Diskussion um Autobahnparallele zur A99

Haarer Grüne sind gegen Verlegung der B471

+
Um dem Stau auf der A99 zu entgehen, weichen viele Lkws auf die B471 aus. Diese soll nun als Autobahnparallele angelegt werden. Bürgermeisterkandidat Ulrich Leiner ist dagegen.

Zwei große Verkehrsinitiativen sollen laut Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) eine starke Verkehrsberuhigung für den Münchner Osten und die Gemeinde Haar bringen. Beide betreffen die Bundesstraße B471. Zum Einen soll dort der Lkw-Schleichverkehr durch ein Fahrverbot für Lkws gestoppt werden. Diese versuchen oft, die stauanfällige A99 zu umgehen, und landen dann unter anderem in den Haarer Wohngebieten. Zum Anderen soll die B471 gänzlich verlegt und als Autobahnparallele zur A99 umgewandelt werden. Dafür seien im Gemeinderat bereits einige Vorschläge durchgerechnet worden. Im Herbst will Müller dann konkrete Zahlen nennen. 

Ulrich Leiner, Bürgermeisterkandidat für die Grünen in Haar

Sicher sei aber jetzt schon, dass eine Verlegung der B471 eine massive Entlastung für die Orte Haar, Feldkirchen, Grasbrunn, Putzbrunn und Vaterstetten bringen würde. Mit ihren Bürgermeisterkollegen ist Müller sich darum auch schon einig. Weniger einig ist sie sich hingegen mit Kollegen aus dem eigenen Gemeinderat. Grüne-Rat und Bürgermeisterkandidat Ulrich Leiner hat in einem offenen Brief auf seiner Website erklärt, dass die Grünen zwar das Lkw-Fahrverbot voll unterstützen, nicht aber die Verlegung der B471. „Vielleicht könnten wir – statt Autoschnellwege – gemeinsam Radlschnellwege in Haar und Umgebung bauen“, heißt es dazu. Radschnellwege könnten nach Meinung von Leiner schneller realisiert werden und würden den motorisierten Verkehr für alle spürbar verringern, statt nur zu verlagern. Weiter verwies er auf einen durchgehenden Zehn-Minutentakt bei der S4/S6. Bei der Autobahnparallele hingegen würden die Grünen lieber abwarten, bis die Umgehungsstraße A99 auf acht Streifen ausgebaut ist, und wenn es dann gelänge, den Schleichverkehr aus den Wohngebieten herauszuhalten, müsse der Haarer Bannwald vielleicht doch nicht für eine weitere Straße gerodet werden.

Dieser Ansicht widersprach Müller. Natürlich verfolge die Gemeinde das Ziel, mittels Radwegen, Bussen und S-Bahnverbindungen den innerörtlichen Verkehr zu reduzieren. Dazu gehöre auch ein besserer S-Bahn-Takt, den Müller schon mehrfach gefordert hat. Mit diesen Maßnahmen würde allerdings nicht der Transitverkehr beeinflusst.

Dieser sei für viele Haarer ein schwerwiegendes Problem. „Gerade entlang der B471 wohnen Bürger nah an der Straße, die unter dem Lärm und Abgasen leiden“, schreibt Müller in ihrer Stellungnahme an HALLO. Von der Grasbrunner Straße bis Ottendichl sei das Queren der Fahrbahn oft ein Abenteuer, „die Abgase sind bis in die Vorgärten zu spüren“, so Müller.

Der Ausbau der A99 komme ihrer Meinung nach viel zu spät, und ein Fahrverbot für Lkws auf der B471 könne zwar Entlastung bringen, aber das reiche nicht. Aus diesem Grund arbeite das Bündnis der Nord-Ost-Gemeinden schon seit Jahren an der Verlegung der B471.

Die dann „alte“ B471 wäre Müller zufolge eine hervorragend ausgebaute, bereits vorhandene Trasse, die sofort für Radschnellwegverbindungen und Busspuren zur Verfügung stehen könnte. Es müsse nicht mehr aufwendig nach Grundstücken gesucht werden, die auch Flächen versiegeln würden, da die Straße bereits da wäre. Anwohner dürften dann selbstverständlich weiter die Straße befahren, wichtig sei nur, den Schleichverkehr aus dem Ort zu befördern.

Deswegen soll auch zwischen Ottendichl und Feldkirchen die „alte“ B471 deutlich eingeengt werden. Insgesamt sollte die B471 zwingend ihren Status als Bundesstraße und Ausweichroute verlieren. Schon deshalb brauche es Müller zufolge eine neue Straße.

Die neuesten Ergebnisse der Haarer Mobilitätsstudie wurden am 1. September in einer Sondersitzung des Gemeinderats veröffentlicht.

lw

Kommentar

Mehr als das dritte Rad am Fahrrad? - Die Kandidatur von Ulrich Leiner bei der Bürgermeisterwahl 2020

Es ist bezeichnend, dass sich vor allem die CSU freute, als Ulrich Leiner seine Kandidatur für die Haarer Bürgermeisterwahl im Frühjahr ankündigte. Die Christsozialen glauben, dass er Bürgermeisterin Gabriele Müller so viele Stimmen kostet, dass der eigene Kandidat Andreas Bukowski ins Amt gespült wird. Wahrscheinlich ist aber ein anderes Szenario. Wenn Leiner die Wahl überhaupt beeinflusst, dann steigt durch ihn die Chance auf eine Stichwahl zwischen Müller und Bukowski. Selbst eingreifen wird er in dieses Duell wohl kaum. Die Grünen spielen im Gemeinderat eine wichtige Rolle, aber Sprachrohr und zentraler Akteur der Partei ist Mike Seckinger. Ulrich Leiner hat noch viel Zeit, um sein Profil in der Gemeinde zu schärfen. Allerdings wirkt er nicht wie jemand, der das Rampenlicht sucht. Und er hat zwei Kontrahenten, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen – und können. Das Rennen ist nur auf dem Papier ein Dreikampf. 

Marco Heinrich

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare