Interview mit Gabriele Müller (SPD) und Andreas Bukowski (CSU) zur Bürgermeister-Stichwahl

Haar: Fast ohne Wahlkampf in die Zukunft 

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Gabriele Müller und Andreas Bukowski.

Bis Sonntag stimmen die Haarer Bürger per Briefwahl darüber ab, wer in den kommenden sechs Jahren an der Spitze des ­Haarer Rathauses stehen soll. HALLO hat vorab mit den Kandidaten gesprochen.

HALLO: Eine simple Frage, die derzeit eine ganz neue Bedeutung bekommt: Wie geht es Ihnen?

Müller: Danke, mir geht es gut. Auch wenn meine Augenringe mittlerweile bis zum Boden reichen. Wir arbeiten im Rathaus seit drei Wochen fast durch.

Bukowski: Mir geht es gut, den Umständen entsprechend. Wir sind alle eingeschränkt. Und ich bin schon in ein kleines Loch gefallen, weil ich auf zwei weitere Wochen Haustür-Wahlkampf eingestellt war. Das geht jetzt natürlich nicht.

Mit ein paar Tagen Abstand: Wie bewerten Sie das Ergebnis des ersten Wahldurchgangs, als ganze 20 Stimmen Sie beide trennten?

Bukowski: Das freut mich nach wie vor. Ein unglaubliches Ergebnis im roten Haar. Es hat uns bewiesen, dass wir die Leute mit unseren Ideen und Konzepten erreicht haben.

Müller: Es war zu sehen, dass Herr Bukowski einen sehr engagierten Wahlkampf geführt hat. Trotzdem bekam er nicht so viele Stimmen wie CSU-Kandidat Thomas Reichel im Jahr 2014. Mir fehlten die Stimmen, die Ulrich Leiner von den Grünen bekam. Sonst ist das Ergebnis fast wie vor sechs Jahren.

Corona beherrscht unser Leben. Geht unter solchen Voraussetzungen überhaupt Wahlkampf?

Müller: Nein! Ich werde oft gefragt: „Warum machen Sie nicht mehr Wahlkampf?“ Ich habe dafür einfach keine Kapazitäten! Wir haben im Rathaus eine Task Force eingerichtet. Wir haben die Corona-Teststation eingerichtet. Es ist jetzt keine Zeit für Hochglanzbildchen im Briefkasten. Die Gemeinde geht vor! Es liegt nicht in meiner Macht, eine Wahl zu verschieben. Das wäre Sache des Freistaats Bayern gewesen.

Bukowski: Es passt nicht in diese Zeit, einen „normalen“ Wahlkampf zu machen. Aber natürlich will ich die Stichwahl gewinnen. Und ich will den Bürgern erzählen, was sie von mir erwarten können. Deshalb haben wir auch in einem Kraftakt unser 100-Tage-Programm für Haar erarbeitet und verteilt.

Passt dieser 100-Tage-Plan in die Zeit der Corona-Krise?

Müller: Es passt tatsächlich überhaupt nicht. Ich frage mich schon: Was denkt er? Natürlich wird es eine Zeit danach geben. Aber dann werden wir es mit ganz neuen Voraussetzungen zu tun haben. Unsere Baustellen werden nicht rechtzeitig fertig werden, weil der Stahl nicht mehr aus dem Ausland geliefert wird. Und viele Arbeiter wollen heim nach Rumänien. Da muss niemand über virtuelle Gemeinderatssitzungen diskutieren.

Bukowski: Ich verstehe die Kritik überhaupt nicht. Die Leute wählen doch die Zukunft. Und sie sollen wissen, wie ich sie mir vorstelle. Es geht darum, welche Ideen wir haben und wie wir sie anpacken wollen.

Sie sind in der Kommunalpolitik, weil sie ein gewisses Bild davon haben, wie Gesellschaft funktioniert oder funktionieren sollte. Verändert sich an Ihren Einstellungen etwas in diesen Tagen?

Bukowski: Wenn, dann zum Positiven. Es ist schon beeindrucken, welche Solidaritätswelle gerade durch Bayern und Haar rollt. Die Leute wollen sich unterstützen, das zeigt auch der Erfolg der Aktion des Gewerbeverbands Haar Trudering.

Müller: Nein, bei mir ändert sich die Einstellung nicht. Ich merke aber, dass in dieser extremen Situation Menschen mit ihren Grundhaltungen konfrontiert werden. Es gibt eine Welle der Hilfsbereitschaft in Haar. Aber eine große Sorge kommt dazu. Um die eigene Gesundheit und die der Liebsten. Füreinander da zu sein, das wird schwerer. Deshalb freue ich mich, dass der Haarer Tisch nächste Woche wieder aufmachen wird.

Ob die Krise ein paar Monate dauert oder mehr als ein Jahr, wie wird sich auch Haar dadurch verändern?

Müller: Niemand kann das absehen. Es werden sehr viele Gelder freigestellt. Und ich sehe, dass die Formulare dafür sehr unbürokratisch sind. Die Sicherheit geht jetzt vor.

Bukowski: Schwer zu sagen. Das beherzte Handeln der bayerischen Staatsregierung zeigt hoffentlich Wirkung. Vielleicht wird es dann doch nicht so schlimm wie viele derzeit befürchten.

Worum geht es bei der Briefwahl am Sonntag?

Bukowski: Es geht um die Zukunft. Und ich will es jetzt wissen.

Müller: Es geht um sechs Jahre Zukunft für die Gemeinde Haar. Um Erfahrung und Kompetenz, um Sicherheit und Stabilität. Dafür stehe ich. 

Interview: Marco Heinrich 

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