Knapp zehn Stunden gegen Schläge und Einsamkeit

Haarer Triathlet Kilian Limmer beim Ironman Hawaii

Vor 40 Jahren fand zum ersten Mal ein Ironman auf Hawaii statt. Damals nur mit einer Handvoll Teilnehmern. Das Jahr 1978 gilt heute als das Geburtsjahr dieses Hochleistungssports und die Weltmeisterschaft auf Hawaii als Mekka aller Triathleten. Für den 24-jährigen Kilian Limmer ging der Traum von Hawaii nun in Erfüllung. Viel Zeit zur Vorbereitung hatte der Haarer jedoch nicht. Drei Monate blieben ihm, um sich von dem vorangegangenen Ironman in Klagenfurt zu erholen und sich auf das große Rennen vorzubereiten.

Auf Hawaii angekommen, zeigte sich der Haarer von der Atmosphäre überwältigt: „Wochenlang gibt es Veranstaltungen und alle paar Meter steht ein Weltmeister.“ In der ganzen Stadt scheint es nur um das Eine zu gehen: Die Ironman WM. „Von Tag zu Tag war immer mehr los, dann vor dem Renntag immer weniger. Da merkt man die Anspannung“, so der Triathlet. Der Ort würde regelrecht von den Athleten belagert. „Es war ein seltsames Gefühl“, sagt er: „Man kennt es seit Jahren aus dem Fernsehen und dann ist man plötzlich selbst da und alles kommt einem so winzig vor.“

Angesichts seiner Leistung zeigt sich Limmer zufrieden. Auf der 3,8 Kilometer langen Schwimmstrecke schaffte er eine Zeit von einer Stunde und acht Minuten, die 180 Kilometer Radfahren fuhr er in fünf Stunden und den abschließenden Marathon bewältigte er in 3:33 Stunden. Mit einer Gesamtzeit von neun Stunden und 48 Minuten belegte Limmer den 15. Platz in der 42 Teilnehmer starken Altersgruppe 18 bis 24.

„Beim Wechsel vom Fahrrad auf die Laufstrecke habe ich einen Schuh verloren. Das hat mich einige Sekunden gekostet“, sagt er. Bei der Schwimmwende bekam er außerdem einen unbeabsichtigten Schlag ins Gesicht. Kleinigkeiten für die Ironmänner. „Mein Plan war es, in der ersten Stunde des Laufens leicht einzusteigen und dann ab der Hälfte Gas zu geben. Das hat auch funktioniert“, so der 24-Jährige. Man müsse sich die Kräfte gut einteilen, sonst würde das Laufrennen sehr schnell zu einem „Wandertag“, scherzt er. Nichtsdestotrotz lief der Marathon ziemlich zäh. „Man merkt die Hitze und die Höhenmeter“, sagt Limmer, der sich zur Kühlung immer wieder Eiswürfel in die Kappe legte. Zusätzlich zu den schmerzenden Beinen wird es außerhalb der Ortschaft auf der Laufstrecke ziemlich einsam. „Man läuft kilometerlang auf dem Highway durch die Lavawüste. Keine Fans, die dich anfeuern. Hier ist die mentale Belastung am höchsten“, beschreibt Limmer die Strapazen. Auch unter den Athleten finde keine Kommunikation statt, „es sei denn jemand fährt verbotenerweise im Windschatten des Vordermanns, da kann man sich einen bösen Kommentar nicht verkneifen“. Sein bester Moment während des Rennens: „Bei Kilometer 40 vom Highway in die Stadt laufen. Man weiß, es sind nur noch zwei Kilometer bergab ins Ziel zu den Fans – und dann hat man es geschafft!“

Für die Zukunft hat der Triathlet noch große Pläne. Zwar will er 2019 keinen Ironman laufen und sich stattdessen auf die olympische und mittlere Distanz konzentrieren. Aber das Thema Hawaii hat sich für Limmer noch lange nicht erledigt. „Ich kenne jetzt die Strecke und kann beim nächsten Rennen mehr auf Risiko gehen.“ Beim nächsten Mal will er unter die Top 5. „Da kommt man dann auch aufs Treppchen“, lacht er.

Michael Theil

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