Antrag der Grünen auf Verkehrsspiegel für toten Winkel

Haar: Umwege für die Lebensretterin Trixi

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Ein kleiner runder Spiegel, befestigt an Ampeln, soll das Sichtfeld von Lkw-Fahrern erweitern und damit Leben retten.

Die Installation eines Trixi-­Spiegels in Haar gestaltet sich komplizierter als erwartet. Das Landratsamt sieht sich nicht zuständig, das Staatliche Bauamt steht dem Spiegel ablehnend gegenüber. Doch die Gemeinde gibt noch nicht auf.

Es sollte ein einfaches Verfahren werden, genauso einfach wie die Installation eines kleinen Spiegels, doch es kam anders. Das Landratsamt erklärte, dass es für die Entscheidung, einen sogenannten Trixi-Spiegel an bestimmten Haarer Kreuzungen zu installieren, nicht zuständig sei. Da der Trixi-Spiegel keine Verkehrseinrichtung sei, läge die Entscheidung beim Staatlichen Bauamt Freising, doch dieses steht der Installation skeptisch gegenüber.

Der Trixi-Spiegel ist ein Verkehrsspiegel, um den Toten Winkel beim Lkw oder Bus zu überwinden. Da die meisten dieser Fahrzeuge noch immer kein Abbiege-Assistenzsystem besitzen, wäre so ein Spiegel nach Meinung der Grünen eine sinnvolle Alternative. Nicht so, wenn es nach Meinung des Staatlichen Bauamts geht. Sein Grund für die Ablehnung ist unter anderem, dass der Spiegel bei Verschmutzung oder Vereisung keine Wirkung mehr habe. Zudem könne er nur ortsgebunden eingesetzt werden, sodass kein genereller Vorteil für alle Verkehrsteilnehmer gewährleistet wäre. Das Staatliche Bauamt beruft sich dabei auf die Einschätzung des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren. Mike Sekinger (Grüne) kann die Begründung nicht nachvollziehen. „Alles, was angeführt wird, ist in jedem Fall schlimmer als ohne Spiegel“, glaubt er.

Und so einfach will sich die Gemeinde Haar auch nicht abspeisen lassen. Sie möchte nun versuchen, in ein Pilotprojekt der Landeshauptstadt München aufgenommen zu werden. Im Rahmen eines Verkehrssicherheitskonzepts werden derzeit 100 Trixi-Spiegel an Knotenpunkten mit einschlägigen Unfallgeschehen (Abbiegeunfälle) aufgestellt. Dabei soll getestet werden, ob der Spiegel wirkt. Haar sieht diesen Pilotversuch an der Kreuzung zweier Gemeindestraßen, der Annelies-Kupper-Allee und der Leibstraße. Darüber hinaus wird Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) in einem Brief an das Landratsamt da­rum bitten, diesen Pilotversuch auch auf den Landkreis München auszudehnen. Bis es darauf eine Antwort gibt, wird der Antrag der Grünen zurückgestellt. Dies wurde einstimmig im Gemeinderat beschossen. Dennoch bleibt Sekingers Empörung: „Ich hätte nie für möglich gehalten, dass der Antrag so eine Arbeit verursacht. Dass die Landespolitik sich einer einfachen Lösung verschließt, ist einfach absurd“, sagt er.

Der Trixi-Spiegel wird an einer Ampel oder einem Vorfahrtschild befestigt. Benannt ist er nach der Tochter des Erfinders. Diese wurde an einer Ampelkreuzung auf ihrem Fahrrad von einem rechts abbiegenden Lkw überrollt. Nur mit großem Glück hat sie diesen Unfall, wenn auch schwer verletzt, überlebt. Der Lkw-Fahrer hatte das Kind weder durch seinen Fahrzeugspiegel noch durch die Fahrzeugfenster gesehen, da es sich im toten Winkel befand.

Die Haarer Grünen schlugen vor, so einen Trixi-Spiegel unter anderem an der Blumenstraße, am Jagdfeldring, an der Leibstraße oder in Ottendichl an der Kreuzung zu Salmdorf zu installieren. Die Installierung ist vergleichsweise einfach und relativ kostengünstig. Die Kosten für einen Polycarbonatspiegel mit 45 Zentimeter Durchmesser liegen bei 75 Euro. Wenn man die Arbeitsleistung für Anbringung und Kontrolle dazurechnet, wären an einer Kreuzung insgesamt 300 Euro anzusetzen. 

Lydia Wünsch

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