Zwischen Sozialwohnung und Eigenheim 

HALLO-Interview zum genossenschaftlichen Wohnen in Haar 

Christian Stupka von der Mitbauzentrale München sieht im Genossenschaftlichen Wohnungsbau neue Wohnmöglichkeiten für Mieter mit kleinem Geldbeutel.
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Christian Stupka von der Mitbauzentrale München sieht im Genossenschaftlichen Wohnungsbau neue Wohnmöglichkeiten für Mieter mit kleinem Geldbeutel.

Haars Bürgermeister Andreas Bukowski will den genossenschaftlichen Wohnungsbau in der Gemeinde fördern. Hierzu wurde Christian Stupka von der Mitbauzentrale München in den Gemeinderat eingeladen. Im HALLO-Interview erklärt Stupka, wie Haarer vom Genossenschaftlichen Wohnungsbau profitieren könnten. 

HALLO: Herr Stupka, die Mietpreise in München explodieren. Es ist immer schwerer für den normalen Bürger, an eine Mietwohnung zu kommen. Von Eigentum sprechen viele schon gar nicht mehr. Wie kann der Genossenschaftliche Wohnungsbau da helfen?

Stupka: Genossenschaften sind Selbsthilfeorganisationen. Das bedeutet: Bürger schließen sich zusammen, um ihr Kapital zu bündeln und gemeinsam Wohnraum zu schaffen. So trägt keiner die finanzielle Last alleine. Das ist gerade in der heutigen Zeit wieder sehr gefragt.

Wie funktioniert das genau?

Für die Gründung einer Genossenschaft braucht es mindestens drei Personen und dann natürlich ein Grundstück, auf dem gebaut werden kann. In diesem Fall würde die Gemeinde Haar das Grundstück zur Verfügung stellen. Die Genossenschaft baut dort und stellt jedem Mitglied eine Wohnung zur Verfügung. Dieser hat dann lebenslanges Wohnrecht. Die wohnungsbezogenen Genossenschaftsanteile werden bei einem Auszug natürlich wieder ausgezahlt.

So ähnlich wie bei einer Aktiengesellschaft.

Auch ein Genossenschaft benötigt Eigenkapital. Das sammelt sie bei ihren Mitglieder ein. Ein Unterschied zur Aktiengesellschaft ist aber, dass die Genossenschaftsanteile nicht an der Börse gehandelt werden. Zudem haben alle Genossenschaftsmitglieder gleichermaßen eine Stimme, egal wie viele Anteile sie halten. Vor allem aber wirtschaften Genossenschften nicht gewinnorientiert. Die Mieten der Mitglieder sind dafür da, die Häuser wirtschaftlich zu betreiben. Zudem kann sie aber eine Dividende an Mitglieder ausschütten, die ihre Genossenschaft mit Eigenkapital unterstützen. Das nutzen einige für ihre Altersvorsorge.

Wie sähe das jetzt konkret für Haar aus?

Also, wenn Haar ein Grundstück für eine Genossenschaft ausschreibt, dann dürften sich darauf verschiedene Genossenschaften bewerben. Dies könnten bestehende Genossenschaften aus München sein. Es könnten aber auch Haarer Bürger selbst eine Genossenschaft gründen. Die Gemeinde hat dabei verschiedene Steuerungsmöglichkeiten. Sie kann von vornherein festschreiben, wie viel Prozent der künftigen Haushalte aus Haar kommen müssen. Zudem kann sie sich Belegrechte sichern für Menschen, die wichtig sind für eine intakte Gemeinde, also Pflegekräfte oder Erzieher.

Was ist denn der Vorteil gegenüber einer Gemeinde- oder Sozialwohnung?

Ich finde, dass das Genossenschaftliche Wohnen eine Ergänzung darstellt. In der Regel baut die Gemeinde Wohnungen für Menschen, die sich sonst nur schwer eine Wohnung leisten können. Mit den Genossenschaften erhalten Kommunen einen Partner, der den Bürgern hilft, gemeinsam und eigenverantwortlich und mit eigenem Kapital bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Dadurch werden die Kommunen entlastet. Zudem garantieren Genossenschaften dauerhaft günstige Mieten, in München liegt der Durchschnitt derzeit bei unter sieben Euro. Das ist weit unter dem, was auf dem freien Markt derzeit üblich ist.

Interview: Lydia Wünsch

Die Mitbauzentrale München zu genossenschaftlichem Wohnungsbau bietet auch Informationsabende zur Gründung von Genossenschaften an. Weitere Informationen gibt es unter www.mitbauzentrale-muenchen.de.

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