Experten helfen bei Haarer Gebietsentwicklungskonzept

Östlich von München oder doch im Münchens Osten?

Nicht alles kann die Gemeinde kontrollieren, wenn es um neue Firmen geht, die sich in Haar ansiedeln – manches aber schon. Experten gaben dem Gemeinderat nun im Rahmen eines Gewerbeentwicklungskonzepts ein paar Tipps für die Zukunft.

Es gibt einzelne Worte, für die man die deutsche Sprache entweder lieben oder hassen kann. Gewerbeentwicklungskonzept ist dafür ein gutes Beispiel. Ein Wortungetüm, dessen Inhalt dem Haarer Gemeinderat zweieinhalb Stunden lang durch Vertreter des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München (PV) erläutert wurde. Kernaussage der Präsentation war, dass vieles in der Vergangenheit richtig gemacht wurde – und einiges vielleicht noch ein bisschen besser geht. „Wir profitieren von unserer langfristigen, konsequenten Planung hier im Gemeinderat“, freute sich Bürgermeisterin Gabriele Müller über die Beschreibung des Ist-Zustands durch die PV-Mitarbeiter.

Verschiedenste Indikatoren wurden ausgewertet: Arbeitsplätze je Einwohner, Flächenverbrauch für Gewerbe und Erholung, Gewerbesteuereinnahmen pro Arbeitsplatz. In sämtlichen Parametern muss Haar den Vergleich mit umliegenden Gemeinden nicht fürchten. Trotzdem muss sich auch weiterhin einiges tun. Geht es nach dem Gewerbeentwicklungskonzept, müssen in Haar bis etwa 2030 rund 2000 neue Arbeitsplätze entstehen. Dafür ist die Erschließung einer zusätzlichen Gewerbefläche von 140.000 bis 200.000 Quadratmeter erforderlich; das entspricht einer Größe von 20 bis 28 Fußballplätzen! Wobei gesagt werden muss, dass die Fläche deutlich schrumpft, wenn mehrstöckig gebaut wird. Die Realisierung eines weiteren Hochhauses legten die Experten den Gemeinderäten sehr ans Herz. Ein Konzept, das zwischen den einzelnen Fraktionen schon häufiger zu Diskussion geführt hatte.

Wenig amüsiert reagierten viele Gemeinderäte auch auf einen weiteren Vorschlag der Experten. Stadtplaner Andreas Marx wies darauf hin, dass sich Haar künftig nicht mehr als „östlich von München“ sehen und verkaufen sollte, sondern als „Münchens Osten“. Mit einer weitaus stärkeren Verzahnung zum Nachbar in Trudering. Samt Wiederaufleben des vor Jahren eingestellten gemeinsamen Gewerbeverbands Trudering-Haar und einem regelmäßigen Runden Tisch zwischen eben diesem Gewerbeverband und politischen Vertretern aus Trudering-Riem und Haar.

Nun ist Haar durchaus stolz auf seine Eigenständigkeit und auf den eingeschlagenen Weg, der sich deutlich von dem der Nachbarn aus Trudering unterscheidet. In den vergangenen Monaten schien zwischen den Nachbarn das Trennende gegen das Verbindende zu dominieren. Als „Münchens Osten“ sieht der Gemeinderat Haar jedenfalls überhaupt nicht.

Bei der Analyse der einzelnen Standortpotenziale ging es schließlich um sieben verschiedene Gebiete: 

• Ortsteile Gronsdorf, Salmdorf, Ottendichl 

•S-Bahnhof Gronsdorf 

•Eglfing/West 

•Blumenstraße 

•Peter-Henlein-Straße 

•Hans-Pinsel-Straße

•Finkwiese 

Die angesprochenen Möglichkeiten zur weiteren Entwicklung dieser Standorte blieb noch sehr vage. Der Baseball-Trainingsplatz am S-Bahnhof ist nicht zum ersten Mal Teil von neuen Überlegungen (HALLO berichtete). Für alle Gebiete, die im direkten Umfeld von Bahnhöfen liegen, schlugen die Experten immer wieder die Ansiedlung von „hochwertigem Gewerbe“ vor. Was zur durchaus angebrachten Kritik aus dem Gemeinderat führte, wo denn dann noch Raum für das Handwerk wäre.

Das Gewerbeentwicklungskonzept wird den Gemeinderat noch eine Weile beschäftigen. Im nächsten Schritt kann er Fragen an den Planungsverband formulieren. Erst dann wird das finale Konzept erstellt. Ob es dann auch zu politischen Beschlüssen der Gemeinde kommt, ist offen.

Marco Heinrich

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