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Haarer Klimaschutzmanger: „Wir sollten weniger Angst, aber mehr Respekt vor unserem Klima haben“

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Klimamanager Lukas Röder findet, dass Politik und Bürger in Sachen Klimaerwärmung zusammenarbeiten sollten.

Lukas Röder will den Klimaschutz in die Köpfe der Haarer bringen. Als neuer Klimaschutzmanager im Rathaus ist es sein Ziel, den CO2-Verbrauch pro Kopf noch weiter zu senken. Wie er das fertig bringen will und was er von Begriffen wie „Klimanotstand“ hält, erzählt er im Gespräch mit HALLO.

HALLO: Herr Röder, Sie wollen jetzt also unser Klima managen?

Röder: Ja, die Klimaschutzthematik ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Das hat dazu geführt, dass Gemeinden Klimaschutzkonzepte erstellen lassen. Für die Umsetzung bin ich zuständig. Mir ist es wichtig, den Menschen zu vermitteln, dass Klimaschutz wichtig ist und dass es drängt. Wir können das nicht erst in fünf oder zehn Jahren machen. Wir müssen es jetzt tun.

Was hindert die Menschen daran, es jetzt zu tun?

Vielen fehlen einfach die nötigen Informationen, wie sie sich klimabewusst verhalten können. Es ist mein Job, ihnen das nahezubringen, dafür habe ich verschiedene Aktionen in Haar geplant. So ist zum Beispiel ein „Klimafrühstück“ am Ernst-Mach-Gymnasium in der Planung, und es findet eine „Thermographie-Begehung“ im Januar statt, bei der mithilfe einer Wärmebildkamera untersucht wird, wie gut bestimmte Häuser gedämmt sind.

Was ist ihr Plan für das Haarer Klima?

Für Haar wurde ein CO2-Verbrauch pro Kopf von 5,3 Tonnen im Jahr errechnet. Das ist im Vergleich zum Bundesdurchschnitt gut. Dieser ergibt eine Pro-Kopf-Emission von 8,6 Tonnen im Jahr. Mein Ziel ist es, den Durchschnitt für Haar weiter zu senken. Unter https://uba.co2-rechner.de/de_DE/ kann sich jeder übrigens seine persönliche CO2-Bilanz ausrechnen lassen.

Kann man es überhaupt vom einzelnen Bürger fordern, dass er den Klimawandel aufhält oder sollte nicht vielmehr die Politik für die richtigen Umstände sorgen?

Meiner Meinung nach muss das Hand in Hand gehen. Der öffentliche Nahverkehr muss zum Beispiel deutlich attraktiver werden, sonst hat keiner Lust, vom Auto auf die S-Bahn umzusteigen. Aber es gibt auch so viel, was der einzelne Bürger tun kann. Und das, ohne großartig an Lebensqualität einzubüßen. Selber Essen kochen statt Fertigprodukte in Plastik zu kaufen, öfter mal die S-Bahn oder das Fahrrad nehmen statt dem Auto, zum Flohmarkt gehen statt ständig neue Sachen zu kaufen.

Klimafrühstück, zum Flohmarkt gehen. Das klingt alles sehr nett. Auf der anderen Seite steht da eine Greta Thunberg, die sagt: „Unser Haus brennt“ und „Wie könnt ihr nur?“. Ist „nett“ der richtige Ansatz?

Ich finde den Ansatz von Greta Thunberg nicht schlecht. Es ist mit Sicherheit drastisch, wenn sie den Politikern vorwirft, dass diese ihre Kindheit kaputt machen würden, aber es soll vielleicht auch bewusst schocken, damit die Leute aufwachen. Wenn man den Menschen immer nur vermittelt, dass alles gut ist, dann passiert da auch nicht mehr viel. Man muss schon auch mal auf den Putz hauen und den Menschen die Meinung geigen.

Sind Sie ein Meinungsgeiger?

Nein, ich bin viel zu nett. (lacht) Aber das liegt einfach in meiner Natur. Ich diskutiere auch oft mit Freunden, die die Dinge ganz anders sehen, und versuche, sie mit Argumenten zu überzeugen. So zum Beispiel einen Freund, der sich in Zukunft einen SUV kaufen möchte.

Und was sagen Sie dann?

