„Mir ist nicht bang, aber so ein bisschen hm...“

Grünen Bürgermeisterkandidat Ulrich Leiner im Portrait

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Im Erkerzimmer seines alten Wohnhauses sprach Grünen-Bürgermeisterkandidat Ulrich Leiner unter anderem darüber, warum sich die Politik der Grünen verändern musste.

Ulrich Leiner ist Haars Bürgermeisterkandidat für die Grünen. Im März 2020 will er Gabriele Müller herausfordern. Im beschaulichen Erkerzimmer seines Wohnhauses spricht er über grüne Politik und wie sich sein Leben verändern würde, sollte er die Wahl gewinnen.

Haar – Ein altes Haus, ein verwilderter Garten. Wer die Holztüre zu Ulrich Leiners Vorgarten öffnet, hat das Gefühl, als würde er das Tor zu einem kleinen verwunschenen Schlösschen betreten. Alles an und in dem alten Haus, das seit 1918 im Familienbesitz ist, strahlt Behaglichkeit und Idylle aus. Doch mit dieser Ruhe könnte es bald vorbei sein. Denn Ulrich Leiner ist Bürgermeisterkandidat für die Grünen. Und der Wahlkampf steht bevor. Da heiß es, sich auch mal streiten, profilieren und durchsetzen.

„Ich habe mich schon immer für eine pragmatische Realpolitik eingesetzt“, sagt Leiner. Als junger Mann hat er in den 70er-Jahren über die Anti-Atomkraftbewegung schon früh zu den Grünen gefunden und 1980 die Partei sogar mitgegründet. Er ist also ein Grüner der ersten Stunde. Außerdem ist Leiner der Ortsvorsitzende der Haarer Grünen. Trotzdem zählt er derzeit nicht zu den bekanntesten Figuren in der Haarer Kommunalpolitik. Auch weil er in den vergangenen fünf Jahren nicht im Gemeinderat saß und sich dort nicht so aktiv einsetzen konnte, wie etwa der Grünen Fraktionsvorsitzende Mike Seckinger. Trotzdem will Leiner Bürgermeister werden und nicht Seckinger. Warum?

„Mir hat man es einfach etwas mehr zugetraut, auch das bürgerliche Lager anzusprechen“, sagt Leiner. „Wenn wir in der Politik der Zukunft vorne mitspielen wollen, müssen wir über die traditionellen Grenzen hinaus gehen.“ Mit traditionell meint Leiner den radikaleren Kurs der früheren Grünen. „Natürlich sind die Grünen aus einer Rebellion heraus entstanden, aber wenn man viele ansprechen will, muss man eben kompromissfähig sein“, glaubt Leiner. Kompromissfähig und wenig rebellisch wirkt auch Leiner selbst. Kann so einer auch mal richtig auf den Tisch hauen?

Einen glattgeschliffenen Kuschelkurs will Leiner jedenfalls nicht fahren. „Für einen durchgehenden Zehn-Minuten-Takt bei der S-Bahn würde ich auch auf die Straße gehen“, sagt er. Aber Veränderung laufe nun mal über Regieren – und da heiße es, mehrheitsfähig zu werden. „Bisher waren wir immer nur Juniorpartner. Jetzt spielen wir plötzlich auf ganz anderen Positionen mit, und da sind wir auch noch in einem Lernprozess. Aber wenn die Themen mehrheitsfähig sind, dann müssen es auch die Lösungen sein.“

Und nicht nur das: Man müsse eben auch geschmeidig daherkommen, glaubt Leiner. „Ein Toni Hofreiter wirkt halt anders als ein Robert Habeck. Beim Hofreiter sagen schon viele: Wie schaut denn der aus?“ Über solche Oberflächlichkeiten komme man bedauerlicherweise auch in der Politik nicht herum. Aber Attraktivität liegt nun mal im Auge des Betrachters. Davon abgesehen muss man sich auch eine gewisse Bekanntheit aufbauen, wenn man Bürgermeister werden will. Und da gehe es dann weniger darum, sich mit Mike Seckinger oder Toni Hofreiter zu vergleichen, als mit der amtierenden Bürgermeisterin, Gabriele Müller. „Das geht aber den anderen Kandidaten genauso“, sagt Leiner ganz entspannt. Auch wenn er die Autorität der SPD-Bürgermeisterin durchaus anerkennt. Dennoch ist sich Leiner sicher: „Eine Stichwahl wird es auf jeden Fall geben. Und da gilt es dann, den CSU-Kandidaten Andreas Bukowski oder Gabriele Müller zu schlagen.“

Aber egal wie die Wahl ausgeht: „Gemeinderat ist Gesetz.“ Zudem ist Leiner auf Listenplatz 15 des Kreistags und rechnet sich gute Chancen aus, hineingewählt zu werden. „Zusammen mit meinem Job als Forschungskoordinator beim Fraunhofer Institut bin ich dann voll ausgefüllt, auch wenn ich nicht Bürgermeister werde.“

Vor den Aufgaben, die ihm als Bürgermeister bevorstehen würden, scheut er sich aber auch nicht. „Ich weiß, was Arbeitsbelastung bedeutet, und ich habe Führungserfahrung.“ Doch bei dem Amt als Bürgermeister geht es um mehr als um Führungsqualitäten. Das ist eine Aufgabe, die man leben muss, sobald man auch nur einen Schritt vor die Türe setzt. Wo bleibt da noch die Privats­phäre? „Mir ist nicht bang, aber so ein bisschen hm... ist mir schon“, gibt Leiner zu. „Wenn man im Garten ist, dann will man auch mal im Garten sein und nicht angesprochen werden“, sagt er. Einen Rückzugsort will er sich jedenfalls immer bewahren.

Dennoch gehöre es für einen Bürgermeister dazu, für die Sorgen seiner Bürger da zu sein. Das muss ein Grüner genauso reißen wie eine SPD-Bürgermeisterin. Aber mit der Pullacher Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund hat Leiner zumindest ein Vorbild. „Sie ist für mich das Beispiel, dass ein Grüner es schon einmal im Landkreis gepackt hat. Das zeigt mir: Es ist möglich.“ 

Lydia Wünsch

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