„Einige Politiker müssen mutiger werden!“

Haar: Ehemaliger Gemeinderat der Freien Wähler auf Grünen-Liste

Der 61-jährige Ulrich Leiner (unten Mitte) ist Bürgermeisterkandidat für die Haarer Grünen. Er wurde mit 100 Prozent der Stimmen gewählt. Ton van Lier (oben links) steht als Parteifreier auf Platz 6 der Grünen-Liste für die Kommunalwahlen 2020.
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Der 61-jährige Ulrich Leiner (unten Mitte) ist Bürgermeisterkandidat für die Haarer Grünen. Er wurde mit 100 Prozent der Stimmen gewählt. Ton van Lier (oben links) steht als Parteifreier auf Platz 6 der Grünen-Liste für die Kommunalwahlen 2020.

Die Haarer Grünen haben sich für die Kommunalwahl 2020 aufgestellt. Ulrich Leiner wurde wie erwartet zum Bürgermeisterkandidaten gewählt. Eine große Überraschung ist aber die Aufstellung von Ton van Lier. Bis vor kurzem war er noch für die Freien Wähler im Gemeinderat.

Wer die Geschehnisse im Haarer Gemeinderat in den vergangenen fünf Jahren verfolgt hat, den wird Ton van Liers Entscheidung, sich der Fraktion der Grünen anzuschließen, nicht so sehr wundern. „Unser Abstimmungsverhalten war oft sehr ähnlich“, gibt van Lier zu. Auch die Begründungen gingen oft in die gleiche Richtung. „Und das, ohne dass wir uns abgesprochen haben.“ So sei es für ihn nur natürlich und konsequent gewesen, sich nun den Grünen anzuschließen.

Schon Anfang September hat van Lier bekannt gegeben, dass er bei den Freien Wählern austreten wird. Seine politische Ausrichtung stimme nicht mehr mit der liberal-konservativen Politik der übergeordneten Partei überein. „Die Freien Wähler waren einmal bewusst unabhängig“, sagt er dazu. Mittlerweile habe sie sich allerdings immer mehr der CSU angeglichen und sei sehr konservativ. „Wenn die Menschen mich in den Gemeinderat wählen, haben sie aufgrund meiner Parteizugehörigkeit automatisch eine gewisse Erwartungshaltung an mich. Die ich so nicht mehr hätte erfüllen können“, glaubt van Lier.

Mit der Entscheidung, ob er dennoch wieder für den Gemeinderat kandidieren will, hat van Lier sich zunächst Zeit gelassen. „Ich habe bewusst Zeit verstreichen lassen und mir Gedanken gemacht, ob ich vielleicht auch ganz mit der Kommunalpolitik aufhöre. Allerdings glaube ich, dass wir ein paar schwierige Jahre mit großen Aufgaben vor uns haben.“ Und da spricht van Lier nicht nur von der Politik im Gemeinderat. Immer mehr Menschen machen sich seiner Meinung nach Sorgen. Die Schere zwischen Arm und Reich gehe immer weiter auseinander. Hinzu kommen Themen wie Klimawandel, Wohnungsnot und die Verkehrswende. „Das alles sind große Themen und da möchte ich mitgestalten. Jetzt erst recht“, sagt van Lier entschlossen.

In der Politik müsse seiner Meinung nach auf allen Ebenen etwas passieren. „Die Politiker müssen mehr Mut haben, um diese Themen auch wirklich anzugehen.“ Dass dieser Mut leider oft fehlt, habe sich vor kurzem auch an der Diskussion um die Leibstraße gezeigt. Van Lier und Mike Sekinger von den Grünen waren dafür, zu prüfen, ob dort eine Fußgängerzone errichtet werden könne. Dieser Vorschlag hat allerdings nicht nur bei der CSU Schnappatmung hervorgerufen.

Auch die SPD sei eher vorsichtig gewesen und habe sich an dieser Stelle lediglich zu einem sogenannten „Verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“ durchringen können, bei dem immerhin Parkplätze wegfallen sollen und die Autos nur etwa 20 Kilometer pro Stunde fahren dürfen. „Herr Zill, Sie sind ein Feigling“, warf van Lier dem Fraktionssprecher der SPD in diesem Zusammenhang vor. An dieser Diskussion sehe man, wie schwierig es sei, die Schritte, die nötig seien, auch konsequent zu gehen. „Jeder möchte natürlich das Richtige tun“, sagt van Lier. „Jeder weiß auch in der Theorie, dass wir den Autoverkehr reduzieren müssen, aber dann kommen auch schon wieder die Bedenken. Wird der Einzelhändler nicht darunter leiden, wenn seine Kunden nicht mehr vor seiner Türe parken können, sondern in der 30 Meter entfernten, leerstehenden Tiefgarage?“ Aus diesen Bedenken heraus mache die Politik bedauerlicherweise immer wieder Rückschritte. „Langfristig müssen diese schwierigen Entscheidungen aber getroffen werden, weil sie die Richtigen sind“, glaubt van Lier.

Trotz seiner Verbundenheit mit grünen Themen steht van Lier erst mal als Parteifreier auf der Grünen Liste. Er könne sich aber auch durchaus vorstellen, in Zukunft in die Partei einzutreten. „Aber ein Schritt nach dem anderen“, sagt er. „Ich bin erst vor einer Woche endgültig bei den Freien Wählern ausgetreten. Jetzt will ich erst mal sehen, wie es weiter läuft.“ 

Lydia Wünsch

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