Seit vier Jahren in Haar – und schon Bürgermeister-Kandidat?

Haarer CSU stellt sich vor dem Wahljahr 2020 neu auf

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Im Karneval machte Andreas Bukowski (l., mit Andrea Weber und Alois Rath) als Geisterjäger das Rathaus (un)sicher. Will er bald als Bürgermeister zurückkommen?

Andreas Bukowski ist der neue Chef des Haarer Ortsverbandes der CSU, Vorsitzender des wiederbelebten Gewerbeverbands Haar-Trudering ist er auch. Wird er zum Herausforderer im Bürgermeister-Rennen?

Mit einem neuen und verjüngten Personal stellt sich die Haarer CSU für den anstehenden Kommunalwahlkampf auf. Auch wenn noch immer nicht klar ist, wen die Partei als Gegenkandidaten zu Gabriele Müller bei der Bürgermeisterwahl 2020 aufstellen wird. Eines steht nach der Hauptversammlung der Haarer Christsozialen aber fest: Thomas Reichel, CSU-Kandidat bei der Wahl 2014 (s. Kasten) will nicht noch einmal antreten. „Dieser Entschluss ist mir nicht leicht gefallen. Das Amt des ersten Haarer Bürgermeisters würde mich weiter sehr reizen und ich würde es morgen früh annehmen, wenn ich danach gefragt werde“, sagte Reichel: „Allerdings gehört zum politischen Wollen bekanntlich auch der Wahlkampf, von dem keiner genau weiß, wie er letztlich ausgeht. Die Familie hat derzeit Vorrang. Meine Kinder sind nur einmal klein, den Posten eines Bürgermeisters oder andere politische Funktionen gibt es dagegen auch in einigen Jahren noch.“

Reichel geht es dabei nicht nur um die Zeit, die er lieber der Familie als der Politik widmet. Den Wahlkampf 2014 hat er noch gut in Erinnerung. Nicht alles, was sich die politischen Parteien damals zu sagen hatten, will er seinen Nachwuchs bewusst durchleben lassen.

Nachdem auch Dietrich Keymer nach zwölf Jahren nicht mehr für das Amt des Ersten Ortsvorstandes kandidierte, war der Weg für den neuen starken Mann in der Haarer CSU frei: Andreas Bukowski. Der 40-Jährige war in den vergangenen zwei Jahren bereits stellvertretender Ortsvorsitzer und ist somit mit der Haarer Kommunalpolitik vertraut. Als Vorsitzender im reaktivierten Gewerbeverband Haar-Trudering sitzt er an einer weiteren Schaltstelle. Und das, obwohl der gebürtige Münchner erst seit 2015 in Haar lebt.

Bukowksi arbeitet als Deutschland-Geschäftsführer einer Firma für Naturkosmetik. Und genau diese Stellung ist es auch, die ihn noch grübeln lässt, ob die Funktion des Oberbürgermeisters tatsächlich so erstrebenswert ist. „Das ist keine ehrenamtliche Tätigkeit, sondern eine hauptberufliche. Da geht es dann auch um so profane Dinge wie die Finanzen. Wenn man zum Beispiel nach sechs Jahren nicht wiedergewählt wird, sind die Jahre für die Rente verloren“, erklärt Bukowski. Und ob sich als Bürgermeister das gleiche Geld verdienen lässt wie als Geschäftsführer in der freien Wirtschaft, kann auch nur er selbst für sich beantworten.

Am 5. Juli will die CSU ihren Kandidaten für die Wahl gegen Amtsinhaberin Gabriele Müller wählen. Andreas Bukowski darf als Favorit angesehen werden. An Ideen, was in Haar alles besser laufen könnte, mangelt es ihm jedenfalls nicht. „Es gibt in der Gemeinde zu praktisch allem viele Konzepte. Aber wirklich bewegt wird dann oft nichts – wie bei den Zuständen in der Leibstraße. Manchmal geht es auch in die falsche Richtung – wie beim schmerzvollen Wegzug von MSD“, sagt Bukowski. Trotzdem nimmt er für sich in Anspruch, kein Lautsprecher zu sein. Seine Form der Auseinandersetzung ist der Dialog und nicht der Streit. „Im Gemeinderat gibt es gewisse Distanzierungen, gerade zwischen CSU und SPD. Da ist auch Giftigkeit drin. Mir geht es darum, gemeinsam etwas zu bewegen. Ich habe mich auch sehr darüber gefreut, dass SPD-Fraktionssprecher Alexander Zill im Gewerbeverband gleich sehr konstruktiv auf mich zugegangen ist.“

Marco Heinrich

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