Bürgerinitiative gegen Schule am Jagdfeld

Haarer sammeln Unterschriften gegen geplante „Mega-Grundschule“

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Gegen eine „Mega-Grundschule“ mit 800 Schülern am Jagdfeldring läuft eine Bürgerinitiative Sturm. Sie hat bereits 500 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt.

800 statt 400 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren sollen ab 2020 in die erweiterte Grundschule am Jagdfeldring gehen, wenn es nach Willen von Haarer Gemeinderat und Verwaltung geht. Eine Bürgerinitiative um Gabi Dotzel sammelt nun Unterschriften gegen das Mammut- projekt und fordert, eine Schule nach dem Motto „Kurze Beine, kurze Wege“ dort zu bauen, wo eine Grundschule fehlt.

„Wir fordern die Gemeinde Haar auf, die Planungen zu stoppen und einen alternativen Standort dort zu finden, wo die Schule auch gebraucht wird“, so die Bürgerinitiative. „Wir möchten nicht, dass unsere sechs- bis zehnjährigen Kinder in einem riesigen Komplex mit über 800 Schülern unterrichtet werden“. Eine zusätzliche Grundschule werde ausschließlich für Kinder aus Ortsteilen nördlich der Bahnline, nämlich Gronsdorf, Salmdorf, Ottendichl und Eglfing sowie für die rund 2000 künftigen Bewohner des Jugendstilparks benötigt. „Eine Schulbedarfsplanung aus dem Jahr 2016 stellt fest, dass durch den Jugendstilpark allein zwischen 2025 und 2033 etwa 128 und 213 Grundschüler anfallen werden. Zusammen mit Eglfing, Ottendichl, Salmdorf und Gronsdorf wären das 336 Kinder im Jahr 2025 und bis zu 430 im Jahr 2033“, so die Initiative. Im Einzugsbereich von Konrad- und Jagdfeldschule hingegen werde keine nennenswerte Veränderung prognostiziert. „Die Studie stellt auch fest, dass der Standort Jagdfeld für die dritte Grundschule nicht zukunftsweisend ist. Es solle dem Schülerzuwachs mit drei Grundschulen an den Standorten Jagdfeld, St. Konrad und Eglfing Rechnung getragen werden“, berichtet die Initiative. „Zur Realisierung des Standorts Eglfing würde sich das vom Bezirk Oberbayern angebotene Grundstück eignen“, wird weiter aus der Studie zitiert. Bürgermeisterin Gabriele Müller hat eine Gegendarstellung in der Jagdfeldschule aushängen lassen, worin sie den Verfassern der Unterschriftenaktion unwahre Behauptungen vorwirft. Das Rathaus habe mehrere Standorte geprüft, im März die Entscheidung fürs Jagdfeld getroffen und dies im Mai in einer öffentlichen Elternversammlung vorgestellt. Aktuell komme die Mehrzahl der Kinder aus der Ortsmitte, die künftige Schule stehe deshalb richtig. In der jetzigen Grundschule gebe es keine Mensa, die Sportstätten seien zu klein. Wegen des Hallenbades sei aber Schwimmunterricht möglich. „Das Grundstück gehört der Gemeinde. Wir können schnell bauen, die Eröffnung soll im Herbst 2020 sein“, so Müller weiter. Schulentwicklung sei ein Prozess, der sich schwer prognostizieren lasse. Wenn Haar weiter wachse, dann hauptsächlich nördlich der Bahnlinie. Folglich werde man in zehn bis 15 Jahren dort eine neue Schule brauchen und die freiwerdenden Kapazitäten am Jagdfeld könne das Gymnasium nutzen. Breche man die Planung jetzt ab, müsse man ab 2020 die beiden Schulen bis unters Dach füllen, die Klassen vergrößern, Nachmittagsbetreuung zurückfahren und schlimmstenfalls in Containern unterrichten.

Die Bürgerinitiative wehrt sich. „Frau Müller schreibt, dass mit unwahren Behauptungen für die Unterschriften geworben wird. Das ist nicht richtig. Alle Fakten der Begründung sind recherchiert und durch schriftliche Dokumente belegt“, heißt es in einem Schreiben an die Eltern, in dem zu den einzelnen Kritikpunkten der Bürgermeisterin Stellung genommen wird. Den Vorwurf aus dem Rathaus, man versteht den späten Protest nicht, lässt Gabi Dotzel nicht stehen: „Die Anwohner wurden Ende Juli davon unterrichtet, dass der Planungsentwurf im Rahmen der frühzeitigen Bürgerinformation vom 3. August bis 8. September. 2017 im Rathaus zur Einsichtnahme vorliegt“. Auch die CSU-Fraktion im Gemeinderat hatte im Vorfeld der Standortentscheidung für eine Schule nach dem Motto „Kurze Beine, kurze Wege“ in Eglfing plädiert, konnte sich aber nicht durchsetzen, da SPD, Grüne und FWG die Prognosezahlen der Schulbedarfsplanung anders interpretierten als die Christsozialen. 

Gabriele Mühlthaler

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