Ich habe ihn gefragt, warum es kein Kombi sein kann. In einen Kombi geht genauso viel rein wie in einen SUV. Er ist, was die Unfallwerte angeht, nicht viel schlechter. Davon abgesehen ist die Effizienz von einem SUV grottenschlecht. Er ist hoch und breit, verdrängt viel Luft und braucht einen unfassbar großen Motor und Unmengen an Sprit. Ich bin der Meinung, man müsste wirklich nachweisen, dass man so ein Auto braucht, bevor man es sich kaufen darf.

Sie sind für Verbote?

Zumindest sollte so ein Kauf an Bedingungen geknüpft werden. Wenn jemand zum Beispiel als Förster arbeitet, viel transportieren und steile Hänge hochfahren muss, ist es legitim, sich so ein Auto zuzulegen. Was anderes ist es, wenn man in der Münchner Vorstadt wohnt. Da ist es einfach nur ein Statussymbol.

Hat Ihr Freund sich denn von all den Argumenten überzeugen lassen.

Nein, bisher noch nicht (lacht).

Woran haperte es denn?

Man muss sich eben für das Thema öffnen und anfangen, sich damit zu beschäftigen.

Das tun ja gerade immer mehr Menschen. Siehe Fridays for Future.

Ja, und dennoch sind Statussymbole für die Menschen immer noch unglaublich wichtig. Es gibt Kinder, die müssen immer das neueste Handy haben, weil sie sonst in der Schule gemobbt werden. Das löst natürlich Druck aus, gewisse Dinge haben zu müssen, um gesellschaftlich anerkannt zu sein. Das läuft leider oftmals konträr zum klimabewussten Verhalten.

Wie hat sich das denn bei Ihnen entwickelt?

Ich habe meinen Bachelor in Geografie gemacht. Dabei hatte ich auch Klimatologie. Da wurde mir das erste Mal klar, dass sich die Menschheit gerade auf etwas zubewegt, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Wenn die Gletscher erst einmal geschmolzen sind, kommen sie auch nicht mehr wieder. Dadurch verändert sich das globale Klima. Der Meeresspiegel steigt, wir werden mehr Überschwemmungen haben, Stürme und Hitzewellen, daraus folgen Hungersnöte und Krankheiten, Flüchtlingsströme und Wasserknappheit. Das alles wird passieren, wenn sich nicht bald viel ändert.

Die Politik beschwichtigt da ja immer und versucht zu suggerieren, dass schon viel getan wird. Stimmt das?

Schwer zu sagen. Es ist schon mal gut, dass das Thema immer breiter diskutiert wird. Dadurch wird auch mehr gemacht.

Gerade stellen die Grünen ja in vielen Gemeinden einen Antrag, den Klimanotstand auszurufen, auch in Haar. Was halten Sie davon?

Ich finde das gut. Klimanotstand kling zwar drastisch, aber das ist der Klimawandel ja auch. Im Endeffekt heißt das nichts anderes, als dass das Thema Klima in alle Entscheidungen mit einbezogen werden muss. Was ist daran schlecht?

Politiker mögen den Begriff ja oft nicht, weil sie nicht wollen, dass den Menschen Angst gemacht wird.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Menschen dadurch Angst bekommen. Ich denke aber, dass so ein Wort sie wachrütteln würde. Dann würden sich noch mehr Menschen mit dem Thema auseinandersetzen – und das wäre ja ein gutes Resultat. Die Menschen sollen keine Angst bekommen, aber Respekt. Wenn man einen respektvollen Umgang mit dem Thema pflegt, dann wird einem von selbst ganz viel klar. Von dem her bin ich sehr gespannt, wie der Haarer Gemeinderat über den Klimanotstand entscheiden wird.

Wie viel bringt es, wenn Deutschland und Europa sich der Klimarettung verschreiben, aber gleichzeitig in Afrika und Indien die Emissionen immer höher werden?

Dazu muss man sagen, dass der menschengemachte Klimawandel hauptsächlich von den reichen Ländern verursacht wird. Europa hat definitiv einen größeren Anteil am Klimawandel als Afrika. Die armen Länder sind die Leidtragenden unseres hohen CO2-Ausstoßes.

Interview: Lydia Wünsch

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