217 Fallschirmspringer, ein Team – und ein neuer Weltrekord

Das große Abenteuer einer Haarerin über der amerikanischen Wüste

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Nach dem Absprung begann die Arbeit für Elisabeth Wagner-Gantzer erst richtig.

Rund 150 Fallschirmsprünge stehen jedes Jahr auf dem Programm von Elisabeth Wagner-Gantzer (55). Die jüngsten über Phoenix (USA) wird sie wohl nie vergessen.

Peter Paul Gantzer sitzt seit 1978 im Bayerischen Landtag, er trägt das Bundesverdienstkreuz ebenso wie das Ritterkreuz des Ordens Isabel la Católica, verliehen durch den Spanischen König. Diesen Mann bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Doch angesichts der jüngsten Leistungen seiner Ehefrau griff er nach Superlativen: „Das war ein Megaweltrekord!“ Denn das war geschehen: Nicht weniger als 217 Fallschirmspringer aus aller Welt trafen sich in Phoenix (USA), um gemeinsam etwas zu schaffen, das noch nie zuvor gelungen war. Sie wollten aus zehn Flugzeugen in 7000 Meter Höhe hinausspringen und sich innerhalb von drei Minuten freiem Fall zu drei verschiedenen Formationen zusammen schließen. Es wurde ganz knapp. Aber es gelang. Mittendrin: Elisabeth Wagner-Gantzer.

Elisabeth Wagner-Gantzer hat den Weltrekord im Fallschirmspringen geschafft.

„Es war, als wäre die ganze Welt zusammengekommen. Springer aus 22 Nationen waren angereist. Selbst Russen und Ukrainer arbeiteten problemlos zusammen. Es war eine tolle Stimmung“, erinnert sie sich. Doch bis der Weltrekord aufgestellt wurde, war es ein weiter Weg. „Bei einem solchen Vorhaben geht unheimlich viel schief. Über 200 Springer zu koordinieren, ist an sich schon schwer. Jeder probiert mit Blei herum, bis er die Fallgeschwindigkeit der Gruppe trifft. Manchmal macht auch ein T-Shirt unter dem Anzug den Unterschied“, erzählt sie. Das Besondere bei diesem Rekordversuch: Es ging nicht nur darum, sich einmalig zu einer Formation zusammen zu schließen, zwei Mal musste sie aufgebrochen werden, um eine neue zu bauen. Rund die Hälfte aller Teilnehmer muss tesich dabei in der Luft bewegen. Wagner-Gantzer gehörte mit dazu.

Erst im letzten der insgesamt über 20 Sprünge gelang die Mission. Einen weiteren Versuch hätte es nicht gegeben. Umso größer war die Anspannung nach dem Sprung, denn die Schiedsrichter werteten das Videomaterial zwei Stunden lang aus, bevor der Rekord galt. „Ich habe schon im Schirm gejubelt, weil ich so ein gutes Gefühl hatte. Als das Ergebnis dann offiziell war, fielen sich dann alle um den Hals“, erzählt sie lachend.

Fallschirmspringen ist schon lange die Leidenschaft von Elisabeth Wagner-Gantzer. Auch wenn ihre Eltern anfangs gar nicht begeistert davon waren, dass die einzige Tochter unter den fünf Kindern ausgerechnet damit ihre Zeit verbringen wollte. „Ich habe mich durchgeboxt, das Springen hat mich sofort gepackt“, erinnert sie sich. Was vermutlich noch dadurch verstärkt wurde, dass sie in diesem Umfeld auch ihren späteren Ehemann kennenlernte, der selbst viele Rekorde im Fallschirmspringen aufstellte. Auch er springt heute (im Alter von 79 Jahren) noch immer, aber die großen Abenteuer in der Luft überlässt er heute lieber seiner Frau. 2006 gehörte sie zum Team, als 400 Springer in Thailand die bis dahin größte Formation bildeten. Jetzt gelang ihr in Amerika der nächste große Streich.

Marco Heinrich

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