Haar gründet kommunales Wohnbauunternehmen

Alles aus einer Hand

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Bürgermeisterin Gabriele Müller (links) und ihre Stellvertreterin Katharina Dworzak haben unterschiedliche Meinungen zum Thema Kommunalunternehmen Wohnungsbau.

KWH – Kommunalunternehmen Wohnungsbau Haar heißt die neue Gesellschaft, welche der Gemeinderat jetzt gegründet hat. In kommunaler Regie sollen künftig bezahlbare Wohnungen errichtet werden – anstatt wie bisher mit Partnern aus der Bauwirtschaft.

Bürgermeisterin Gabriele Müller ist zurfrieden: Endlich hat Haar sein ein eigenes Wohnbauunternehmen – die KWH Wohnungsbau Haar. Zweck des Kommunalunternehmens: Planung, Errichtung, Modernisierung, Verwaltung und langfristige Vermietung gemeindeeigener Bauten, insbesondere die Schaffung günstiger Wohnungen und Wohnraum für einkommensschwache Haushalte, anerkannte Flüchtlinge und barrierefreie Wohnungen auf Haarer Flur.

Die ersten Aufgaben des jungen Unternehmens stehen auch schon fest. 32 Wohnungen sollen an der Katharina-Eberhard-Straße gebaut werden, außerdem steht die Errichtung eines Mietshauses mit Kita an der Gronsdorfer Herzogstandstraße an. Des weiteren soll die KWH einen Gemeindebau am Waldfriedhof sanieren. Das Investitionsvolumen liegt bei knapp 14 Millionen Euro.

Die Geschicke des jungen Unternehmens, das mit einem Stammkapital von einer Million Euro startet, werden durch den Vorstand geleitet. Kämmerer Günter Rudolf steht für die finanzielle Seite bereit, Bautechnik-Leiter Reimar Pfalz für die baulichen Belange. Die Personalkosten der beiden Vorstände werden dem KWH ebenso verrechnet wie die Vergütungen für die sechs Verwaltungsratsmitglieder und Verwaltungsrats-Vorsitzende Gabriele Müller, welche die Geschäftsführung des Vorstands überwachen.

Erstmals hat der Verwaltungsrat im Dezember getagt. Im Gremium ist die SPD vertreten durch die Gemeinderäte Alfons Meindl und Alexander Zill, die CSU entsandte Dietrich Keymer und den wegen seines Bau-Sachverstands geschätzten ehemaligen dritten Bürgermeister Hans Stießberger. Für die Grünen mischt Mike Seckinger mit und Antonius van Lier vertritt die Freie Wählergemeinschaft. Den Vorsitz des Gremiums übernahm Bürgermeisterin Gabriele Müller. Im Gemeinderat herrschte große Einigkeit bei der Abstimmung über die Gründung des KWH. Nur Traudl Vater und die zweite Bürgermeisterin Katharina Dworzak (beide SPD) stimmten dagegen.

Dworzak sieht mehrere Risiken durch das neue Unternehmen: „Es wird eine parallele Struktur in der Verwaltung geschaffen, die zu Abgrenzung, mehr Bürokratie und mehr Kosten führt. Durch einen eigenen Geschäftsführer und den Verwaltungsrat wird der Gemeinderat mittelfristig an Einfluss verlieren, obwohl der soziale Wohnungsbau eine wichtige kommunalpolitische Kompetenz ist. Zudem wird eine große Erwartungshaltung erzeugt, die nur schwer erfüllbar ist, nachdem die Möglichkeiten der Gemeinde, Wohnungen auf eigenem Grund zu bauen, nicht mehr werde“, so Dworzak. Vorteile zum bisherigen Vorgehen sieht sie nicht. Schon in der Vergangenheit sei die Gemeinde als Bauherr aufgetreten und habe Investoren verpflichtet, eine gewisse Anzahl günstiger Wohnungen zur Verfügung zu stellen. „Dies hat den Vorteil einer sozialen Durchmischung statt Blockbildung, was mir als Geografin sehr wichtig ist“, stellte Katharina Dworzak klar.

CSU-Fraktionschef Dietrich Keymer hielt die schnelle Gründung zwar grundsätzlich für richtig, mahnte jedoch ein Wirtschaftlichkeits-Monitoring an und verlangte, die Bestandswohnungen der Gemeinde möglichst schnell in die KWH einzugliedern. Das ist laut Satzung auch vorgesehen, wird wegen fehlenden Personals jedoch erst mittelfristig umsetzbar sein. Gabriele Mühlthaler

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