„Wir werden weniger und älter“

Gewerkschaft der Feuerwehr klagt über Nachwuchsprobleme

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Maximilan Theil ist seit seinem 16. Lebensjahr bei der Freiwilligen Feuerwehr Haar tätig.

Für viele Kinder ist der „Feuerwehrmann Sam“ aus der gleichnamigen TV-Serie ein großes Vorbild. Trotzdem klagt die Feuerwehr über ein großes Nach- wuchsproblem. Was passiert zwischen Kindheit und Erwachsenenalter mit dem Traum, eines Tages Feuerwehrmann zu werden?

Es ist drei Uhr nachts, alles ist still. Die Straßen sind leer, alle Lichter sind aus. Die meisten liegen im Bett und schlafen tief und fest. Doch auf einmal unterbricht ein Geräusch die nächtliche Stille. Der 22-jährige Maximilian Theil weiß sofort, was zu tun ist: Er springt aller Müdigkeit zum Trotz aus dem Bett. In drei Minuten muss er angezogen und auf der Feuerwehrwache sein. Denn irgendwo in Haar braucht jemand seine Hilfe.

So läuft es ab, wenn die Freiwillige Feuerwehr in Haar alarmiert wird. Egal ob es sich um einen Brand, um einen Autounfall oder um eine Wohnungsöffnung handelt: Ein Feuerwehrmann sollte sofort zur Stelle sein. Sobald der Funkwecker klingelt, den jedes Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in der Hosentasche hat, ist keine Zeit zu verlieren. Vom Alarm bis zum Eintreffen am Einsatzort dürfen höchstens zehn Minuten vergehen. In dieser Zeit müssen die Einsatzkräfte zur Feuerwehrwache kommen, sich ihre Schutzkleidung anziehen und mit dem Feuerwehrauto losfahren. Egal zu welcher Uhrzeit. Das muss klappen.

Ein großes Feuer so gekonnt zu löschen wie „Feuerwehrmann Sam“ in der gleichnamigen Kinderserie, davon träumen viele Kinder. „Manche haben die Vorstellung, dass es viel Action gibt, aber das ist eigentlich nicht so. Am Einsatzort läuft alles relativ ruhig ab“, erklärt der 22-jährige Maximilian Theil, der mit 16 Jahren eine Ausbildung bei der Freiwilligen Feuerwehr Haar begonnen hat. „Wenn doch einmal geschrien wird, dann nur, um den Lautstärkepegel zu übertönen.“ Theil gehört der kleiner werdenden Gruppe junger Menschen an, die freiwillig für die Feuerwehr tätig sind. Denn obwohl die Begeisterung für alles, was mit der Feuerwehr zu tun hat, bei Kindern sehr groß ist, gibt es Probleme, genügend Nachwuchs finden. Vor allem die Berufsfeuerwehr ist davon stark betroffen. „Wir werden weniger und älter“, beklagt Siegfried Maier, Vorsitzender der Landesgruppe Bayern der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft. „Zum einen gibt es weniger Bewerber, zum anderen kommt eine immer geringere Anzahl an Bewerber durch das Auswahlverfahren“, sagt er. Von 60 freien Ausbildungsstellen bei der Feuerwehr können nur noch 50 besetzt werden. Das liegt seiner Meinung nach nicht etwa daran, dass die Anforderungen höher werden, sondern vielmehr, dass die körperliche Leistungsfähigkeit der Bevölkerung sinkt. Die Menschen seien schlichtweg nicht mehr fit genug, um auf Einsätzen bestehen zu können. Laut Maier gibt es zwei Möglichkeiten, wieder mehr Mitarbeiter zu bekommen. „Zum einen könnten wir die Anforderungen heruntersetzen, aber das wäre kontraproduktiv. Dadurch würde die Qualität der Feuerwehr sinken. Die andere Möglichkeit ist zu versuchen, den Beruf durch bessere Bezahlung reizvoller zu machen.“ Das würde Maier befürworten. „Die freie Wirtschaft zahlt einfach besser als die Berufsfeuerwehr, die staatlich organisiert ist. Die Schere geht immer weiter auf.“ Da müsse seiner Meinung nach entschlossen gegengesteuert werden.

Schon jetzt wird ein großer Teil der Arbeit durch die Freiwillige Feuerwehr abgedeckt. Gerade aus dem Landkreis ist sie nicht mehr wegzudenken. 97 Prozent der gesamten Feuerwehr in Bayern wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern abgedeckt. Aber auch hier sinkt die Beteiligung. „Ein ehrenamtlicher Feuerwehrmann verdient kein Geld“, betont Maier. „Wenn in einer Firma von elf Mitarbeitern fünf bei der Freiwilligen Feuerwehr sind, fehlen diese mehrere Stunden pro Woche, weil sie auf Einsätze müssen. Und irgendwann wird sie ihr Chef vor die Wahl stellen: Entweder der Job oder die ehrenamtliche Tätigkeit.“ Dadurch geraten die freiwilligen Helfer zunehmend unter Druck. „Das Ehrenamt ist ein wichtiger Teil der Feuerwehr“, betont Maier. Aber es muss dringend etwas getan werden.

Umso wichtiger ist es, dass Menschen wie Maximilian Theil sich engagieren. Mittlerweile ist er selbst als Jugendausbilder bei der Freiwilligen Feuerwehr Haar tätig und sorgt dafür, dass der Nachwuchs an diese verantwortungsvolle Aufgabe herangeführt wird. Gerade haben die Nachwuchsfeuerwehrler, auch Welpen genannt, die Zwischenprüfung abgelegt. In einem Jahr werden sie auf richtige Einsätze gehen und bereit sein, wenn nachts um drei der Funkwecker klingelt.

Francesca Saglia

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