Abschied vom Amt

Letzter Gemeinderat in Haar mit Bürgermeisterin Gabriele Müller: „Eine große Geste mit klarer Haltung“

Die scheidende Haarer Bürgermeisterin Gabriele Müller hört ihrer Abschiedsrede zu.
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Die scheidende Haarer Bürgermeisterin Gabriele Müller hört ihrer Abschiedsrede zu.

Haar – Souverän, wie immer, gekleidet im grauen Kostüm und mit einem Lachen im Gesicht. So kennt man die Haarer Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD). Und so scheidet sie aus dem Amt. Ihrem Stil, selbstbewusst und fröhlich, blieb sie auch in ihrem letzten Monat als Bürgermeisterin treu. „Ich gehe erhobenen Hauptes hier heraus“, sagte sie am Ende ihrer letzten Gemeinderatssitzung. Diese fand aufgrund der Abstandsregeln im Bürgersaal statt, was ihr einen noch feierlicheren Anstrich verlieh. Eröffnet wurde mit einem Gong. Die Zuschauer saßen oben auf der Tribüne und Müller stand unten noch einmal im Mittelpunkt der Gemeinde, dort hatte sie sich immer wohl gefühlt.

Der Bericht der Bürgermeisterin fiel entsprechend lang aus. Noch einmal kostete Müller ihr Amt aus und führte aus, was sie in der Corona-Krise geleistet hat. Unter anderem hat Haar als eine der erste Gemeinden im Landkreis eine Corona-Teststation bekommen, das Rathaus fungiert dabei als Außenstelle des Gesundheitsamtes und bereitet die Test­röhrchen dafür vor.

Aber ihr besonnenes und tatkräftiges Handeln in der Corona-Krise ist bei weitem nicht das Einzige, was von Müller bleiben wird. Das machte die Zweite Bürgermeisterin Katharina Dworzak (SPD) in ihrer Rede über Müller deutlich. „Mir, als deiner Vertreterin, wird nun die schwierige Ehre zuteil, zu dir ein paar Worte zu sagen. Schwierig deshalb, weil ich gehofft hatte, diese frühestens in sechs Jahren finden zu müssen“, sagte sie. Damit drückte sie noch einmal ihr Bedauern über Müllers überraschende Abwahl aus. Mit Müller verliere die Gemeinde viel Erfahrung aus dem Gremium, Ortskenntnis und eine große Leidenschaft für die Gemeinde. Seit 1991 lebt Müller in Haar, seit 2000 ist sie Mitglied des Gemeinderats. Ihre Entscheidung, ihr Mandat nach 20 Jahren nicht wieder wahrzunehmen, bezeichnete Dworzak als „große Geste mit klarer Haltung“. Müller akzeptiere den Wählerwillen und mache Platz für den offenbar gewünschten Neuanfang. „Deine Begeisterung für das Amt allerdings wird sicher niemand in Zweifel ziehen“, sagte ­Dworzak weiter. Auch wenn Müller es von Anfang an nicht leicht gehabt habe. Zu Beginn ihrer Amtszeit 2014 kam das Novum des ersten Bürgerbegehrens auf. Dort ging es um die Höhenbegrenzung der Haarer Gebäude auf 19 Meter. 

Diese Stimmung habe auch die nächsten Jahre geprägt und Müllers Arbeit wohl teilweise überschattet, vermutete Dwor­zak. Umso wichtiger war es der Zweiten Bürgermeisterin, noch einmal auf Müllers gute Arbeit hinzuweisen. Mit großer Sensibilität habe sie etwa das Thema Euthanasie in Haar aufgegriffen und sich mit der NS-Vergangenheit der Gemeinde auseinandergesetzt. Dies führte unter anderem zu der Straßenumbenennung der Von-Braunmühl-Straße in die Max-Isserlin-Straße — nun benannt nach einem Pionier der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dessen Enkel sagte bei der Einweihung die Worte: „Es ist mehr, das uns verbindet, als das, was uns trennt“. Dies, so Dworzak, gelte auch für den Haarer Gemeinderat. In diesem sei man sich auch oft einig gewesen. Allerdings hätten die Streitthemen mehr Potential für die Außenwirkung gehabt. Auf diesen Satz hin nickte Müllers größter Kontrahent im Gemeinderat deutlich, der CSU-Fraktionsvorsitzende Dietrich Keymer. Am Ende der Sitzung bekam die scheidende Bürgermeisterin Standing-Ovations vom gesamten Rat.

Mit Müller scheiden zudem sechs Gemeinderäte aus dem Gremium aus. Peter Ziegler (SPD), Werner Kozlik (Grüne), Horst Wiedemann (SPD), Werner Pfanzelt (CSU), Alfons Meindl (SPD) und Wolfgang Hillner (SPD) werden im neuen Gremium nicht mehr vertreten sein. Dieses wird bei der konstituierenden Sitzung am 12. Mai zusammen mit dem neuen Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) vereidigt. Wegen der geltenden Abstandsregeln wird dies ebenfalls im Bürgersaal durchgeführt. Der Platz für Besucher ist auf 30 Personen beschränkt. 

Lydia Wünsch

Mehr über Haar und den Münchner Osten gibt es in der Übersicht.

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