Kleine Schritte auf dem langen Weg in eine bessere Welt

Fair gehandelte Fußbälle und Stofftaschen statt Plastik in Haar

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Die beiden Schülerinnen Sofie und Maja stießen die Initiative „haar fairpackt“ mit den über 20 Umweltscouts des Ernst-Mach-Gymnasiums an.

Das Thema der Ausstellung im Haarer Rathaus lautete „Globale Gesundheit beginnt bei uns“. Aber Edwin Busl nutzte die Gelegenheit, um Grundsätzliches anzusprechen. Es wurde ein flammender Appell des Studiendirektors vom Ernst-Mach-Gymnasium.

Die Saat für alle globalen Zukunftsziele müsse man in der Schule säen, sagte er: „Hier kann man eine Bühne betreten, bei der man Werte vertritt, die in der wirtschaftlich dominierten Welt untergebuttert werden!“ Es gehe um Empathie und Solidarität. „Etwas beginnt bei uns – das ist die eigentliche Message. Wir haben maßgeblich Verantwortung, etwas zu verändern“, sagte der engagierte Lehrer. Uns alle in der westlichen Welt dabei immer nur als Vorbild hinzustellen, sei ein fataler Fehler. Auch wenn sich jeder einzelne engagieren kann, müsse darauf hingewirkt werden, dass die Entwicklung in den Ländern selbst stattfindet. Der anwesende Bundestags- abgeordnete und Sprecher für Entwicklungspolitik Uwe Kekeritz (Bündnis90/Grüne) zeigte sich vom schulischen Engagement begeistert, das er im Zuge eines der Diskussion vorgelagerten Vortrags am Ernst-Mach-Gymnasium kennengelernt hatte. Zudem die gemeindlichen und Vereins-Aktivitäten, die Bemühungen Fairtrade-Town zu werden, die Eine-Welt-Arbeit, die Tansania-Verbindungen – all das wäre laut Kekeritz ein vorbildlicher Weg.

Wie dieser Weg aussieht, bewiesen in jüngster Vergangenheit gleich mehrere Aktionen. So übte sich Bürgermeisterin Gabriele Müller nicht nur aus purem Spaß beim Fußballspielen in hochhackigen Schuhen mit den Kindern des TSV Haar. Was Fairness ist, musste sie den Buben nicht lange erklären. Doch was kann an Fußbällen fair sein? Die mitgebrachten „FairTrade Fußbälle“ sorgten für die Antwort.

Dass die allermeisten Fußbälle in Asien oder Afrika hergestellt werden, erstaunte die Buben. Doch die kleinen Münder blieben offen, als sie dann noch erfuhren, dass diese Bälle häufig von Kindern gefertigt werden.„Wir in der Gemeinde Haar wollen, dass die Kinder in die Schule gehen dürfen und nicht arbeiten müssen“, erklärte Gabriele Müller, während die Jungs das FairTrade-Zeichen auf den neuen Bällen genau inspizierten. Schließlich möchten sie das in Zukunft auch wiedererkennen – denn es ist auch auf Lebensmitteln oder Kleidung zu finden, wie die Bürgermeisterin erklärte. „Wenn ihr das Zeichen seht, könnt ihr euch sicher sein, dass dafür keine Kinder gearbeitet haben, die erwachsenen Arbeiter fair bezahlt und behandelt werden“, sagt sie.

15 FairTrade-Bälle für das Feld und die Halle spendierte die Gemeinde ihrem Turn- und Sportverein. „Für uns ist das super, die können wir immer gebrauchen“, freute sich der Fußball-Abteilungsleiter Jihad Lamaa. Und dass es nun auch fair gehandelte Bälle sind, freut ihn noch mehr. Und für die Gemeinde? Ist es ein weiterer Baustein auf dem Weg zur „FairTrade Town“ – denn Haar bemüht sich nicht nur, diesen Titel zu erreichen, sondern den fairen Handel insgesamt zu unterstützen.

Einen anderen Ansatz wählten Schülerinnen und Schüler des Ernst-Mach-Gymnasiums. Während in den vergangenen Tagen alle über den „Black Friday“ und den „Cyber Monday“ sprachen, setzten sie einen bewussten Kontrapunkt. Die Gemeinde Haar unterstützt mit dem Ernst-Mach-Gymnasium den „Giving Tuesday“, eine Alternative zum Konsumrausch der Schnäppchenjägertage. Fair produzierte Stofftaschen aus Biobaumwolle wurden von den Schülern unter dem Motto „Haar FAIRpackt!“ kostenlos im Jagdfeldzentrum verteilt.

Als „Tag der guten Taten“ sollte vergangenen Dienstag nach dem Motto „Schenken-Spenden-Teilen“ Freude am Miteinander vermittelt und anstelle des „Billigen“ das „Wertvolle“ betont werden. So wurde der oftmals gedankenlos nur einmal verwendeten Plastiktüte („In zwei Minuten hergestellt, 20 Minuten gebraucht und 200 Jahre haltbar“) die dauerhaft nutzbare (wasch- und reparierbare) Stofftasche als sinnvolle Alternative gegenübergestellt und gleichzeitig auf die Bedrohung unserer Lebensgrundlagen und unserer Gesundheit durch (Plastik-)Abfälle aufmerksam gemacht. Infotafeln mit entsprechenden Informationen wiesen an diesem Vormittag im Jagdfeldzentrum auf diesen bedrohlichen Aspekt unserer Konsumgewohnheiten hin.

Die Gemeinde Haar ist bestrebt, Fair Trade Town zu werden, und das Ernst-Mach-Gymnasium möchte gerne als Fair Trade School ausgezeichnet werden – diese übereinstimmende Zielrichtung legt eine Kooperation von Gemeinde und Schule nahe. „Wir sind in Haar gesegnet mit Menschen, die aktiv sind“, freute sich Bürgermeisterin Gabriele Müller. 

Marco Heinrich

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