Leere Stühle im Kleinen Theater Haar

Corona-Krise bringt schwere Zeiten für Kultureinrichtungen: Der Glaube an das Prinzip Hoffnung

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Das Kleine Theater Haar bleibt vorerst leer. Doch in der Krise zeigen sich die Menschen solidarisch mi dem Theater, sagt Intendant Matthias Riedel-Rüppel.

Seit über einem Monat befindet sich Deutschland in einem Ausahmezustand. Der hat besonders auch Auswirkungen auf Kulturschaffende, wie Matthias Riedl-Rüppel vom Kleinen Theater Haar erzählt.

Haar –Viele Geschäfte können so langsam wieder aufatmen: Sie dürfen wieder öffnen. Neben Schulen, Läden, Friseuren und Baumärkten bleibt jedoch für so viele andere Einrichtungen und Betriebe unklar, wann sie ihre Türen wieder aufsperren dürfen. Neben der Gastronomie sind vor allem auch die Kulturbetriebe stark von den Schließungen im Rahmen der Corona-Maßnahmen betroffen.

Seit einem Monat gibt es bereis keine Veranstaltungen. Das heißt: Miet- und Mitarbeiterkosten, aber keine Einnahmen durch Ticketverkäufe. „Es ist eine Zeit der Unsicherheit“, erklärt Matthias Riedel-Rüppel, Intendant des Kleinen Theater in Haar. Und diese Zeit der Unsicherheit wurde nun durch die Bundesregierung und das Land Bayern verlängert. Denn für Theater, Kinos, Kneipen und Restaurants gibt es nicht einmal einen Ausblick darauf, wann diese ihren Betrieb wieder aufnehmen dürfen. Und selbst wenn. Öffnen dürfen

Läden derzeit auch nur, wenn sie ein Hygiene-Konzept vorlegen können. Da werden die Kunden am Eingang gezählt und durch Markierungen am Boden und Absperrungen durch den Laden geschleust.

Was die Zukunftsaussichten für Einrichtungen wie das Kleine Theater in Haar nur noch schwieriger macht. „Wir wären wahrscheinlich auch mit der Öffnung unter den Bedingungen, wie sie in Läden gelten, nicht profitabel“, erklärt Riedel-Rüppel. Der Versuch, sich vorzustellen, wie in einem kleinen Theater-Saal, in den etwa 350 Zuschauer passen, jeder von jedem eineinhalb Meter Abstand halten muss, endet in einem irrwitzigen Bild. Schließlich gelten die

Abstandsregelungen ja nicht nur rechts und links vom eigenen Sitz, sondern auch hinter und vor jedem Zuschauer. Volle Säle braucht das Kleine Theater jedoch – zumindest in einem regelmäßigen Rhythmus, um die laufenden Kosten abzudecken.

Außerdem gebe es wohl auch noch andere Hindernisse, um die gängigen Hygieneregeln in einem Theater umzusetzen: „Es könnte auch Konflikte mit anderen Verordnungen geben“, so Riedel-Rüppel. „Zum Beispiel darf man die Stühle nicht entkoppeln.“ Sie bräuchten unbedingt eine klare Ansage seitens der Landesregierung, fordert er. Denn die entscheidet etwa auch, wie eine Großveranstaltung zu definieren ist. Derzeit geht der Leiter des Theaters davon aus, dass es bis 31. Juli keine Veranstaltungen im Kleinen Theater Haar mehr geben wird.

Zwar ginge es dem Haarer Theater noch vergleichsweise gut, da der Bezirk und die Gemeinde zum Unterhalt beisteuere. Aber besonders die freien Mitarbeiter, etwa in der an das Theater angeschlossene Gastronomie oder Techniker, treffe es hart. „Wenn ich dann von einem unserer Techniker höre, er hat keine Orientierung mehr, da kriege ich Gänsehaut“, gibt Riedl-Rüppel zu. Das Schicksal der anderen ginge nicht spurlos an einem selbst vorbei, auch wenn es ihm selbst nicht allzu schlecht ginge.

Solidarität gibt es jedoch glücklicherweise nicht nur innerhalb des Theaters, wie Riedel-Rüppel erzählt. BeimVerkauf der Getränkebestände aus dem Keller, natürlich to-go und zum Einkaufspreis, kaufte eine Kundin Getränke für 120 Euro. Und rundete auf 200 Euro auf. „Ich musste erst noch einmal nachfragen, ob ich es richtig verstanden habe“, sagt Riedel-Rüppel und lacht. Diese Situationen gebe es eben auch in der Corona-Krise. Kleine Lichtblicke am Horizont. Es gibt auch eine Zeit nach Corona. „Ich werde die neue Spielzeit trotzdem vorstellen, so als würde spätestens am 13. September die neue Spielzeit ohne Einschränkungen starten. Ich glaube an das Prinzip Hoffnung“, erzählt Intendant Matthias Riedel-Rüppel.

Pia Getzin


Mehr über Haar und den Münchner Osten gibt es in der Übersicht.

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