Jürgen Adams aus Haar ist Autor für Kinderspiele

Von der ersten Idee bis zum fertigen Spiel

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„Go Gecko Go“, erschienen im Zoch-Verlag, hat Jürgen Adams (Vieter von links) aus Haar erfunden. Sein Spiel gehört zu den drei für das Kinderspiel des Jahres 2019 nominierten Spielen.

Woche für Woche testet der Aschheimer Spieleexperte Chris Mewes für HALLO- Leser Neuerscheinungen auf dem Spielmarkt. Dazu gehört „Go Gecko Go“, das heuer für das Kinderspiel des Jahres nominiert wurde. Jürgen Adams hat das Spiel entwickelt. Der 72-Jährige wohnt in Haar, ist Vater von vier Kindern und war vor seiner Pensionierung Lehrer für Sport und Chemie an einem Gymnasium in München.

Die Inspiration kam Jürgen Adams im Urlaub in Italien. Am Campingplatz beobachtete er Wasserschildkröten an einer Teichanlage. „Am frühen Morgen, als sich die Sonne zeigte, kamen die Schildkröten aus dem Wasser raus, reckten ihre Köpfe und sonnten sich“, erzählt Adams. Wie er die Tierchen so im Blick hatte, fiel ihm auf, dass sie unterschiedlich groß sind. Und er beobachtete, dass größere Tiere die kleineren quasi huckepack mitnehmen können, aber umgekehrt eben nicht. Bei dem Kinderspiel „Go Gecko Go“ sausen quer durch den Dschungel Schildkröte, Krokodil, Frosch und Gecko. Die größeren Tiere nehmen die kleineren mit. Der Gecko packt das leider nicht, sonst wäre er schnell platt. An zwei Stellen jedoch muss das tierische Team aufpassen, da hängen Äste so tief, dass der Mitreisende schnell vom Buckel des anderen herunterfallen kann. Vorsicht also beim Hochstapeln! Die Geschichte des Kinderspieles „Go Gecko Go“ erinnert an die Beobachtung, die der Haarer auf dem Campingplatz in Italien gemacht hat. Das ist kein Zufall. Jürgen Adams, 72 Jahre, früher Gymnasiallehrer für Sport und Chemie, ist der Autor dieses Spieles, das Kinder ab sechs Jahren spielen können. Eindrücke und Beobachtungen, die Adams im Alltag macht, fließen später in ein Spiel ein. „Die ersten Ideen für ,Ab durch die Mauer‘, ein Geisterspiel mit Magnetismus, hatte ich zum Beispiel auf der Autobahn, als ich von Nürnberg nach Hause fuhr“, erzählt der Vater von vier erwachsenen Kindern. Gänseblumen in seinem Garten, die er auf Bitte seiner Frau hin nicht mähen durfte, fanden Einzug in ein anderes Spiel. „Die Gänseblümchen sahen so schön aus, da hab ich mich auf den Bauch gelegt, Fotos gemacht und mir überlegt, was sich daraus machen ließe“, erzählt Adams. Mit dem Thema „Wildblumen und Bienen“ hat er nun ein hochaktuelles Thema für ein Legespiel gefunden. „Meine Tochter, die künstlerisch sehr begabt ist, hat mir Zeichnungen angefertigt, die Sache nahm so schnell Gestalt an.“

