Die Energiewende in einer kleinen Box

Haarer Klimabox für Kitas geht in die Erprobungsphase

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Haars Klimaschutzmanager ­Lukas Röder (l.) und Umweltreferent Andreas Nemetz mit der Klimabox.

Wie erklärt man kleinen Kindern den Klimawandel? Und vor allem: Müssen sie bereits darüber Bescheid wissen? Ja, das müssen sie, findet die Gemeinde Haar. Darum hat die Gemeinde nun eine Klimabox für Haarer Kitas erarbeitet.

Haar – Bildung beginnt bereits im Kindergarten. Darum sollten auch die ganz Kleinen an den Klimawandel herangeführt werden, findet die Gemeinde Haar. Wie man das macht? Am besten spielerisch. Angestoßen von Haars Klimaschutzmanager ­Lukas Röder haben Erzieher von verschiedenen Haarer Kitas zusammen mit Mitarbeiterinnen der Energieagentur Ebersberg-München in zwei Workshops ein pädagogisches Konzept aus verschiedenen kitagerechten Spielen entwickelt. Das Konzept besteht im Wesentlichen aus drei Bestandteilen und passt in eine grüne Box. Die drei Bestandteile heißen: Sensibilisierung, Wissen und Aktion.

Bei der Sensibilisierung geht es in erster Linie darum, dass Kinder ein Bewusstsein für den Klimaschutz entwickeln. Wie geht es eigentlich den Eisbären, und was haben die überhaupt mit mir zu tun? Mit Liedern und Puzzlespielen können sich Kinder diesem Thema annähern, ohne überfordert zu werden, glauben die Erzieher. Dann heißt es aber auch „Raus in die Natur gehen und sehen, was vor Ort passiert“. Die Begriffe Waldsterben und Borkenkäfer sind längst in aller Munde. Auch Kindern kann man zeigen, woran man einen vom Borkenkäfer befallenen Baum erkennt und das praxisnah am lebenden (beziehungsweise sterbenden) Objekt im Haarer Wald. „Im besten Fall geben Kinder dieses Wissen dann weiter und erzählen ihren Freunden beim Spielen, dass es diesem Baum jetzt nicht so gut geht“, sagt Erzieher Felix Sänn vom AWO Hort.

Damit es nicht zu deprimierend wird, sollte Kindern aber auch vermittelt werden, wie sie gegen den Klimawandel vorgehen können. Bürgermeisterin Gabriele Müller testete im Pressegespräch eines der Spiele, das sich die Erzieher für die Box ausgedacht haben. Dabei werden Eiswürfel in einen blauen Behälter gegeben. In die Mitte kommt ein Stein, der als Insel dient, darauf ein Haus sowie ein Meerschweinchen. Der Behälter wird unter eine Lampe gestellt und die Eiswürfel beginnen zu schmelzen. Die Kinder können so miterleben, wie ihre Insel samt Meerschweinchen im Wasser verschwindet. „Macht das den Kindern keine Angst?“, fragt Müller. Natürlich müsse mit dem Thema sensibel umgegangen werden, erklärt Felix Sänn. Wichtig sei, dass die Kinder die Möglichkeit haben, etwas zu tun. So liegt auch ein Holzbrett im Spiel bereit, das als Rettungsboot für das Meerschweinchen dient. Die Pädagogen haben sich in den Workshops intensiv Gedanken darüber gemacht, was für Kinder verkraftbar ist. Aber der Erzieher warnt auch davor, Kinder zu sehr in Watte zu packen. „Sie müssen über die Realität informiert sein“, glaubt Sänn.

Weitere Spiele in der Klimabox sind unter anderem Bilderpaare, die die Kinder zusammenbringen müssen. Etwa ein Flugzeug und Campingausflug, Karotten oder Schweinebraten, Fahrrad oder Auto. So werden sie dafür sensibilisiert, was klimabewusstes Verhalten bedeutet und haben im besten Fall auch noch Spaß dabei. „So lernen sie, persönliche Verantwortung zu übernehmen“, sagt die Pädagogin und Schulpsychologin Angelika Bachmann von der Energieagentur Ebersberg-München. Diese hat das Bildungsprojekt zusammen mit der Gemeinde Haar entwickelt. Vorbild war die Klimabildung an Schulen, für die die Energieagentur bereits seit einigen Jahren aktiv ist.

Ein Jahr lang können die zehn teilnehmenden Kitas in Haar die Box nun prüfen. Vorläufig gibt es nur eine Box, die von Kita zu Kita wechselt. Erweist sich der Probelauf als praktikabel, wird die Gemeinde im nächsten Jahr für jede Kita eine „Klima-Kita-Box“ anschaffen. 

Lydia Wünsch

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