„Es tut weh, ich liebe diesen Beruf einfach“

Haar: Gabriele Müller nach ihrer Niederlage 

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Gabriele Müller vor ihrem geliebten Rathaus. Solche Bilder wird man in Zukunft nur noch selten sehen. 

Gabriele Müller wollte unbedingt verhindern, dass die Kette der Haarer SPD-Bürgermeister hinter ihr reißt. Nun ist genau das passiert. CSU-Kandidat Andreas Bukowski hat in der Stichwahl mit 51,5 Prozent die Mehrheit erreicht. HALLO-Chefredakteur Marco Heinrich sprach mit einer enttäuschten Noch-Bürgermeisterin.

HALLO: Sind Sie schon am Verdauen dieser Niederlage oder liegt sie doch sehr schwer im Magen?

Müller: Es ist schwierig. Und es tut weh. Ich liebe diesen Beruf einfach und habe ihn mit viel Leidenschaft gemacht. Es tut mir sehr leid, ich wollte noch so viele Dinge machen und für die Gemeinde Haar auf den Weg bringen.

Das Rennen war ab dem ersten ausgezählten Wahlkreis sehr knapp. Ab wann haben Sie gewusst, dass es nicht reichen wird?

Ich habe mir Sorgen gemacht, schon als die Ergebnisse des ersten Wahlkreises hereinkamen. Dann blieb es lange knapp, aber es hat nicht gereicht.

Es ist zu früh für tiefgehende Analysen, aber können Sie sich diesen Wahlausgang erklären?

Natürlich macht man sich Gedanken. Die Corona-Krise hat mit Sicherheit etwas beigetragen. Grüne Themen sind in solchen Zeiten nicht so wichtig wie zum Beispiel Sicherheit. Und Herr Söder macht seinen Job momentan auch richtig gut, das hilft natürlich der CSU.

Sie haben gesagt: „Die Gemeinde geht vor“ und haben das auch gelebt...

Ich habe in meinen Jahren als Bürgermeisterin sicherlich nicht alles richtig gemacht, aber große Vorwürfe mache ich mir nicht. Und was die vergangenen Wochen angeht: Statt auf der Straße herumzulaufen, habe ich gearbeitet. Wenn dadurch am Ende die Stimmen fehlen, verstehe ich die Welt nicht, um ehrlich zu sein.

Wie geht es jetzt mit Ihnen weiter: Werden Sie im Gemeinderat weiter arbeiten?

Ich kann das jetzt noch nicht beantworten. Da muss ich auch erst einmal mit meinem Ortsverein reden. Und ich muss mich parallel ja auch um meine berufliche Perspektive kümmern. Als Lehrerin mit meiner Berufserfahrung bin ich zum Glück begehrt. Dort zumindest. Die ersten Anrufe hat es dazu auch schon gegeben. Aber ich muss das für mich in den kommenden Tagen erst einmal sortieren.

Sie werden Ihrem Nachfolger keine Ratschläge geben, aber einfach ist seine Position mit einem Gemeinderat ohne eigene Mehrheit nicht...

Das ist gewiss eine spannende Konstellation. Dass ein Bürgermeister ohne eigene Mehrheit auskommen muss, ist heutzutage durchaus üblicher geworden. Da braucht es dann die Fähigkeit zur Moderation. Ob Herr Bukowski das kann, weiß ich nicht. Dafür kenne ich ihn nicht gut genug. Aber die CSU-Fraktion habe ich ja über Jahre hinweg kennen gelernt. Naja, ich bin gespannt, wie sie mit dieser Situation jetzt umgehen.

Interview: Marco Heinrich

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