Kindergartenkinder als erste Spieletester

Bevor sich der Haarer Spieleautor mit einem neuen Entwurf an einen Verlag wendet, muss er indes sichergehen, dass ein Spiel auch funktioniert. „Ich gehe zum Beispiel in einen Kindergarten und hole mir bei den Kindern, die das Spiel ausprobieren dürfen, erste ehrliche Rückmeldungen“, sagt Adams. „Und da erkundige ich mich immer auch nach dem Namen und dem Alter eines Kindes. Ein Bub antwortete da mal, er sei ,halb vier‘ Jahre alt. Diese Aussage brachte mich noch am selben Tag auf eine Idee für ein weiteres Spiel.“ Mal sind es Beobachtungen in der Natur, in anderen Fällen Dinge, die ihm zugetragen werden. Und wenn er zum Beispiel einen TV-Bericht über den Ochsenfrosch aus Südamerika verfolgt, der plötzlich an einem Baggersee bei Karlsruhe auftauchte und dort andere Tiere bedrohte, hat der Spieleautor aus Haar, wie er so vor dem Fernseher sitzt, natürlich gleich ein paar Hintergedanken. „Bei einem Verlag stelle ich dann den sogenannten Prototypen eines Spiels vor“, erklärt Adams. „Dieser muss nicht perfekt sein, aber das Spiel sollte auf alle Fälle funktionieren.“ Und die Spielregeln müssen vorab auch noch formuliert werden. So steckt ein Spieleautor stets in einem Dilemma. Einerseits will er sich genügend Zeit nehmen, ein Spiel in Ruhe zu testen und zu entwickeln. Andererseits darf nicht zu viel Zeit vergehen, denn es kann ihm auch passieren, dass ein anderer Autor zur gleichen Zeit an einem ähnlichen Thema feilt. „Bei ‚Go Gecko Go‘ war das zum Beispiel so“, erklärt der 72-Jährige. In seiner ersten Version waren die Akteure nach seinen Beobachtungen auf dem Campingplatz Wasserschildkröten. Doch als seine Idee immer mehr Gestalt annahm, hörten der Verlag und er von einem anderen Schildkröten-Spiel. Und so sausen nun außer einer Schildkröte in Adams Spiel lieber das Krokodil, der Frosch und der namensgebende Gecko durch den Dschungel. Zudem funktioniert eine Idee für ein Spiel nicht ohne den passenden Mechanismus. „Andersherum gilt das genauso: Ein noch so überzeugender Spiel-Mechanismus braucht eine gute Geschichte“, weiß Adams. „Ich habe in all den Jahren rund 30 Prototypen für Spiele entwickelt, drei davon sind in einem Verlag erschienen. Daran sieht man, wie schwierig das ist.“ Daher ist die Freude auch um so größer, wenn ein Spiel nicht nur einen Verlag findet und von vielen Kindern gespielt werden kann, sondern wenn es auch noch für einen Preis nominiert wird. „Go Gecko Go“ gehört zu den drei Spielen, die heuer auf der Nominierungsliste für das Kinderspiel des Jahres standen. „Und nun habe ich vom Zoch-Verlag erfahren, bei dem auch mein Spiel ,Ab durch die Mauer‘ erschienen ist, dass dieses für einen neuen Preis, den Innovationspreis ,innoSPIEL‘, nominiert wurde“, berichtet Adams stolz. „Das allein ist schon ein ziemlich großer Erfolg. Ich bin jetzt im Oktober nach Essen zur Messe Spiel ‘19 eingeladen. Das ist ein großes Ereignis, wenn man all die anderen Autoren, Vertreter von Verlagen, Redakteure, Journalisten und auch Blogger trifft.“ So mag Adams als Lehrer im Ruhestand sein, als Spieleautor nicht. Trubel ist der 72-Jährige aber gewohnt. Während seiner Zeit als Lehrer war er im „Zirkusfieber“. So heißt das Spiel, das er entwickelt hat, nachdem er als Sportlehrer am Münchner Asam-Gymnasium über viele Jahre hinweg einen Schulzirkus leitete, den er gegründet und mit dem er etliche Auftritte hatte. Noch heute toben sich die Jugendlichen an der Schule mit Einradfahren, Akrobatik oder Jonglage aus. Und mit seinem Brettspiel versetzt er Spieler ab sieben Jahren ins Zirkusfieber. „Im Eigenverlag habe ich bis heute 2100 meiner Zirkusspiele verkauft“, erzählt Adams.
Verena Rudolf

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