätzen, wie gefährlich der ALB ist. Haben wir in zehn Jahren einen Flächenbrand? Die Hauptaufgabe der Forschung ist, diese Frage zu beantworten, denn noch gibt es dazu keine belastbaren Erkenntnisse. Wir müssen folgende Punkte beachten: 1. Steinimporte aus China minimieren. 2. Die Bevölkerung informieren. 3. Befallswege unterbrechen. 4. Grundlagenforschung vorantreiben.

Das Interview führte Gabriele 

Mühlthaler.

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