HALLO-Interview

Christine Strobl: „Der Bedarf ist gedeckt“

Münchens dritte Bürgermeisterin Christine Strobl kann aus Münchner Sicht keinen Bedarf nach einer neuen Realschule in Haar erkennen.
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Münchens dritte Bürgermeisterin Christine Strobl kann aus Münchner Sicht keinen Bedarf nach einer neuen Realschule in Haar erkennen.

Haarer Kinder allein könnten die künftige Realschule nicht füllen. Viele Gemeinderäte sehen die Landeshauptstadt deshalb in einer „moralischen Verpflichtung“, sich finanziell daran zu beteiligen. München profitiere von der Realschule ebenso wie vom Ernst-Mach-Gymnasium, von dessen 1168 Schülern knapp die Hälfte aus der Landeshauptstadt kommen. HALLO hat mit Münchens dritter Bürgermeisterin Christine Strobl über das Thema gesprochen.

HALLO: Frau Bürgermeisterin, gibt es überhaupt eine Chance, dass sich die Landeshauptstadt München an den Investitionen für eine Realschule Haar beteiligt? 

Christine Strobl: Die Realschulversorgung im Münchner Osten ist ziemlich gut, zudem bauen wir eine neue Realschule in der Messestadt. Der Bedarf der Landeshauptstadt ist damit gedeckt.

Sehen Sie die Landeshauptstadt nicht in der „moralischen Pflicht“, sich wegen der vielen Münchner Schüler, die ins Haarer Ernst-Mach-Gymnasium gehen, an einer Haarer Realschule finanziell zu beteiligen?

Es ist ganz normal, dass Schüler in die eine oder andere Richtung über die Stadtgrenze pendeln. Für die Münchner Gymnasiasten, die in Haar unterrichtet werden, zahlen wir Gastschulbeiträge an die Gemeinde. Das ist im Bayerischen Schulfinanzierungsgesetz klar geregelt. Insgesamt gehen in die Schulen der Landeshauptstadt aber wesentlich mehr Kinder aus den Landkreisen als umgekehrt.

Wie viele Schüler aus München werden am Ernst-Mach-Gymnasium unterrichtet und wie hoch ist der Gastschulbeitrag, den die Landeshauptstadt dafür entrichtet?

Im Schuljahr 2015 kamen 534 der insgesamt 1167 Schüler des Ernst-Mach-Gymnasiums aus München. Pro Jahr und Kopf zahlt die Landeshauptstadt 825 Euro Gastschulbeitrag an Haar, das sind also gut 440.000 Euro im Jahr.

Bringen die Münchner Gymnasiasten nicht auch dem Ernst-Mach-Gymnasium Vorteile, da es mit Haarer Schülern allein nicht ausgelastet wäre und das Angebot kürzen müsste?

Mit mehr Kindern kann die Angebotspalette ausgeweitet werden, ohne Münchner Schüler wäre das Ernst-Mach-Gymnasium wesentlich kleiner.

Münchens Stadtschulrat Rainer Schweppe hat bei einer Gesprächsrunde im Jahr 2014 der Gemeinde Haar 150 Münchner Schüler für eine künftige Realschule zugesagt. Wie kann die Stadt das garantieren?

Es gibt in dieser Sache kein offizielles Schreiben, sondern nur Schreiben auf Arbeitsebene. Im Jahr 2014 konnte man mit 100 bis 150 Münchner Realschüler für Haar rechnen, die Zahlen werden sich aber mit Eröffnung der Messestadtschule verringern.

Wird München das Grundstück in Gronsdorf, das derzeit für einen Campus Realschule/FOS/BOS diskutiert wird und der Landeshauptstadt gehört, der Gemeinde Haar zur Verfügung stellen?

Oberbürgermeister Dieter Reiter hat an Landrat Christoph Göbel geschrieben und grundsätzlich die Bereitschaft der Landeshauptstadt München erklärt. Auf dem städtischen Areal ist in erster Linie Wohnungsbau vorgesehen, aber auch ein Schulbau wäre vorstellbar. Konkrete Verhandlungen dazu gab es noch nicht, das läuft alles über den OB.

Interview: gm

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