Das schonungslose, private Portrait einer Generation

Dokumentarfilm in Haar über Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs

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Der Dokumentarfilm „Neun. Erinnerungen an bewegte Zeiten“ feierte im Oktober Premiere. Das nächste Mal ist er am Mittwoch, 13. November, in der Vhs Haar zu sehen.

In zahlreichen Interviews haben Michael von Ferrari und Kirsten Althof Menschen aus der Region befragt, wie sie den Zweiten Weltkrieg erlebt haben. Am Mittwoch, 13. November, ist der Film in der Volkshochschule Haar zu sehen.

Haar – Sie erinnern sich an Kurioses, Bedrückendes, Alltägliches, Menschliches. Neun ganz normale und zugleich ganz besondere Menschen dokumentieren mit ihren Interviews die Kraft des Überlebens. Als die Letzten, die mit dem Zweiten Weltkrieg in Berührung kamen, haben sie nachfolgenden Generationen etwas Wesentliches zu sagen. „Hören wir ihnen zu!“, lautet der Appell der Filmemacher.

Im August 2016 führte Filmemacher Michael von Ferrari, damals noch Umweltreferent der Gemeinde Haar, sein erstes Zeitzeugen-Interview mit der ältesten Freundin seiner Mutter. Es war das erste von 40 Interviews, mit denen er dokumentieren möchte, wie sich große geschichtliche Ereignisse auf das Schicksal Einzelner ausgewirkt haben. 2017 sprach ihn die Journalistin Kirsten Althof an, ob er Interesse habe, mit ihr einen Film aus den Interviews zu machen. Von Ferrari ließ sich überzeugen: „Es wäre jammerschade, wenn diese Erinnerungen an bewegte Zeiten auf der Festplatte meines PCs verstauben würden“, sagt er.

Zwei Jahre lang führten sie die Interviews gemeinsam. Für ein erstes Projekt wählten sie neun Zeitzeugen aus, recherchierten – in ihrer Freizeit und neben dem täglichen Berufsalltag – nach zahlreichen Fotos, in den Privatsammlungen der Zeitzeugen genauso wie in lokalen und internationalen Archiven. „Für mich war die Filmmusik ein ganz neues, spannendes Terrain“, freut sich Kirsten Althof über ihr neues Hobby. Im Oktober 2019 hatte „Neun. Erinnerungen an bewegte Zeiten“ dann Premiere in der Truderinger Friedenskirche.

Im Zentrum des 70-minütigen Films stehen die Geschichten der Zeitzeugen. Was allen gemein ist: Es sind Menschen, die heute in München und Haar wohnen. Sie erlebten den Krieg an unterschiedlichen Orten Europas als Schulkinder, sind zu Kriegsbeginn sechs, sieben oder acht Jahre alt. In den Trümmern der Erwachsenen werden sie Teenager – wachsen auf mit Chaos und Hunger. Sie sprechen im Film über eine Zeit, an der sie – anders als ihre Eltern – keine Schuld tragen. Wie zum Beispiel der 1928 geborene Rudolf Reichelt. Er ist in Tschechien aufgewachsen und lebt heute in Haar. In der Dokumentation erzählt er, wie seine Mutter einen HJler die Treppe hinunterstieß; mit dramatischen Folgen: Reichelt wurde von seiner Mutter getrennt, die er danach niemals mehr gesehen hat.

Oder die Geschichte von Doris Götz. Sie ist 1928 in Stuttgart geboren und lebt in Trudering. Sie überlebte den Feuersturm von Stuttgart und fand ihre verkohlte Großmutter nach einem Luftangriff.

Ähnlich ist die Geschichte von Fritz Strauß. Er wurde 1929 in München geboren und ist dort aufgewachsen, heute lebt er in Haar. Er überlebte oft nur dank eines Bienenstichs am Tag. Zweimal wurde er verschüttet und ist mehrfach dem Tode entronnen. Einmal musste er seine Schwester aus einem zerbombten Haus retten.

Von Ferrari und Althof werden „Neun. Erinnerungen an bewegte Zeiten“ an verschiedenen Orten – Gemeinden, Schulen, Volkshochschulen – in der Region vorführen. Einige der Zeitzeugen sind für eine an den Film anschließende Diskussion mit dem Publikum bei den Veranstaltungen anwesend. Der nächste Termin ist am Mittwoch, 13. November, um 19.30 in der Volkshochschule Haar, OG 06 Vortragsraum. Eine Filmvorführung mit anschließender Zeitzeugen-Diskussion. Die Anmeldung erfolgt über die Vhs Haar. Restkarten sind gegebenenfalls an der Abendkasse erhältlich.

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